wüßte keine anderen , als daß man bei solcher Windrichtung einfach das Feuer ausbliese - « » Und dann ginge ein Teil der Arbeiter spazieren und hätte nichts zu essen , « warf Margarete bitter ein . Die Großmama fuhr herum und sah ihr ins Gesicht . » Ist das ein Ton ! ... Du bist ja hübsch vorbereitet auf deine Vorstellung in einem hochadligen Hause ! Ich muß dich sehr bitten , dich und uns nicht etwa zu blamieren mit liberalen Gemeinplätzen , wie ich sie leider an dir kenne ! Der Liberalismus ist nicht mehr Mode - Gott sei Dank ! - In den Kreisen , in denen ich zu leben das Glück habe , hat er nie Boden gefunden , und wenn hier und da einer der Unseren mit dem früheren Humanitäts- und Freiheitsschwindel kokettiert hat , so ist er jetzt desto gründlicher kuriert und - will es nicht gewesen sein . « Herbert ließ in diesem Augenblick die Peitsche auf dem Rücken der Pferde spielen und mit doppelter Schnelligkeit sauste der Schlitten über die glatte Bahn , um nach kaum einer Minute vor der Hauptthüre des Prinzenhofes zu halten . - - » Ach ja , wir wohnen schauerlich einsam hier ! « bestätigte die Dame des Hauses eine dahin zielende Bemerkung der Frau Amtsrätin , und sah mit einem tiefen Seufzer in die totenstille Schneelandschaft hinaus . Die Vorstellung war vorüber , und man hatte sich im Salon niedergelassen . In den Kaminen der ineinandergehenden Zimmer knisterten und knackten die brennenden Holzscheite ; man saß behaglich und warm inmitten alter Pracht und Herrlichkeit . Das Inventar des Prinzenhofes war seit alters her dasselbe verblieben , gleichviel , ob ein apanagierter Prinz oder eine fürstliche Witwe die jeweiligen Bewohner gewesen waren . Herrliche Möbel aus den Zeiten Ludwig des Vierzehnten füllten die Zimmer , und das eingelegte Schmuckwerk ihrer Holzflächen in Silber , Bronze und Schildpatt schimmerte und blitzte heute noch wie vor länger als hundert Jahren . Nur die Polsterbezüge und die Gardinen schien man für die jetzigen Bewohnerinnen erneuert zu haben ; sie waren frisch und geschmackvoll , aber sehr einfach . » Ich habe seit meinem sechzehnten Jahre in der großen Welt gelebt , « fuhr die dicke Dame fort , » und qualifiziere mich absolut nicht zum Eremitendasein . Ich würde thatsächlich hier verkümmern , wüßte ich nicht , daß nunmehr eine Erlösung kommen muß . « Sie warf dem Landrat einen lächelnden , verständnisinnigen Blick zu , und er neigte zustimmend den Kopf . Die kleine Frau Amtsrätin aber wuchs förmlich unter jenem Blicke . Sie sah entzückt zur Seite , wo die schöne Heloise saß . Die junge Dame lehnte in ihrem Armstuhl , reich gekleidet und stolz nachlässig wie eine Fürstin . Sie hatte ein paar freundliche Worte zu Margarete gesprochen und verhielt sich seitdem schweigsam . Aber es sprach in der That heute mehr Seele aus ihren Zügen , und das erhöhte ihre Schönheit wahrhaft überraschend . Ziemlich entfernt , aber in gerader Linie hinter ihr an der Schmalseite des Salons hing das Oelbild einer Dame , ein Kniestück . Sie war in schwarzem Samtkleide ; herrliches blondes Haar quoll unter einem Hütchen mit langer weißer Feder hervor , und ihre linke Hand ruhte auf dem Kopfe eines neben ihr stehenden Windspieles . Die Aehnlichkeit zwischen ihr und der schönen Heloise war eine frappante , und das sprach die Frau Amtsrätin mit bewundernden Blicken aus . » Ja , die Aehnlichkeit ist groß und leicht begreiflich - es ist das Bild meiner Schwester Adele , « sagte die Baronin Taubeneck . » Sie war an den Grafen Sorma verheiratet und starb zu meinem großen Schmerz vor zwei Jahren . Und denken Sie sich , mein Schwager , der sechzigjährige Mann , spielt uns jetzt den Streich und heiratet die Tochter seines Gutsverwalters ! Ich bin außer mir ! « » Das begreife ich , « sprach die Frau Amtsrätin ganz empört . » Es ist hart , solche Elemente in der Familie dulden zu müssen , wirklich deprimierend . Aber meines Erachtens sind die modernen Heiraten von der Bühne weg , wie sie die hohen Herren jetzt belieben , doch noch viel schrecklicher . Wenn ich mir denke , daß eine Theaterprinzessin , vielleicht gar eine Ballerina , die noch wenige Tage zuvor in schamlos kurzen Röckchen von der Herrenwelt beklascht worden ist , plötzlich als Herrin in solch ein altes Grafenhaus einzieht , da schaudert mir die Haut , da empört sich jeder Blutstropfen in mir ! « Der Landrat räusperte sich , und die Dame des Hauses ergriff ein Flacon und atmete den Duft so eifrig ein , als sei ihr übel geworden . In diesem Augenblicke trat ein Bedienter ein und überreichte Fräulein von Taubeneck auf silbernem Teller einen Brief . Sie ergriff das Schreiben mit ganz ungewohnter Hast und zog sich in das Nebenzimmer zurück , und nach wenigen Augenblicken berief sie den Landrat zu sich . Margarete saß dem Eckkamin des Salons gerade gegenüber . Der mächtige , etwas nach vorn geneigte Spiegel über demselben warf einen Teil des Salons mit all seinen blinkenden Gerätschaften zurück , aber er fing auch eine Fensterecke des Nebenzimmers auf , einen lauschigen Winkel voll Blumen hinter Tüllgardinen . In dieser Fensterecke stand Heloise und reichte dem eintretenden Landrat den geöffneten Brief hin . Er überflog den Inhalt und trat noch näher an die junge Dame heran . Sie sprachen leise und eingehend miteinander , und mitten im Gespräch bog sich die schöne Heloise plötzlich seitwärts , brach eine vollaufgeblühte rote Kamelie vom Stock und befestigte sie eigenhändig mit einem vielsagenden Lächeln in Herberts Knopfloch . » Mein Gott , wie blaß Sie sind , Fräulein ! « rief die Baronin in diesem Moment und griff nach Margaretens Hand . » Sind Sie unwohl ? « Das junge Mädchen schüttelte heftig , in sich zusammenfahrend , den Kopf , und alles Blut schoß ihr in die Wangen