worden sein , als die Frau Königin dies Schloß überhaupt mit so großer Pracht für den kurzen Besuch der vornehmen polnischen Magnaten ausrüstete , die sie eingeladen und lieber hier , als in Paris empfangen wollte , da sie diese Großen des damals von den verschiedensten Parteien zerrissenen Landes sich geneigt zu machen trachtete , um die Wahl des neuen Königs dermaleinst auf ihren geliebten Sohn , den Herrn Herzog von Anjou , unsern nachmaligen allergnädigsten König , zu lenken . Es ist hier nicht mehr Alles beisammen , was damals an großem Glanze diese Räume erfüllte , aber die alten Tagebücher der Kastellane , woraus die Chronik besteht , und welche sich noch vorfinden , sagen darüber große Wunder . « » Warum ist diese Thüre mit dem eisernen Balken verwahrt ? « frug die junge Gräfin , der Thüre neben dem Throne sich nahend . » Dies sind die Geheimzimmer der Frau Königin Katharina , « erwiederte zögernd der Kastellan ; » sie sind auf Befehl der Herren Grafen von Crecy immer auf diese Weise von den übrigen Gemächern getrennt gewesen . « » O , die möchte ich sehen ! « rief Fennimor - » könnt Ihr sie öffnen ? « » Das steht allerdings jedem Kastellane zu bewerkstelligen frei , « sprach der Alte , » wenn es befohlen wird , aber sie sind voll böser Luft , Euer Gnaden - auch wurden sie auf Befehl weder gelüftet , noch vom Staube gereinigt - es ist für eine so zarte gnädige Herrschaft , wenn ich ' s zu sagen mich unterstehen dürfte , kein passender Aufenthalt . « » O , doch , doch , guter Albans ! « - rief die junge Gebieterin - » ich muß sie sehen , gerade sie ! - Nicht wahr , Leonin , Du willst sie auch sehen ? « Dieser fühlte wohl , der Alte habe etwas ganz Besonderes bei diesen Zimmern auf dem Herzen , da er sich aber nicht näher erklärte und die Wünsche Fennimor ' s ihm das Gegengewicht hielten , so gab der Graf das Zeichen , daß er sie öffnen möchte ; die verrosteten Schlösser zeigten , wie lange das nicht geschehen war - erst nach vieler Anstrengung gelang es dem Alten , die Riegel zurückzuschieben . Es waren zwei an einander hängende Gemächer von mäßiger Größe , beide mit vergoldetem Leder bekleidet . Die Luft drang den Eintretenden wirklich mit Grabesbauch entgegen - die bunten Scheiben waren erblindet von der Zeit und den Spinnweben , und ließen daher nur ein Halbdunkel in der Beleuchtung zu . - Aber diese Vernachlässigung hatte einen andern Reiz behalten , der die jungen Schloßbewohner auch näher trieb und gerade darin lag , daß hier nichts bei Seite geräumt war , wie in den andern Räumen , sondern daß , fast zum Erschrecken , mitten in der vollen Lebensthätigkeit dieser ungeheuren Frau eine Unterbrechung , ein Stillstand eingetreten sein mußte , der die verschiedenen Gegenstände , die sie umgaben , erstarrt zu haben schien , und ihnen noch die eben verschobenen Falten der Draperien , den schief gerückten Sessel , genug , jedes Zeichen plötzlich unterbrochener Benutzung erhalten hatte . Die Mitte des ersten Zimmers ward von einem kolossalen Schreibtische eingenommen , dessen Aufsatz von schwarzem Ebenholze auf Füßen von weißem Marmor ruhte , und mit einigen künstlichen Vorrichtungen zum Schreiben versehen war , nebst einem hoch darüber ragenden Crucifixe von Elfenbein und mehreren schweren , kostbar eingebundenen Büchern . Herum standen drei Armsessel , mit dem Stoff der Tapeten bedeckt , die verschoben waren , als sei dies eben beim Aufstehen geschehen . » Dies war ihr geheimes Konferenz-Zimmer , « sagte St. Albans leise - » dieser schöne Schrank enthielt die laufenden Akten und Briefe ; in diesem mittelsten Sessel saß die Königin , hier die Räthe oder die andern betheiligten Personen - hier an der Wand , auf dieser Bank , die Hoffräulein , wenn sie bleiben durften - auch soll sie gern während der Berathungen in der Fenster-Nische über dem Stickrahmen gesessen haben , aber der damals anwesende Kastellan Hieronimus verzeichnete darüber : Alle hätte ein Fürchten beschlichen , wenn jene , so das Gesicht zur Stickerei abgewendet , Rath gehalten hätte ; sie solle dann noch mehr , als gewöhnlich habe verüben können ! Seht , der eingespannte Silberstoff , an dem sie damals gearbeitet , ist noch sichtbar , aber freilich erblindet , verstäubt und keine Reinigung mehr aushaltend . Ach , es sind kostbare Dinge hier nach gerade untergegangen durch den Befehl , diese Gemächer abzusperren . « » Aber warum geschah das ? « frug die junge Gräfin . » Das hatte traurige Gründe , die Gott richten wird in Barmherzigkeit - aber , so wie Euer Gnaden es hier sehen , so ist Alles verblieben , mitten im Gebrauch ! Lautes glänzendes Leben den einen Tag , am andern Morgen Alles leer , zu Pferde , zu Wagen , auf und davon , Keiner sein Gepäck nehmend oder nachfordernd - und auf Befehl der zuerst fliehenden Frau Königin wurden diese Zimmer abgesperrt , und kein Stück ihres hier vorhandenen Besitzes durfte ihr nachgesandt werden ; sie floh sogar in dem Pelzmantel eines Hoffräuleins . Damals hatte sie es dem ersten Grafen von Crecy-Chabanne , der hier Besitzer ward , geschenkt , und dieser gar heftige Herr hatte , wie man sagte , besondern Grund , den Befehl der Königin gut zu heißen . Da verblieb es dann so , und die tugendhaften Nachfolger dieses ersten Herrn wollten es immer so belassen . « » Da sind wir wohl die Ersten , die das alte Gebot überschreiten ? « sagte Leonin , von unheimlichen Empfindungen angeregt . » Ob die Ersten , Euer Gnaden , kann ich nicht bestimmen - bei meiner Zeit jedoch die Ersten ; denn Dero Herr Vater haben die Herrschaft Ste . Roche nie beehrt . « Zur Rückkehr geneigt , wollte Leonin dies eben