gegen den Strich . Nun , eine Ehe war am Ende keine Zuchthausstrafe auf Lebenszeit . - Lotte und Frau Wohlgebrecht waren in den Vorbereitungen für ihr zukünftiges gemeinsames Leben , das um Anfang Oktober beginnen sollte , schon sehr weit vorgeschritten . Bald nach ihrem ersten gemeinsamen Besuch an Lenas Hochzeitstag bei Luischen hatte Frau Wohlgebrecht Lotte ihren Plan entwickelt . » Mein Mädelchen « , hatte sie ihr gesagt , » die Sache wird folgendermassen gemacht , und wenn ' s nicht der liebe Herrgott selber ist , wollen wir mal den sehen , der uns einen Strich durch die Rechnung macht . Ich gebe das Geschäft hier auf - red ' Du mir nur da nichts dagegen , für mich ist es ein Glück , wenn ich von hier fortkomme . Ich bin viel zu unmodern für Berlin und komme hier ebenso wenig auf einen grünen Zweig wie Du . Ausserdem verpussele ich hier mit den teuren Spesen und so weiter viel zu viel Geld , denn wenn ich ja auch , Gott sei Dank , ein bischen was zuzusetzen habe , für unser Luischen soll doch auch mal was übrig bleiben . Na , dank ' mir nur heute nicht schon , Lotte , einstweilen denk ' ich noch nicht ans Abfahren , wo ich eben erst Mutter und Grossmutter geworden bin . Ich suche hier in der Mark was für uns , ein nettes Städtchen , hübsch und freundlich gelegen , nicht zu gross und nicht zu klein , wo sich für ein paar ordentliche Frauensleute , wie wir es sind , noch Arbeit und Verdienst findet . Denn arbeiten und verdienen musst Du natürlich auch , mein Schäfchen , den ganzen Tag mit Luischen rumspielen , das giebt es nicht . Wir mieten eine kleine Parterrewohnung mit einem netten Gärtchen für unsere Puppe . Rechts machst Du Dein Putzgeschäft auf - was Du für Deine einstige Heimat gekonnt , wirst Du ja für Deine künftige auch wieder leisten können , dies verdeixelte Berlin dazwischen , durch das wird ein dicker Strich gemacht - links wird eine Leihbibliothek etabliert . Meinen Gehilfen - dafür , dass Gerhart ihn besorgt hat , ist er wirklich ein merkwürdig anständiger Kerl - nehme ich einstweilen mit , bis alles im Gange ist . Ich habe schon mit ihm darüber gesprochen . Später führe ich das Geschäft wieder allein wie früher , ehe der Junge , der Gerhart , zu mir kam . Tagsüber wird gearbeitet , das Luischen gewartet und erzogen , abends sitzen wir dann gemütlich in unserem Wohnzimmerchen zusammen , im Sommer in unserer Fliederlaube - eine Fliederlaube müssen wir unbedingt haben , schon zur Erinnerung an Schmargendorf - , dann wird geplaudert und gelesen , und ich wette , es soll in der ganzen Stadt keine glücklichere Familie geben als die unsere . « Was hätte die beglückte Lotte auf diesen Plan anders sagen sollen , als danken und wieder danken und sich geloben , dieser Frau ihre Gutthaten zu lohnen bis an das Ende ihrer Tage . - Mit Luischen beisammen sein dürfen den ganzen lieben langen Tag , ihr Bettchen nachts neben dem ihren haben , wieder arbeiten können mit der Aussicht auf einen bescheidenen Erfolg , die beste mütterliche Freundin in einer geordneten Häuslichkeit sich zur Seite wissen , den Leuten wieder frei in die Augen sehen dürfen , womit hatte sie ein so grosses , friedlich-schönes Glück verdient ? Schon die Vorfreude wirkte auf Lotte wie stärkende Medizin . Sie bekam wieder mehr Farbe , ihr Gang wurde freier und elastischer , auch ein wenig runder schien sie wieder werden zu wollen . Frau Korn beobachtete das alles mit einem lachenden und einem weinenden Auge . So sehr sie von ganzer Seele Lotte die gute Zeit gönnte , die ihr bevorzustehen schien , die Trennung kam ihr doch gar zu sauer an . Da sie an Lottes Wohlthäterin ihren wehmütigen Zorn doch unmöglich auslassen konnte , ging alles auf Rechnung des » infamigten Schwarzkopfs « ! Wenig genug bekam Frau Korn ihren früheren Schützling jetzt noch zu sehen . Lotte war immer geschäftig und viel unterwegs . Bald in der Zimmerstrasse , um Frau Wohlgebrecht zur Hand zu gehen , bald bei Luischen draussen , bald eifrig in ihren engen vier Wänden an der Nähmaschine . So weit es reichte , wollte sie ihre und Luischens Wäsche und Garderobe noch vervollständigen , damit Frau Wohlgebrecht mit ihrer neuen Familie doch ein bischen Ehre einlegen konnte . Eines Abends um die Mitte September , Lotte nähte gerade an einem roten Kittelchen für das Kind , wurde an ihrer Klingel gezogen . Das kam jetzt so selten vor , dass sie ordentlich erschrak . Wer konnte noch so spät zu ihr kommen ? Als sie die Thür öffnete , stand Franz vor ihr . Zum erstenmal seit jenem Regentage im Februar , als sie seine Liebe hatte zurückweisen müssen , trat er wieder über ihre Schwelle . Sie begrüssten einander herzlich , doch nicht ohne Verlegenheit . Nach den ersten Worten schon stockte ihr Gespräch . Franz stand neben dem Tisch , an dem Lotte gearbeitet hatte , und drehte den Hut unschlüssig in der Hand . Lotte hatte sich gesetzt und mechanisch das Kittelchen für Luischen wieder zur Hand genommen . Sie fühlte , dass sein Blick schwer und traurig auf ihr ruhte . » Willst Du Dich nicht setzen , Franz ? « fragte sie endlich . » Wenn Du erlaubst , auf einen Augenblick , Lotte . « Er sah sich im Zimmer um , wo schon allerhand gepackte Kisten und Kasten umherstanden . » Ich höre - Du selbst hast Dich ja nie bei uns sehen lassen - Du gehst fort von Berlin . Da wollt ' ich Dir doch wenigstens Lebewohl sagen . « Sie sah nicht von ihrer Arbeit auf . Seine Stimme klang so traurig , dass sie sich fürchtete ihn anzusehen . » Hat Lena