sonst besaß , traf sie , ihren Zustand möglichst verbergend , bei einem derselben mit einem durchreisenden Director einer Bühne zusammen , der einen Liebhaber zu engagiren wünschte . In einem Augenblick , wo der Director nach irgendeinem Gegenstand auf der Straße zu sehen ans Fenster trat , besaß sie die Geistesgegenwart , dem alten Freunde rasch zuzuflüstern : Schicken Sie in unser Hotel ! Serlo soll sich ankleiden ! ... Wie ? fragte der Director und wandte sich . Sie sprachen ja eben von Serlo ? Ist Serlo hier ? ... Im Goldenen Adler ! hieß es ... Schade , daß er kränkelt ! antwortete der Director ... Kränkelt ? erwiderte die Leonhardi . Serlo ist so gesund wie ein Fisch ! ... Ich möchte ihn wol sprechen ; ich könnte ihn brauchen ... ließ überlegend der Director fallen . Der alte Verehrer des Fräuleins , ein wohlhabender Theaterliebhaber , der sich darin gefiel , im Orte die seltensten Weine zu haben , hielt ihn zurück : Nein , nein , nein ! Sie bleiben ! Ein Glas Tokayer ! Der Director schützte Eile vor , blieb jedoch , um wenigstens auf baldiges Wiedersehen anzustoßen . Damit fand der Kunstfreund einen Moment , hinauszuspringen und seinem Bedienten zu sagen : Lauf in den Goldenen Adler ! Herr Serlo soll sich ins Zeug werfen , ein Director kommt ihn zu engagiren ! Nachdem bietet er der Künstlerin und dem Director ein improvisirtes Frühstück . Dem Director , der fürchtete , mit Fräulein Leonhardi , die er schon einmal sechs Wochen im Engagement gehabt , auf neue Erörterungen zu stoßen , ergab sich bald , wie Serlo zu Fräulein Leonhardi stand . » Madame Serlo ? Ei der Tausend ! « - » Ja Madame Serlo ! Doch nimmt mein Mann auch Engagement allein an . « Eine halbe Stunde verfließt . Zuletzt begleitet der Director Madame Serlo in den Goldenen Adler . Dort , wo noch eben im abgetragenen Schlafrock , mit einem großen wollenen Tuch um den leidenden Hals , ein armer Kranker , leichenblaß , auf dem Bett gelegen hatte ; dort , wo alles ringsum in der größten Unordnung gewesen war , wo Arzneigläser am kühlenden Fenster standen , Wäsche am Ofen hing , um erwärmt zu werden ; dort , wo ein hinfälliger Kranker , einem Greise ähnlich , das dunstige Zimmer mit Seufzern und Verwünschungen über sein Geschick erfüllt hatte , hatte nach der Meldung des Dieners im Nu eine Verwandlung stattgefunden . Die Gläser waren entfernt , das Bett durch einen Schirm verdeckt worden , die Wäsche hinweggenommen , die größte Ordnung herrschte . Der Kranke , der Lebensüberdrüssige , Hinfällige , Hustende stand in dem einzigen Frack , den er besaß , mit eng anschließenden Beinkleidern , gefirnißten Stiefeln , weißer Weste , über welche eine Lorgnette niederhing , buntem , lose umgeschlungenen Halstuche , eben den Hut aufsetzend , eben helle Handschuhe anziehend , eben noch die Cigarre im Munde , um sie rasch gleichsam auszurauchen , ein Liedchen trällernd und die Thür öffnend . Wohl hatte er das Gefühl , als wenn ihm die Füße versagten , die Hände flogen noch vor Fieberfrost , die Lippen zuckten , der ganze Körper zitterte ... dann aber hört er kommen , jetzt eine Arie geträllert , laut eine Tirade gesprochen und nun : Was zum Henker , Sie Herr Director ? Was führt Sie in dies verdammte Nest , wo ich einen alten Freund besuchen mußte ? Bravaden folgten auf seine Kraft , Bravaden über den langweiligen Aufenthalt , die baldige Abreise ... man plaudert , man scherzt , man bietet Cigarren ... Der Director engagirt den unverwüstlichen , interessanten Serlo für die Wintersaison . Die Contracte waren , wie gewöhnlich , gleich zur Hand in der Rocktasche ; noch einige Debatten über die Gage , dann Unterschrift ... Beim Scheiden sagte der Director scherzend , mit einem feinen Blick auf Madame Serlo : Serlo ! Serlo ! Die grauen Härchen an den Schläfen ! Schonung ! Schonung ! ... Diese grauen Härchen hatte der Leidende in der Eile zu färben vergessen . Madame Serlo versprach zu sorgen , daß die Härchen nicht um sich griffen . Das Uebrige ist Ihre Sache ! sagte sie mit der Süßigkeit jenes Conversationstons , mit dem sie ihre Eroberungen machte . Als der Director fort ist , sinkt Serlo , der eine Stunde lang mit der äußersten Anstrengung die Rolle eines Gesunden und Frohgemuthen durchgeführt , ohnmächtig zusammen . Die Gefährtin seines Lebens sprach den ganzen Tag nur - von dem Glück , solche Freunde zu besitzen wie sie in jenem Kunstfreund ! Es war , sagte Serlo , als er diese Scene eines Abends , als seine Gattin spielte , Lucinden erzählte , nicht das erste mal , daß ich gut gespielt hatte und - ohne Beifall blieb . In eine Verbindung mit diesen Schauspielern trat Lucinde durch Zufall . Voller Unmuth über die ihr gewordene Kündigung hatte sie eine Wohnung gesucht . Sie erhielt das Anerbieten derjenigen , die Serlo verlassen wollte ; die Saison war zu Ende , mit ihr das Engagement . Es machte ihr damals einen wunderlichen Eindruck , die Menschen , die sie in dem von ihr immer heiß geliebten Theater nur im bunten Flitter , geschminkt und in wallenden Locken gesehen hatte , hier unter lärmenden Kindern , trotz artiger Formen verdrießlich und aller Hülfsmittel zu täuschen entkleidet , wiederzufinden . Die stadtkundige Geschichte des Prinzen und der Soubrette hatte eine Anknüpfung nähern Gesprächs gegeben . Serlo sagte , daß sich daraus ein Lustspiel machen ließe und Madame Serlo vertheilte schon die Rollen . Lucinde hörte . Der Einblick in diese neue und , wie sie sogleich sah , leidenschaftlich bewegte Welt reizte sie . Sie miethete zwar die Wohnung nicht , kam aber wieder und machte sich , wie dies in ihrer Art war , mit den Kindern zu schaffen . Diese waren hübsch und von viel aufgeregterer