Theresen ' s Hand und ging hinaus , weil sie einen Lehrer erwartete , der bald kommen mußte . Welch liebes , und welch tapferes Geschöpf ist das ! sagte Therese , als Agnes sich entfernt hatte , und Theophil rief , von Herzen in das Lob einstimmend : sie ist so gut als schön , ein wahres Kleinod ! Dann , sich zu Therese neigend , sprach er : Wenn Sie , aus liebender Besorgniß , dem jungen Mädchen verbergen , wie schwer der Schmerz auf Ihrer Seele lastet , so lassen Sie mich wenigstens mit Ihnen leiden . Mein Auge ist nicht zu täuschen über den Grund Ihres Kummers , denn das Herz schärft meinen Blick . Ich habe gelitten wie Sie und die Wunde ist geheilt und vernarbt ; ich habe das Leben wieder lieben , ich habe wieder wünschen und hoffen gelernt in Ihrer Nähe . Ich bin nicht mehr krank , ich fühle Kraft , zu leben , Kraft , Sie zu stützen und zu halten , Therese ! - Seit vielen Tagen sehnte ich den Augenblick herbei , in dem ich Sie ohne Zeugen sprechen könnte . Nun ist er da und ich weiß nicht , wie ich Ihnen ausdrücken soll , was ich Ihnen zu sagen wünsche . Er hielt inne und sann nach in stummer Bewegung , dann fuhr er fort : Ich verlange nicht , daß Sie vergessen sollen , ich weiß , das kann man nicht ; ich begehre nicht , ein theures Bild aus Ihrer Seele zu verdrängen , für das meine Liebe Ihnen kein genügender Ersatz scheinen möchte . Ich wollte Ihnen nur sagen , daß mein Leben Ihnen geweiht ist , und daß ich glücklich wäre , wenn Sie mir vertrauen könnten . Fortführen möchte ich Sie von hier , wo tausend schmerzliche Eindrücke Ihrer warten , Sie zu meiner Mutter bringen und geduldig des Zeitpunktes harren , in dem Sie ruhiger geworden , es empfinden könnten , wie ganz ich Ihnen gehöre , wie es mich beglückt , Sie zu beschützen , für Sie zu leben . Bester , großmüthigster Freund ! rief Therese und reichte ihm die Hand , die er küßte , als Agnes , eine Lampe tragend , zurückkehrte . Sie blieb , es gewahrend , erschrocken in der Thüre stehen und sprach sichtlich verwirrt : Ich wollte meine Stunde nehmen , aber mein Lehrer hat absagen lassen , deshalb komme ich zurück . Sie wußte nicht , ob sie gehen oder bleiben sollte , und der Eintritt des Präsidenten erlöste sie aus einer quälenden Verlegenheit . Er nahm ihr die Lampe ab , die sie noch immer hielt , und sagte : Ich komme als Eva ' s Vorläufer . Sie wird gleich erscheinen und den Abend bei Dir zubringen , liebe Therese ! Da es Dir dann nicht an Gesellschaft fehlt , möchte ich Dir den Assessor entführen . Es sind Freunde von mir aus der Provinz angekommen und ich habe mit ihnen ein Zusammentreffen außer dem Hause verabredet . Wollen Sie daran Theil nehmen , Theophil , so werden Sie ein paar gescheidte Männer kennen lernen . Der Assessor nahm die Einladung an , da auf ein ungestörtes Gespräch mit Therese in Gegenwart der beiden Andern nicht zu rechnen war , und die Männer entfernten sich bald nach Eva ' s Ankunft , die alle Anwesenden aufforderte , am nächsten Tage ihre Gäste zu sein , da sie Alfred mit der Frau ebenfalls eingeladen habe . XII Frau von Barnfeld hatte eine größere Gesellschaft bei sich versammelt . Der Präsident mit der Schwester und seinen beiden andern Hausgenossen waren unter den Ersten , die sich einstellten , und man plauderte schon ziemlich lebhaft , als Alfred mit der Frau und dem Sohne erschien . Therese fühlte sich einer Ohnmacht nahe und ihre Hand faßte krampfhaft die Lehne des Sessels , als sie Alfred erblickte . Er trat an sie heran , sie zu begrüßen , aber die Worte erstarben auf seinen Lippen . Es war ihm nicht möglich eine gleichgültige Phrase auszusprechen , während sein Herz danach verlangte , sich voll mitzutheilen , sich ganz hinzugeben . Trotz ihrer Gewohnheit , sich in der Gesellschaft zu beherrschen , fanden sie die Worte nicht , bis Felix ihnen mit seiner Unbefangenheit zu Hilfe kam . Er umfaßte Therese mit beiden Armen , küßte sie und sagte : Tante , ich habe mich recht nach Dir gebangt ! Alle Tage habe ich kommen wollen , aber die Mutter hat es nicht erlaubt . Willst Du denn nicht , daß ich zu Dir komme ? Von Herzen gern , mein Felix ! antwortete Therese , den Knaben liebkosend , ich will Deine Mutter gleich darum bitten , daß sie Dich zu mir schickt . Sie stand auf , um Frau von Reichenbach entgegenzugehen , die sie und Alfred unaufhörlich betrachtet hatte und jetzt auf sie zuschritt . Entschuldigen Sie , sagte sie , daß der Knabe so wild und ungezogen über Sie herfiel . Ich habe es ihm unzählige Male verboten , Fremde in der Weise zu belästigen ; aber die Nachsicht meines Mannes mit des Knaben Fehlern macht es es mir unmöglich , ihn zu bändigen . Schickt sich ' s , eine fremde Dame so zu belästigen ? fragte sie den Knaben . Aber die Tante Therese ist ja keine fremde Dame , wendete Felix ihr ein . Als Du noch nicht hier warst , sind wir ja alle Tage zu ihr gegangen und ich habe ganz anders mit ihr und mit Agnes herum getollt , als mit Dir , Mama ; die Tanten machen ' s lange nicht so gefährlich mit ihren Kleidern und mit ihren Sophas . Ich konnte thun was ich wollte . Laß mich doch wieder hingehn ! Wir wollen sehen , ob Du folgsam sein und die Erlaubniß verdienen wirst , sagte Frau von Reichenbach , verdrießlich gemacht durch die Erinnerung an ihres Mannes häufige Besuche