eilte die ganze Gesellschaft Karlsbad zu verlassen , wo sie nichts mehr fesselte . Ob Herr von Aarheim die Einladung des Generals annehmen , wie er sie aufnehmen würde , war die ganze Reise über der Gegenstand der allgemeinen Unterhaltung . Viele von der Gesellschaft glaubten nach diesem ersten Schritte sein ganzes künftiges Betragen gegen Gabrielen in voraus beurtheilen zu können , sie bedachten nicht die Unmöglichkeit , bei diesem wankenden formlosen Charakter auch nur von der jetzigen Minute auf die zunächst folgende schließen zu können . Alle blieben indessen voll Erwartung , und die , welchen Gabriele am theuersten war , zitterten heimlich vor dem Gedanken an die erste Stunde des Wiedersehens , so sehnlich sie auch diese herbei wünschen mochten . Das bequeme heitre Schloß des Generals , die schönen Umgebungen im bunten herbstlichen Schmuck , vor allem aber des Eigenthümers ungezwungne edle Gastfreundlichkeit verfehlten nicht , am Ziel der Reise auf die Ankommenden den angenehmsten Eindruck zu machen . Ein möglichst freier Lebensplan , der jedermann zufrieden stellen sollte , kam bald zur Sprache und ward förmlich angenommen . Die Männer beschlossen , den Morgen den Freuden der Jagd zu weihen , während es den Frauen überlassen blieb , sich einzeln in ihren Zimmern oder versammelt im gemeinschaftlichen Gesellschaftssaal , nach eigner Wahl zu beschäftigen , bis die späte Stunde der Mittagstafel Damen und Jäger vereinte . Gesellige Freuden , Spiel , Tanz , Musik , gemeinschaftliches Lesen sollten die Abendstunden ausfüllen und geladne Gäste aus der nächsten Umgegend zuweilen Mannigfaltigkeit und Abwechselung in die Gesellschaft bringen . Unter Allwills und des Kapellmeisters Leitung vergingen die ersten Tage größtentheils in Anordnungen geselliger Feste , und in Proben kleiner theatralischer Kunstleistungen , die gewöhnlich mehr Freude gewähren als die Aufführung selbst . Letztere ward bis zu Gabrielens Ankunft verschoben , denn der General wünschte Herrn von Aarheim glauben zu lassen , daß alles einzig zu Gabrielens und ihres Gemahls Empfang veranstaltet worden sey . Herrn von Aarheims dadurch geschmeichelte Eitelkeit , hoffte er , würde ihn dann freundlicher stimmen , und ihn bewegen , Gabrielen recht lange im Kreise ihrer Freunde zu lassen . Weder die Gemüthsstimmung , noch die Gesundheit Adelberts erlaubte diesem , an dem edlen Waidwerk Theil zu nehmen , welchem die Herren den Morgen über , alles andre ausschließend , oblagen . Angezogen von Frau von Willnangens Güte und Augustens traulicher Freundlichkeit , gewöhnte er sich daher gar bald , die Stunden des Vormittags größtentheils im Zimmer dieser Damen , gewöhnlich mit ihnen allein zu verleben . Oft war Gabriele der Gegenstand ihres Gesprächs , und Adelbert konnte dann nie aufhören , den Unstern anzuklagen , welcher ihn , wenn gleich schuldlos , zur ersten Veranlassung ihres traurigen Geschicks machte . » Mutter ! « sprach eines Morgens Auguste , da er eben niedergeschlagener als gewöhnlich sich bezeigte , » liebe Mutter ! der Rittmeister verdient unser ganzes Vertrauen , ich kann es nicht länger tragen ihn so sich quälen zu sehen . Ich bitte dich , erlaube , daß ich ihm alles sage , was wir aus Ernestos Briefe von den Umständen wissen , die Gabrielens Vermählung begleiteten . Was du allen andern mit Recht verhehlst , darf er erfahren , denn gewiß er ist jeder Unbesonnenheit unfähig , die Gabrielens Ruhe gefährden könnte . « Adelbert blickte verwundert auf Augusten , wie sie mit blitzenden Augen und glühenden Wangen bei ihrer Mutter für ihn sich verwendete . » Fräulein ! « sprach er endlich , halb lächelnd , halb gerührt , » Sie wünschen mir Trost zu geben , Sie nehmen Theil an meinem Kummer , o hüten Sie sich ! auch Sie sind liebenswürdig , jung , ein Engel an Güte , wie ihre Freundin , auch Sie ergreift das Verderben , wenn Sie mit Wohlwollen sich mir nahen . « » Ich wage es darauf , « erwiderte lächelnd Auguste , » denn Sie retteten meiner Gabriele das Leben . Ja , das thaten Sie , Herr Rittmeister ! und eben so unbewußt , als Sie dem unseligen Moritz sie auslieferten . Wollen Sie über das letzte verzweifeln , so müssen Sie auch des erstern sich rühmen . Sagen Sie mir nicht , daß es vielleicht besser sey , Gabriele wäre gestorben ; im ersten Schmerz dachte ich das auch ; aber eigentlich halte ich doch viel vom Leben . Im Leben ist Hoffnung , wer weiß , welche Freuden es Gabrielen noch aufbewahrt , die sie alle dann Ihnen verdanken muß . « Frau von Willnangen hatte indessen Ernestos Brief hervorgesucht . » Ich wage es auf Augustens Verantwortung , « sprach sie , indem sie ein Blatt desselben Adelberten hinreichte . » Ja , ich will Ihnen vertrauen , was aus tausend Gründen jedem Andern ein Geheimniß bleiben muß . Der Antheil , den sie an meiner Gabriele nehmen , ist zu innig , als daß ich nicht wünschen sollte Sie von der unverschuldeten Qual zu erlösen . Wissen Sie denn , der eigne Vater hatte Gabrielen dem Tode geweiht ; gekränkter Hochmuth brachte den wahnsinnig Verzweiflenden zu dem entsetzlichen Entschlusse , sie , der er keine , ihrer Geburt gemäße Existenz zu sichern wußte , mit sich hinabzuziehen in das Grab . Darum ließ er so plötzlich sie zu sich entbieten , und nur durch Moritzens unerwartete Ankunft ward sie gerettet , ohne selbst die entsetzliche Gefahr zu ahnen , in welcher sie geschwebt hatte . Der Baron fand in der Vermählung des letzten Zweigs des Hauptstammes seines Geschlechts mit dem Erben der Vorrechte desselben den einzig möglichen ehrenvollen Ausweg . Gabriele wurde dem Leben erhalten , während der verfinsterte Geist ihres Vaters allein , freiwillig , hinabstieg ins Reich der Schatten . Lesen Sie hier die Bestätigung des Unglaublichen . « Adelbert las ; das lebhafteste Entsetzen malte sich während dessen in seinen Zügen . » Sind Sie nun überzeugt ? « fragte Auguste , als er schweigend das Blatt zurückgab , » oder werden Sie