, der in allen Hauptstädten Europas , in denen sie verweilte , bald als vornehmer Reisender , bald als Glücksritter und Spieler auftrat und wie ihr Planet , obschon minder oft sichtbar , um seine schöne Sonne sich drehte . Seit einem Jahre hatte der Tod die Fessel ihres Ehestandes gelöst und die Zeit die der Liebe gelockert . Paola und ihr Geliebter waren darüber einig geworden , daß an eine engere , dauernde Verbindung unter ihnen Beiden zu denken , eine Thorheit sei . Der Bequemlichkeit wegen hatte er sich in Wien für ihren Bruder ausgegeben . Seine ganz erschöpften Geldkräfte hinderten ihn für den Augenblick , in der höheren Gesellschaft aufzutreten ; er hielt insgeheim in kleinen freundschaftlichen Cirkeln Bank und erntete im Whist und Ecarté die nöthigen Hülfsmittel dazu . Gleich nach ihrer Heimkehr hatte ihm Paola das Begegnen der Gräfin Kronberg mitgetheilt und ihm befohlen , Nachricht über den Namen und Stand des jungen Mannes einzuziehen , den sie bei ihr gesehen , was , da Louis und Gondi dasselbe Hotel bewohnten , keine Schwierigkeiten fand . Mehre Tage vergingen indessen doch , ehe er erfuhr , daß Louis Annens Bruder sei . Paola benutzte während derselben blindlings ihre Macht , Kronbergs Eifersucht auf die Gräfin zu steigern ; das Misverstehen lag nur darin , daß sie dabei den Fremden im Auge hatte , während jener alle ihre andeutenden Worte auf Gotthard bezog und sich bereits die Zielscheibe der öffentlichen Aufmerksamkeit wähnte . In der heftigen Scene zwischen Kronberg und Louis , welche den Ausbruch seiner Krankheit veranlaßte , war Gondi ein unbewußter Hauptagent gewesen ; seine sanguinischen Hoffnungen , eine Scheidung des Grafen von dessen Gemahlin herbeizuführen und Paola einst deren Stelle einnehmen zu sehen , hatten ihn zu sehr gewagten Uebertreibungen verleitet . Er hatte des Grafen Leidenschaft zur Capacelli mit glühenden Farben geschildert und Louis dadurch noch mehr erzürnt und verwirrt . Gotthards Dazwischenkunft löste endlich alle die Misverständnisse , indem sie zugleich Louis ' augenblickliches Verlassen Wiens erzwang . Seit dem letzten Ereignisse waren erst wenige Stunden vergangen , als Gotthard Annen von der Abreise ihres Bruders benachrichtigte und Kronberg an Gondi ' s Spielbank saß . Er verließ mit diesem und Ruthberg den Saal . Ohne Umstände hatte ihm der Spieler gestanden , daß , obschon er die Noten aus Louis ' Händen empfangen , dieselben von Gotthard stammten , und ihm eine Schuldverschreibung auf zweihundert Florins gezeigt , welche den Rest der verspielten Summe ausmachte . Sehr natürlich nahm Kronbergs Gefühl sogleich eine andere Richtung ; abermals trat ihm ja des Verhaßten Einfluß in Bezug auf Anna entgegen ! Er eilte mit seinem Freunde in das Hotel , von da zur Post ; Louis war wirklich abgereist . Fast wäre er auf den Gedanken gekommen , mit Courierpferden der Post nachzujagen . Ruthberg begleitete ihn überall hin , war aber hinterdrein indiscret und erzählte die Geschichte einigen guten Freunden , die sie weiter beförderten - und commentirten . Ruthbergs Benehmen hatte gar keinen besondern Grund , die Sache amusirte ihn ; vielleicht regte sich die geheime Hoffnung in ihm , durch einen ohnehin unvermeidlichen , etwas schneller erweiterten Bruch des Grafen und Anna ' s irgend einen Vortheil zu ziehen - vielleicht trieb ihn der instinctartige Haß gegen Gotthard ; er dachte nicht darüber nach . Indessen führte er selbst die Klätschereien herbei , denen wir im Salon vierundzwanzig Stunden später zugehört ; aber alle Anwesenden , die sie belustigten , bezogen Kronbergs unruhigen Zorn auf die Capacelli , Annens gedachte Niemand dabei ; und geschah es ja , war es nur , um die schöne , liebe Frau zu beklagen . Nachdem ihm am Abend alle Versuche mislungen , seinen Schwager zu erreichen und ihn noch um eine Erklärung zu bitten , hatte Kronberg , wie wir wissen , zu Hause in dem Anliegen seines Knaben einen neuen Grund der Erbitterung gegen Gotthard gefunden ; im Cabinet seiner Frau war sein erster Blick abermals auf den Verhaßten gefallen . Ein Billet Paola ' s hatte ihn während des Gesprächs mit Annen dringend auf die Bühne und nach der Oper zu sich beschieden , wo sie ihm einige sonderbare Mittheilungen versprach . Gotthards so entschiedenes Verfahren gegen den ihm als Abenteurer bekannten Spieler und Louis ' fast gewaltsam erscheinende Entfernung hatte Paola und ihrem Freunde Gondi viel zu denken gegeben . Der weibliche Instinct ließ sie vollkommen richtig rathen und sogleich wandten sich ihre Machinationen gegen Gotthard . Die Art und Weise , in welcher sie Kronberg die Sache vorstellte , die höchst gewandten Fragen , welche sie einer Wiederholung der Erzählung ihres Bruders verwebte , reiften in ihm einen Entschluß , dessen ganze Thorheit er fühlte , ohne die Kraft zu haben , ihn in sich zu ersticken . Als er am frühesten Morgen vor Gotthard stand , fiel ihm ein , daß er ihn im Grunde gar nichts zu fragen habe - was gingen ihn die Zahlungen des Geheimraths an ? - Gotthard saß , von einer Menge Acten und anderen Schriften umgeben , in seinem Arbeitscabinet . Ein tiefer Ernst umwölkte seine hohe Stirn ; er sah den . Lenz nicht , der aus dem Gärtchen mit Rosenaugen in seine stille Zelle schaute , er hörte die Mahnung all der kleinen zwitschernden Vögel nicht , die ' so dringend bittend den Frühlingston der Menschenbrust , das leise sehnende Flehen um Liebe in seinem Herzen wach zu rufen schienen ; er sah das Schattenspiel der Blütenranken nicht , das auf seinen Papieren phantastisch auf und niedergaukelte - jeder Sinn war der Außenwelt verschlossen und nur im tiefsten Innern wuchs ein einziger schmerzlicher entsetzlicher Gedanke riesenhaft , wie eine unermeßliche Nacht , und überdeckte wachsend mit seinem Dunkel das reiche vollquellende Leben in und um ihn her , bis es zum Nichts zusammenschrumpfte . Es ist grauenhaft , wenn die höchsten Steigerungen des Gefühls und des sichtenden Gedankens mit einem Male in einer unausweichbaren Ueberzeugung zusammenfallen , die wie