wo er kein ererbtes Recht hatte , doch in seinem Mut ein Recht der Erwerbung begründen . Er ließ öffentlich ausblasen , daß er im Schwarzwalde am Grabe des letzten Königs mit jedem um die Krone Schwabens kämpfen wolle , die dann dem Sieger unweigerlich zufallen solle , und zu dem Kampfe bestimmte er einen Tag . - Was bisher aus dem königlichen Kinde geworden , ist noch nicht berichtet , so aber verhielt es sich damit . Die zwölf fliegenden Boten erhielten schnelle Kunde durch die zum Himmel fliegenden Eltern von der Ermordung , sie hoben den Königssohn im Schlafe aus den Betten und trugen ihn zu einem Adlerneste in der Nähe der Erlöserkirche . Da nährten sie ihn mit der Milch der Hirschin , bis er kräftig war , an der Erde zu gehen . Dann brachten sie ihn zu einem Einsiedler bei der wüsten Kirche , sie sorgten für des Kindes Nahrung , der Einsiedler für dessen Erziehung . Er zeigte dem Kinde früh , wie das Bestehen des Glaubens vom Wohl der Staaten abhänge , denn seit der allgemeinen Verwirrung sei kein Stein zum Bau der Kirche angefahren worden . Der Knabe wuchs in sichtlichem Gedeihen seine dunklen Augen spiegelten Ernst und Mutwillen , sein Mund wechselte in Würde und Milde und seine Stirne trat hervor von der Kraft guter Gedanken und fester Entschlüsse . Früh reifte er zum männlichen Jüngling und übte sich selbst in jeder ritterlichen Kunst , so weit es die Einsamkeit und der Mangel an Kampfgenossen ihm gestatten wollte , denn die geflügelten Boten , wenn sie ihm ein Turnier unter einander vorstellten , daß er es daraus kennen lerne , waren nur wie die Gedanken zu betrachten , die wir uns als Kind von einer Schlacht machten . So hatte er sein funfzehntes Jahr erreicht und fragte ebnen die kleinen Boten aus , was es sei , das ihn so schwermütig mache , als der wilde Attila mit dem Volke sich der Kirche nahte . - Da sprach der älteste von den Zwölfen : » Königssohn , die ganze Welt ist noch ein Geheimnis für dich und das Leben ein ritterlicher Kampf mit ihr , nur nach ernstem Kampfe wird sie sich dir enthüllen und das Gleichartige wird dir eigen werden und eine neue Jugend aus dir hervorgehen . Sohn der Könige , rüste dich , nicht der Tag der Liebe , sondern des Kampfes mit dem Räuber deines Landes ist erschienen . Sohn der Könige , du kennst Ritterpflicht , wir dürfen dir nur mit unserm Gebete im Kampf beistehen , besteig dies Roß , bestreite den fremden König , der jeden ausfordert , der ihm die Krone , deine Krone streitig macht , siegend oder fallend wirst du uns über dir wie eine Wolke sehen , unsre Tränen in Lust und Schmerz werden auf dich fallen , auf Erden suche uns nicht mehr . « - Sie erhoben sich , die lieben Zwölfe , der Königssohn dankte ihnen und war so zornig , daß er sie auf Erden nicht wieder sehen sollte , daß er sich gern in die Lanze des Fremden gestürzt hätte . Vergebens hatte der König Attila seine Gegner ausgefordert , keiner der Grafen wagte sich gegen den Riesenmann in die Schranken ; da trat der gerüstete Jüngling auf und der König lächelte seiner schlanken Gestalt . Aber der Jüngling rannte auf ihn in so zornigem Sinne , daß seine Lanze durch die Ringe des Brustharnisches in König Attilas Herz drang . Der wilde Attila stöhnte sein Leben aus , da blickte der Jüngling dankbar zum Himmel , zu der glänzenden Wolke , die Freudentränen auf ihn fallen ließ , dann öffnete er den Helm und nannte seinen Vater und führte das Volk zu dessen Grabe , und der Einsiedler beschwor , daß er des Königs Sohn , des Reiches Erbe sei , und setzte auf dessen Haupt die Krone , die er dem ermordeten König abgenommen und heimlich bewahrt hatte . Das Volk schwor ihm Treue als König und er schlug die Hunnen , die mit ihnen da versammelt waren . Das Land war frei , der König weise , die Kirche wurde vollendet . Das Bild zeigt die Krönung des jungen Königs und das Erschlagen der hunnischen Ritter ; die alten Reime schließen mit den Worten : Doch die Zeit will neue Taten Und erzählt ist schon genug , Gott im Himmel wird uns raten , Schützt uns vor des Teufels Trug , Wird uns seine Sänger senden In des Schmerzes Einsamkeit , Daß wir ahnden , wie zu ende Das Beginnen dieser Zeit . Drittes Buch Erste Geschichte Die Hochzeit Die ewige Lampe vor dem Bilde der heiligen Mutter , welche Frau Hildegard bei der Genesung Bertholds gestiftet hatte , war schon sichtbar , auch die messingenen Kronen glänzten durch die offenen Fenster des Rathauses , als eine neue Erleuchtung bei dem großen Röhrbrunnen des Marktes für die armen Frauen eingerichtet wurde , die dort mit großer Emsigkeit zinnerne Schüsseln und Teller abscheuerten , welche von den Hochzeitgästen auf dem Rathause geleert waren . » Wie der steinerne Ritter sein Laternchen so schön über den Brunnen hält , als ob er drin krebsen wollte ! « sagte die eine der Frauen . - » Das war noch ein guter Einfall von dem Anton « , meinte die andre , » dafür schenk ich ihm das große Stück Schinken , das hier auf der Schüssel blieb . « - » Und ich schenke ihm den Backfisch « , sagte die andre , » aber er muß mir einen Kuß geben . « - » Ich gebe keinen Kuß ! « brummte Anton und begnügte sich mit dem Schinken . - » Was das für ein Junge ist « , sagte die andre , » es gäbe mancher etwas darum , wenn ich ihm einen Kuß anböte , und der nähme lieber einen Backenschlag dafür an . Was treibst du dich bei den Weibern herum