alte Dubslav lange nicht so junkerlich , wie ' s aussieht . Dieser Barby , dessen Familie , glaub ich , vordem zu den Reichsunmittelbaren gehörte , dem steckt noch so was von Gottesgnadenschaft in den Knochen , und das gibt dann die bekannte Sorte von Vornehmheit , die sich den Liberalismus glaubt gönnen zu können . Und der alte Dubslav , nun , der hat dafür das im Leibe , was die richtigen Junker alle haben : ein Stück Sozialdemokratie . Wenn sie gereizt werden , bekennen sie sich selber dazu . « » Sie verkennen das , Czako . Das alles ist ja bloß Spielerei . « » Ja , was heißt Spielerei ? Spielen . Wir haben schöne alte Fibelverse , die vor der Gefährlichkeit des Mit-dem-Feuer-Spielens warnen . Aber lassen wir Dubslav und den alten Barby . Wichtiger sind doch zuletzt immer die Damen , die Gräfin und die Comtesse . Welche wird es ? Ich glaube , wir haben schon mal darüber gesprochen , damals , als wir von Kloster Wutz her über den Cremmer Damm ritten . Viel Vertrauen zu Freund Woldemars richtigem Frauenverständnis hab ich eigentlich nicht , aber ich sage trotzdem : Melusine . « » Und ich sage : Armgard . Und Sie sagen es im stillen auch . « Es war zwei Tage vor Woldemars Rückkehr aus Ostpreußen , daß Rex und Czako dies Tiergartengespräch führten . Eine halbe Stunde später fuhren sie , wie verabredet , vom Bellevuebahnhof aus wieder in die Stadt zurück . Überall war noch ein reges Leben und Treiben , und Leben war denn auch in dem aus bloß drei Zimmern verschiedener Größe sich zusammensetzenden Kasino der Gardedragoner . In dem zunächst am Flur gelegenen großen Speisesaale , von dessen Wänden die früheren Kommandeure des Regiments , Prinzen und Nichtprinzen , herniederblickten , sah man nur wenig Gäste . Daneben aber lag ein Eckzimmer , das mehr Insassen und mehr flotte Bewegung hatte . Hier , über dem schräggestellten Kamin , drin ein kleines Feuer flackerte , hing seit kurzem das Bildnis des » hohen Chefs « des Regiments , der Königin von England , und in der Nähe eben dieses Bildes ein ruhmreiches Erinnerungsstück aus dem sechsundsechziger und siebziger Kriege : die Trompete , darauf derselbe Mann , Stabstrompeter Wollhaupt , erst am 3. Juli auf der Höhe von Lipa und dann am 16. August bei Mars-la-Tour das Regiment zur Attacke gerufen hatte , bis er an der Seite seines Obersten fiel ; der Oberst mit ihm . Dies Eckzimmer war , wie gewöhnlich , auch heute der bevorzugte kleine Raum , drin sich jüngere und ältere Offiziere zu Spiel und Plauderei zusammengefunden hatten , unter ihnen die Herren von Wolfshagen , von Herbstfelde , von Wohlgemuth , von Grumbach , von Raspe . » Weiß der Himmel « , sagte Raspe , » wir kommen aus den Abordnungen auch gar nicht mehr heraus . Wir haben freilich drei Sendens im Regiment , aber es sind der Sendbotschaften doch fast zuviel . Und diesmal nun auch unser Stechlin dabei . Was wird er sagen , wenn er oben in Ostpreußen von der ihm zugedachten Ehre hört . Er wird vielleicht sehr gemischte Gefühle haben . Übermorgen ist er von Trakehnen wieder da , mutmaßlich bei dem scheußlichen Wetter schlecht ajustiert , und dann Hals über Kopf und in großem Trara nach London . Und London ginge noch . Aber auch nach Windsor . Alles , wenn es sich um Chic handelt , will doch seine Zeit haben , und gerade die Vettern drüben sehen einem sehr auf die Finger . « » Laß sie sehn « , sagte Herbstfelde . » Wir sehen auch . Und Stechlin ist nicht der Mann , sich über derlei Dinge graue Haare wachsen zu lassen . Ich glaube , daß ihn was ganz andres geniert . Es ist doch immerhin was , daß er da mit nach England hinüber soll , und einer solchen Auszeichnung entspricht selbstverständlich eine Nichtauszeichnung andrer . Das paßt nicht jedem , und nach dem Bilde , das ich mir von unserm Stechlin mache , gehört er zu diesen . Er ficht nicht gern unter der Devise nur über Leichen , hat vielmehr umgekehrt den Zug , sich in die zweite Linie zu stellen . Und nun sieht es aus , als wär er ein Streber . « » Stimmt nicht « , sagte Raspe . » Für so verrannt kann ich keinen von uns halten . Stechlin sitzt da oben in Ostpreußen und kann doch unmöglich in seinen Mußestunden hierher intrigiert und einen etwaigen Rivalen aus dem Sattel geworfen haben . Und unser Oberst ! Der ist doch auch nicht der Mann dazu , sich irgendwen aufreden zu lassen . Der kennt seine Pappenheimer . Und wenn er sich den Stechlin aussucht , dann weiß er , warum . Übrigens , Dienst ist Dienst ; man geht nicht , weil man will , sondern weil man muß . Spricht er denn Englisch ? « » Ich glaube nicht « , sagte von Grumbach . » Soviel ich weiß , hat er vor kurzem damit angefangen , aber natürlich nicht wegen dieser Mission , die ja wie vom blauen Himmel auf ihn niederfällt , sondern der Barbys wegen , die beinah zwanzig Jahre in England waren und halb englisch sind . Im übrigen hab ich mir sagen lassen , es geht drüben auch ohne die Sprache . Herbstfelde , Sie waren ja voriges Jahr da . Mit gutem Deutsch und schlechtem Französisch kommt man überall durch . « » Ja « , sagte Herbstfelde . » Bloß ein bißchen Landessprache muß doch noch dazukommen . Indessen , es gibt ja kleine Vademekums , und da muß man dann eben nachschlagen , bis man ' s hat . Sonst sind hundert Vokabeln genug . Als ich noch zu Hause war , hatten wir da ganz in unsrer Nachbarschaft einen verdrehten alten Herrn , der -