ihrer Übereinstimmung sicher war , Verabredungen mit ihr für die Zukunft - das wäre das Natürlichste gewesen ; aber Ebba war krank , und was Karin , wenn er vorsprach , antwortete , blieb dasselbe : das Fräulein dürfe niemanden sprechen . So ging er denn einer wahren Prüfungszeit entgegen , Tagen , in denen er nichts zu tun als zu warten hatte . Und das war ihm in seiner Seelenstimmung das Schwerste . Zuletzt ergab er sich darin und beschloß , sich einzuschließen , niemanden zu sehen , Zeitungen zu lesen , Briefe zu schreiben . Aber an wen ? Er sah bald , daß er an niemanden schreiben könne . Petersen , Arne , die Kinder - alles verbot sich . Noch mehr die Dobschütz . Blieb nur noch Christine selbst . Er stand von dem Schreibtisch auf , an dem er eine Weile grübelnd gesessen , und schritt auf und ab . » Christine . Ja , das wäre das beste . Sie muß es schließlich doch wissen und lieber heut als morgen ... Aber ihr schreiben ? Muß durchaus geschrieben sein , als ob ich nicht den Mut hätte , ihr unter die Augen zu treten ? Ich habe den Mut , denn was ich will , ist mein gutes Recht . Man lebt nicht zusammen , um immer zweierlei Meinung zu haben und zweierlei Wege zu gehen . Christine hat mich von sich weg erkältet . Ja , das ist das rechte Wort , und solche sich mehrende Kälte , das ist schlimmer als Streiten und Heftigsein . Eine Frau soll eine Temperatur haben , ein Temperament und Leben und Sinne . Aber was soll ich mit einem Eisberg ? Und wenn er das klarste Eis hat , das klarste ist gerade das kälteste , und ich will nicht erfrieren . Ja , das paßt , das ist ein gutes Einleitungsthema , damit werd ich ihr kommen , aber von Mund zu Mund ; ich will es ihr nicht schreiben , ich will es ihr sagen . Ihr eigener Brief hat mir goldne Brücken gebaut . Und wenn ich dann frei bin und wieder hier ... Ach , wie sehne ich mich nach Leben , Wärme , Freude . Meine Tage sind mir vergangen , als ob Unterweltsschatten neben mir her schwebten . Die gute Dobschütz war auch solch Schatten . Ich bin noch nicht alt genug , um auf Fleisch und Blut zu verzichten . « Und er klingelte . Die Witwe Hansen kam . » Liebe Frau Hansen , ich will auf einen Tag hinüber nach Holkenäs ... « » Ah , zur Christbescherung . Da wird sich die gnädigste Frau Gräfin freuen , die jetzt so allein ist , seit auch die Kinder fort sind , wie mir der Herr Graf erzählt haben . « » Ja , nach Holkenäs « , sagte Holk . » Wissen Sie , wie die Dampfschiffe gehen ? Ich meine die nach Glücksburg und Flensburg . Am liebsten wäre es mir , ich könnte noch heute mittag fort oder doch gegen Abend . Dann bin ich morgen zu guter Stunde da . Vielleicht , liebe Frau Hansen , können Sie jemand nach dem Hafen schicken und anfragen lassen . Aber es muß ein Bote sein , auf den Verlaß ist , denn mir liegt daran , sicherzugehen . « Frau Hansen sagte , sie würde sich selber auf den Weg machen , und nach weniger als einer Stunde war sie von ihrem Gange wieder zurück und brachte die Nachricht , heute gehe kein Schiff mehr , aber morgen gegen Abend gehe der » Holger Danske « und sei zehn Uhr vormittags vor Holkenäs . » Das ist übermorgen . Welchen Tag haben wir heute ? « » Den einundzwanzigsten , gerade den kürzesten ... « Holk dankte für ihre Bemühung und war in seinem Herzen froh , daß es nicht Heiligenabend war , an dem das Schiff an dem Wasserstege von Holkenäs anlegen würde . Den 23. kam die Küste von Angeln in Sicht , und als zehn Uhr heran war , sah man , von Deck aus , Schloß Holkenäs auf seiner Düne . Die Linien waren verschwommen , denn ein leiser Nebel zog , und einen Augenblick begann es sogar zu schneien . Aber der Flockentanz hörte bald wieder auf , und auch der Nebel war so gut wie verschwunden , als die Schiffsglocke zu läuten anhob und der stattliche Dampfer anlegte . Holk überschritt die kleine Geländerbrücke , die man vom Deck her nach dem Wassersteg hinübergeschoben hatte , dann schaffte der Steward sein Gepäck nach , und ehe fünf Minuten um waren , dampfte der » Holger Danske « weiter auf Glücksburg zu . Holk sah dem Schiff eine Weile nach , dann warf er seinen Mantel , der ihn , beim Ersteigen der Terrasse , nur behindert haben würde , zwischen die beiden Koffer und schickte sich an , den Steg entlangzugehen . Dann und wann blieb er stehen und sah nach Holkenäs hinauf . Es lag jetzt , wo der Nebel sich momentan verzogen hatte , klar vor ihm , aber öd und einsam , und der dünne Rauch , der aufstieg , wirkte , wie wenn nur noch ein halbes Leben da oben zu finden sei . Die ziemlich zahlreichen Sträucher in Front der Vorhalle waren , ein paar kleine Zypressen abgerechnet , alle kahl und entblättert , und die Vorhalle selbst zeigte sich mit Brettern verkleidet und mit Matten verhängt , um die dahintergelegenen Räume nach Möglichkeit gegen den Nordost zu schützen . Alles still und schwermütig , aber ein Friede , wie der Nachglanz eines früheren Glücks , war doch darüber ausgebreitet , und diesen kam er jetzt zu stören . Eine Furcht befiel ihn plötzlich vor dem , was er vorhatte ; Zweifel kamen , und sein Gewissen , so gut er ' s einzulullen wußte , wollte nicht ganz schweigen . Aber so oder so