; ich halt ihm dies alte Land Tirol . Und als er so sprach und handelte , da brach er seinem Kaiser den Frieden und war schuldig bei Freund und Feind . Er hat es mit dem Tode bezahlt . Aber glauben Sie , Kniehase , daß der Kaiser , wenn er den Namen Hofer hört , an Eidbruch und Untreue denkt ? Nein , das Herz schlägt ihm höher , und gesegnet Land und Fürst , wo die Liebe lebendig ist und auf sich selber mehr hört als auf Amtsblatt und Kommandowort . « Kniehase war jetzt aufgestanden . Er streckte Berndt seine Hand entgegen . » Gnädiger Herr , ich glaube , der Konrektor hat es getroffen . Sich entscheiden ist schwerer als gehorchen . Ich habe mich entschieden . Wir machen uns fertig hier herum , und wir schlagen los , ohne nach , ja oder , nein zu fragen . Denn Fragen macht Verlegenheit . Es darf keiner über die Oder . Und kommt es anders und soll uns dies fremde Volk auf ewig unter die Füße treten , nun , so geb uns Gott Kraft , zu sterben , wie Hofer und die Schillschen gestorben sind . « » Das dank ich Ihnen , Othegraven « , sagte Berndt , » ich allein hätte meinen Schulzen nicht bezwungen . Ich hoffe , wir sehen uns jetzt öfter . Der Plan ist mit Graf Drosselstein durchgesprochen . Ein Netz über das Land . Lebus beginnt ; wir sind die Vorhut . Hier zwischen Frankfurt und Küstrin treffen die großen Straßen zusammen . Ich zähle die Stunden , bis es sich entscheidet . « Sie blieben noch eine Weile ; dann verabschiedeten sich der Konrektor und Kniehase und schritten die Treppe hinunter , über den Flur . Hektor , unter Zeichen besonderer Freude , als er den Schulzen sah , begleitete beide Männer über den Hof . Sie nahmen ihren Weg auf den Scharwenkaschen Krug zu , immer noch in lebhaftem Gespräch . Doch schien es andere Fragen als Krieg und Landsturm zu betreffen . Sie trennten sich erst , nachdem sie die Front des Krügergeböftes wohl ein dutzendmal ausgemessen hatten . Als des Konrektors kleines Fuhrwerk wieder auf der Frankfurter Straße südlich trabte , saß Schulze Kniehase bei seiner Frau . Sie plauderten lange , und wiewohl Frau Kniehase Verschwiegenheit gelobte , war doch vor Ablauf des Tages alles Geplauderte in Hohen-Vietz herum . Nur eine wußte nichts davon : sie , die der Gegenstand dieses Plauderns gewesen war . Vierzehntes Kapitel Es geschieht etwas Sankt Jonathan , der 29. Dezember , war von alter Zeit her der Tag der Umzüge in Hohen-Vietz , allerhand Mummenschanz wurde getrieben , und bei Beginn des Nachmittags zogen außer Knecht Ruprecht und dem Christkinde auch Joseph und Maria und die Heiligen Drei Könige von Haus zu Haus . Zu diesem alten Bestande traten aber auch neue Figuren hinzu , so heute der » Sommer « und der » Winter « von denen jener zu seinem leichten Strohhut Harke und Sense , dieser zu Pelz und Holzpantinen einen Dreschflegel trug . Sie führten ein Zwiegespräch : Ich bin der Winter stolz , Ich baue Brücken ohne Holz- und rühmten sich ihrer gegenseitigen Vorzüge , bis zuletzt Versöhnung und Segenswünsche für das jedesmalige Haus , in dem sie sich befanden , ihren lang ausgesponnenen Streit beendeten . Ein besonderes Glück machten heut auch die Schulkinder , deren mehrere als Schneewittchen und ihre Zwerge ihren Umzug hielten ; Schneewittchen mit langem blonden Haar , die Zwerge mit Flachsbärten und braunen Kapuzen . Als sie zuletzt auf den Gutshof kamen , fanden sie die jungen Herrschaften samt Tante Schorlemmer in derselben großen Halle , in der auch der Weihnachtsaufbau stattgefunden hatte , versammelt , und nach kurzer Ansprache , worin Schneewittchen für ihre Begleiter um die Erlaubnis zum Rätselaufgeben gebeten hatte , traten die Zwerge vor und taten ihre Fragen : » Was kann kein Mensch erzählen ? « » Daß er gestorben ist . « » Wer kann alle Sprachen reden ? « » Der Widerhall . « » Wer ist stärker , der Reiche oder der Arme ? « » Der Arme ; denn er hat Not , und Not bricht Eisen . « So gingen die Fragen , aber die hier gegebenen Antworten blieben aus , und Maline Kubalke , die mit in der Halle war , mußte manchen Teller voller Äpfel und Nüsse herbeischaffen , um die Quersäcke der Zwerge zu füllen . So verging der Nachmittag . Als es dunkelte , wurd es still in Hohen-Vietz , weil alt und jung zu Tanz und festlichem Beisammensein im Scharwenkaschen Krug sich putzte , und erst um die sechste Stunde , als von den ausgebauten Losen her , die zum Teil weit ins Bruch hineinlagen , Wagen und Schlitten unter Peitschenknall und Schellengeläut herangefahren kamen , war es mit dieser Stille wieder vorbei . Auch auf dem Herrenhofe rüstete sich alles zum Aufbruch , Herrschaft und Dienerschaft , und wer eine halbe Stunde nach Beginn des Tanzes von der Dorfstraße her auf die lange Front des Vitzewitzschen Wohnhauses geblickt hätte , hätte nur an zwei Fenstern Licht gesehen . Diese zwei Fenster lagen neben der Amts- und Gerichtsstube und zogen die Aufmerksamkeit nicht bloß dadurch auf sich , daß sie die einzig erleuchteten waren , sondern mehr noch durch das dunkele Weingeäst , das sich von dem starken Spalier aus in zwei , drei phantastischen Linien quer über die Lichtöffnung ausspannte . Hinter diesen Fenstern , an einem mit einem roten Stock Fries überdeckten Sofatisch , saßen Renate und Kathinka , zu denen sich seit einer Viertelstunde , um den Abend mit ihnen zu verplaudern , auch Marie gesellt hatte . Allen dreien , selbst Kathinka nicht ausgeschlossen , war es eine herzliche Freude , sich einmal allein und ganz unter sich zu wissen , und um diese Freude noch zu steigern , hatten sie sich aus dem großen Gesellschaftszimmer