angegriffen war ; er suchte deshalb das Gespräch zu wenden , allein es wollte nichts mehr weiterrücken , man war verstimmt , man mußte zuletzt höchst unbefriedigt scheiden . Seit seiner Haftsentlassung hatte Larkens einen Entschluß gefaßt , wovon er bis jetzt noch gegen Nolten nichts laut werden ließ . Er wollte auf unbestimmte Zeit die Stadt verlassen und ins Ausland gehen . In mehr als einer Hinsicht schien dies wünschenswert und notwendig . Sein Schauspielkontrakt war seit kurzem zu Ende , der hiesige Aufenthalt war ihm durch die öffentlichen Vorfälle verbittert , der Hof selber schien seine Entfernung , auf eine Zeit wenigstens , nicht ungerne zu sehen . Aber dringender als dieses alles empfand er das eigene Bedürfnis , durch Zerstreuung , ja durch völlige Entäußerung von seiner bisherigen Lebensweise sich innerlich auszubessern und auszuheilen . Er entdeckte Theobalden seine Absicht , soweit er vorderhand für rätlich fand , und dieser , obgleich höchst unangenehm dadurch überrascht und fast gekränkt , konnte bei genauerer Betrachtung nichts dagegen sagen . Wie man aber , ehe an die Zukunft gedacht wird , vor allen Dingen der Gegenwart und der Vergangenheit ihr Recht erzeigen muß , so hatte Larkens im stillen einen Abend ausersehen an dem man die Erlösung von so mancherlei Unlust und Fährlichkeit recht fröhlich miteinander feiern wollte . Er besorgte ein ausgewähltes Abendessen und machte sich ' s besonders zum Vergnügen , die kleine , für ein Dutzend Gäste berechnete Tafel auf alle Art mit den frühesten Blumen und Treibhauspflanzen , sowie mit den verschiedenen Geschenken aufzuputzen , deren sich eine ziemlich bunte Sammlung von teilnehmenden Freunden und Gratulanten eingefunden . Was unter diesen hübschen und zum Teil kostbaren Dingen am meisten figurierte , war eine große Alabastervase von höchst zierlicher Arbeit , welche für Nolten bestimmt , in der Mitte des Tisches mit üppigen Gewächsen prangte . Sie war eine Gabe des Malers Tillsen , der sich heute überhaupt als einen der herzlichsten und redseligsten erwies . Der wunderliche Hofrat hatte nach seiner Weise die Einladung nicht angenommen und sich entschuldigt , doch zum Beweis , daß er an anderer Wohlsein Anteil nehme , einen Korb mit frischen Austern eingeschickt . Die übrige Gesellschaft bestand meist aus Künstlern . Unser Maler , von soviel ehrenden Beweisen der Freundschaft gleich anfangs überrascht und bewegt , hatte gegen eine wehmütige Empfindung anzukämpfen , die er , eingedenk der heitern Forderung des Augenblicks , für jetzt abweisen mußte . Die Unterhaltung im ganzen war mehr munter und scherzhaft abspringend , als ernst und bedeutend ; ja es nahmen die Späße eines gewissen Akteurs und Sängers dergestalt überhand , daß jeder eine Weile lang vergaß , selbst etwas Weiteres zur allgemeinen Ergötzlichkeit beizutragen , als daß er aus voller Brust mitlachte . Larkens , der Laune seines theatralischen Kollegen zuerst nur von weitem die Hand bietend , wiegte sich lächelnd auf seinem Stuhle , während er zuweilen ein Wort als neuen Zündstoff zuwarf ; bald aber kam auch er in den Zug , und indem er nach seiner Gewohnheit einen paradoxen Satz aufstellte , der jedermann zum Angriff reizte , wußte er durch den lustigen Scharfsinn , womit er ihn verfocht , die lebendigste Bewegung unter den sämtlichen Gästen zu bewirken , und immer das Beste , was in der Natur des einzelnen verborgen lag , war es Gemüt , Erfahrung oder Witz , mit Leichtigkeit hervorzulocken , wodurch denn unvermerkt das Interesse des Gesprächs sich auf das höchste vermannigfaltigen mußte . Zuletzt als man dem Frohsinn ein äußerstes Genüge geleistet , ward Larkens zusehends stiller und trüber ; er nahm , da man ihn damit aufzog , keinen Anstand , zu erklären , daß er der glücklichen Bedeutung dieses Abends im stillen noch eine andere für sich gegeben habe , und daß er sich die Bitte vorbehalten , es möge nun auch die Gesellschaft in ebendem besondern Sinne die letzten Gläser mit ihm leeren ; er werde auf längere oder kürzere Zeit aus der Gegend scheiden , um einige lang nicht gesehene Verwandte aufzusuchen . - Der Vorsatz , so natürlich er unter den bekannten Umständen war , erregte gleichwohl großes , beinahe stürmisches Bedauern , und um so mehr , als einige vermuteten , man werde den geschätzten Künstler , den sich die ganze Stadt seit kurzem erst gleichsam aufs neue wiedergeschenkt glaubte , bei dieser Gelegenheit wohl gar für immerdar verlieren , aber Nolten verbürgte sich für die treuen Gesinnungen des Flüchtlings . So wurden denn die Kelche nochmals angefüllt , und unter mancherlei glückwünschenden Toasten beschloß man endlich spät in der Nacht das muntere Fest . Die Ungeduld , mit welcher von jetzt an Larkens seinen Abgang betrieb , verhinderte ihn nicht , das fernere Schicksal seines Freundes zu bedenken , vielmehr wenn er sich bisher zur ernstlichsten Aufgabe gemacht hatte , die Neigung Noltens wieder auf die Braut zurückzulenken , wenn er sich vermittelst jenes fromm täuschenden Verkehrs mit Agnesen fortwährend von der Liebenswürdigkeit des Mädchens , von ihrem reinen und schönen Verstande , aber auch von dem natürlichen Verlangen überzeugte , womit , wie billig , ein zärtliches Kind sich den Geliebten bald für immer in die Arme wünscht , wenn er Theobalds ganze Verfassung , die noch immer drohende Nähe Constanzens bedachte , so konnte ihm nichts angelegener sein , als diesem zweifelhaften Schwanken einen raschen und kräftigen Ausschlag zu geben . Sein Plan deshalb stand fest , aber er sollte erst nach seiner Abreise in Wirkung treten , ja es war der günstige Erfolg , dessen er sich vollkommen versichert hielt , gewissermaßen auf seine Entfernung berechnet . Nun schrieb er an Agnesen , und wirklich , er dachte nur ungerne daran , daß es zum letzten Male sei . » Was für ein Tor man doch ist ! « rief er aus , indem er nachdenklich die Feder weglegte . » Mitunter hat es mich ergötzt , von der innersten Seele dieses lieblichen Wesens gleichsam Besitz zu nehmen , und um so