und soll Er sich verantworten , daß Er den kindlichen Gehorsam so gänzlich hintangesetzt und sich eigenmächtig in eine Verbündnis eingelassen hat , die ein junger Mensch , wenn der Segen Gottes dabei sein soll , nur unter ausdrücklichem Konsens seiner Eltern nach deren reiflicher Erwägung und in der Zucht Gottes schließen soll . « » Herr Pfarrer « , antwortete Friedrich , » meine Meinung ist , wenn ein Mensch heiraten soll , so kann ' s sein Vater nicht für ihn versehen , sondern jeder muß selber wissen , was sich für ihn schickt . Wenn ich meinen Vater für mich wählen ließ und es tät nachher übel ausfallen , so kann ich ihm doch die War nicht heimschlagen , sondern muß sie behalten . Darum , weil ich die Verantwortlichkeit dafür mein ganzes Leben lang , oder bis Gott anders verhängt , tragen muß , so halt ich ' s auch für recht und billig , daß es dabei nach meinem Kopf geht und nicht nach einem fremden . Hab ich mich dann vergriffen in meiner Wahl , so muß ich ' s haben und geschieht mir recht , wenn ich ' s mein ganzes Leben durch büßen muß , darf mich auch über keinen andern beklagen ; muß ich aber einen fremden Fehler büßen , so widerfährt mir groß Unrecht und hilft mich all mein Klagen und Schelten doch nichts mehr . « » Das sind sündliche , eigenwillige , aufrührerische Reden ! « rief der Pfarrer , » Er wird ' s noch an Galgen bringen , wenn Er so fortfährt , nach Seinem Kopf zu leben und elterliche , obrigkeitliche und göttliche Autorität zu verachten . « » Herr Pfarrer , was werden wir uns lange mit dem rechthaberischen Tunichtgut herumstreiten ? « sagte der Amtmann . » Die Obrigkeit gibt sich viel zu sehr herunter und büßt an ihrem Ansehen ein , wenn sie sich mit den Untertanen in Disputationen einläßt , absonderlich mit einem Buben , der der Rute noch nicht entwachsen ist . Hier liegen die Gesetze und Verordnungen . Unsere Sache ist es , sie auszuüben , seine , sich in das Gesetz und in die Welt zu fügen . Wenn er das nicht in den Kopf bringt , so mag er dahinfahren . « » Ich glaube auch , daß es verlorene Worte sind , die man an ihn verschwendet « , versetzte der Pfarrer . » Ja , ich hab das öd Geschwätz ganz satt « , sagte der Anwalt , welcher schwerlich damit die Reden des Pfarrers und des Amtmanns meinte , es aber doch im Dunkeln ließ , wem diese verdrießliche Bezeichnung galt . » Fort mit ihm ! Fort ! « schrien der Richter und der Heiligenpfleger . » Einen Augenblick Geduld noch ! « rief der Pfarrer . » Seine Aussage ist also , daß Er der Christina Müllerin die Ehe versprochen habe und sie heiraten wolle , wenn Sein Vater das Jawort dazu gibt ? « » Ja « , antwortete Friedrich , » mit der Einwilligung gleich jetzt , und ohne die Einwilligung später , wenn ich mein eigener Herr bin . « Der Pfarrer wiederholte die vorigen Worte murmelnd , während er sie ins Protokoll schrieb . » Er kann gehen « , herrschte er dann und klingelte . » Den Sonnenwirt ! « rief er dem eintretenden Schützen zu . Christine stand am Bach und weinte , aber ihr Gesicht klärte sich alsbald auf , als sie ihren Freund kommen sah . » Es hat den Kopf nicht gekostet « , sagte er lachend . » Sie haben mir zwar schandlich getan , und zuletzt haben sie mich gar fortgejagt , weil sie nicht Meister über mich worden sind , aber sie haben mir ' s eben doch Schwarz auf Weiß zu Protokoll nehmen müssen , daß es zwischen uns beiden richtig ist , und das ist die Hauptsach . « Als er ihr dann erzählte , daß er wegen seines Schwures noch extra gestraft worden , war sie sehr betreten und sagte : » Ach Gott , wenn ich das gewußt hätt , so hätt ich dich nicht verraten . « » Sei nur zufrieden « , entgegnete er , » sie wissen jetzt um so gewisser , daß ich dir Wort halt . « » Oh , du bist brav « , sagte sie , sich an ihn anschmiegend . » Sieh , das richtet mich immer wieder auf , wenn mich das Elend zu Boden drücken will . Aber das sind wüste Leut , die Herren « , fuhr sie fort , » ich hätt gar nicht glaubt , daß es so herging bei ihnen . Hat der Pfarrer auch so wüst ' s Zeug an dich hingeschwätzt ? « » Dumm ' s Zeug g ' nug , aber nichts Wüst ' s. Was hat er denn gesagt ? « Sie drückte sich noch näher an ihn an und wagte ihm nur ins Ohr zu flüstern . » Denk nur « , sagte sie , » Wann ist die böse Tat geschehen ? Wo ist die böse Tat geschehen ? Wie ist die böse Tat geschehen ? Das hat er mich alles nacheinander gefragt , und es hätt not getan , daß ich ihm noch mehr gesagt hätt , als ich gewußt hab . Ich bin schier in Boden gesunken , so hab ich mich geschämt . Auch hat er wissen wollen , ob ' s an einem Sonntag geschehen sei ? Du kannst dir aber wohl denken , was ich darauf geantwortet hab . « » Man sollt ' s nicht glauben « , sagte Friedrich , » was so ein alter geistlicher Hirt vor seinen Lämmern Sprung machen kann . Spricht der von der bösen Tat , wie er ' s heißt , mit einem Gesicht - so - gelt , voll Abscheu ? « » Freilich , ein Gesicht hat er dazu gemacht