zurück und kam eiligst , die Tür zu öffnen und den unerwarteten Gast zu ihrer Herrin zu führen . » O Herr Hagebucher , da sind Sie schon ? ! Ach , es tut uns so sehr leid , und meine Madam sitzt in tiefer Betrübnis um Sie und die Mutter und Schwester zu Bumsdorf ! « rief sie , indem sie jetzt auch die Stubentür öffnete . » Treten Sie nur ein und nehmen Sie es sich nicht allzusehr zu Herzen . - Madam , hier ist der Herr Leonhard schon . « Und die Frau Klaudine , welche bereits , horchend auf den Tritt und die Stimme des Nahenden , das schöne , alte Gesicht Von der Arbeit erhoben hatte , richtete sich jetzt ganz aus ihrem Sessel auf und streckte dem Eintretenden beide Hände entgegen : » Leonhard , Leonhard , sind Sie es denn wirklich ? So schnell kann die Nachricht des Unglücks fliegen ? Gott tröste Sie , mein Freund ; - aber Sie können nicht von dem Dorfe kommen , das ist unmöglich - wie führt Sie Ihr Weg jetzt zur Mühle ? « Das war ein eigentümlicher Gruß , und betroffen suchte Leonhard in den Mienen der Frau Klaudine nach einer näheren Erklärung . » Noch lebt er , aber leider in großen Schmerzen . Der Herr von Bumsdorf ritt erst vor einer Stunde zu meiner Hütte und rief mir die traurige Botschaft ins Fenster , und nun treten Sie , mein armer Leonhard , da so plötzlich aus dem Walde - welch eine Unruhe , welch ein ängstliches Drängen , o Gott ! « » Was ist das ? « stammelte Hagebucher . » Wer ist so sehr krank ? Was für eine Nachricht hat der Herr von Bumsdorf gebracht ? « Und die Frau Klaudine trat zurück und rief : » Also hat nur der Zufall Sie heute hierhergeführt , und Sie wissen nichts von dem , was in Ihrem elterlichen Hause vorgeht ? « » Nichts , nichts ! « » Das ist das Leben ! Immer die alten , harten Hände am Webstuhl ! Ihr Vater ist seit gestern schwer erkrankt , Leonhard ; es ist kaum eine Hoffnung , ihn zu erhalten , und der Vetter Wassertreter ist sehr betrübt und aufgeregt und soll meinen , es sei seine Schuld , daß dieses Unglück so plötzlich hereingebrochen sei . « Einen Augenblick stand Leonhard Hagebucher betäubt , erschüttert , fassungslos , doch dieses konnte nicht dauern . Jetzt trafen zwei Strömungen in seiner Brust aufeinander , und daraus entstand wenigstens für den Moment die innerlichste Klarheit . Er beugte sich nieder , und als die Madam Klaudine ihn nun auf die Stirn küßte , flüsterte er : » Nicht der Zufall , gewiß nicht der Zufall ! O Frau Klaudine , ich komme nicht allein , sondern bringe einen alten Bekannten mit mir . Er steht vor der Tür , er kniet vor der Tür , Frau Klaudine ; ich aber wußte nicht , wie ich ihn einführen sollte , denn es erfordert ein starkes , tapferes Herz , die Begegnung zu tragen . Ich bringe den Herrn van der Mook , meinen Befreier aus der Gefangenschaft : er aber kannte bereits den Weg zu dieser Hütte . Sie redeten zu mir von dem Tode , Frau Klaudine ; ich bringe Ihnen das Leben , die Erfüllung eines langen schmerzlichen Sehnens , einer Liebe , die auch stark ist wie der Tod . « Er geleitete die Mutter Viktors zu ihrem Sessel und ließ sie sich niedersetzen : sie ließ sich willenlos führen . » Ich gehe jetzt zu meiner Mutter « , sprach er mit Bedeutung . » Wenn ich hierher zurückkehre - « Er vollendete nicht , denn er sah , daß die Frau Klaudine ihn nicht mehr verstand . Sie saß bleich und sprachlos , und Leonhard Hagebucher befreite seine Hand von ihrem krampfhaften Griff , verließ das Zimmer und trat an die Tür der Katzenmühle , wo der andere schon stand und die Stirn an den morschen Pfosten lehnte . Stumm wies er in das Haus , sah den Sohn in die Stube der Mutter treten und ging , ohne sich umzusehen , allein weiter , zurück durch das enge Tal . Schnell eilte er auf der Landstraße durch Fliegenhausen und dann fast im Lauf nach Bumsdorf , dem Vaterhause zu . Dreiundzwanzigstes Kapitel Früher beschrittene Wege , ist das nicht etwas , das zu dem Schönsten oder Schlimmsten im menschlichen Leben zu rechnen ist ? Wo der Pfad führte , durch die Einöde oder die wimmelnden Gassen einer großen Stadt , über die stille Wiese , der grünen Hecke entlang oder durch den grünen Wald , es redet überall der Boden unter den Füßen und mahnt : Erinnere dich , erinnere dich ! Es gibt kaum etwas Wehmütigeres als schon einmal beschrittene Wege , selbst wenn sie zum Glücke führten ; denn nichts lehrt so eindringlich als sie , in welchem Traume die Menschen wandeln . Fortwährend ein Schall gleich dem Tritt eines Rosses im Ohr , fortwährend ein weißer Schein wie von einem weißen Pferde in der Dämmerung zur Seite , trotz der Gedanken an den sterbenden oder gestorbenen Vater ! Wie hatte der Wanderer einst in das Gesicht der schönen Reiterin und Kranzwinderin geblickt und ewige Jugend und alle Heiterkeit und Herrlichkeit des Daseins da gefunden , wo sich die Falten des Alters , der Sorge , der tiefsten Lebensnot zusammenzogen ! Was war noch übrig von alledem , was sich vor zwei kurzen Jahren mit dem schönen , lachenden Haupt in jener Mondscheinnacht aus dem Gebüsch , aus dem Boden der Heimat erhoben hatte ? » Dem Manne ein Schwert , dem Weibe das schwarze Brot der Frau Klaudine ! « murmelte der Wanderer , dessen Pfad sich durch so viele Trümmer und Täuschungen wand . Da war die Höhe , und wieder lagen die dunkeln Täler zu den Füßen