vor sich auf dem Schoße . An ihren Knien stand die kleine Maria mit vor der Brust gefalteten Händchen , die Augen fleißig auf das Buch niedergeschlagen . Eine wunderbare Unschuld und Frömmigkeit , wie die demütige Ahnung einer künftigen , unbeschreiblichen Schönheit und Herrlichkeit , ruhte auf dem Gesichte des Kindes . Es war , als müßte sie jeden Augenblick die schönen , klaren Kindesaugen aufschlagen , um der Welt Trost und himmlischen Frieden zu geben . Friedrich war erstaunt , denn je länger er das stille Köpfchen ansah , je deutlicher schienen alle Züge desselben in ein ihm wohlbekanntes Gesicht zu verschwimmen . Doch verlor sich diese Erinnerung in seine früheste Kindheit , und er konnte sich durchaus nicht genau besinnen . Er sprang auf und untersuchte das Bild von allen Seiten , aber nirgends war irgendein Name oder besonderes Zeichen zu sehen . Verwundert ging er in den Hof hinaus und fragte nach den Bewohnern des Schlosses . Nur einige wußten Bescheid und sagten aus , das Schloß werde gewöhnlich bloß von einem Vogte bewohnt und gehöre eigentlich einer Edelfrau im Auslande , die alle Jahre immer nur auf wenige Tage herkomme . Sonst konnte er nichts erfahren . Ihm fiel dabei unwillkürlich die weiße Frau ein , die er schon fast wieder vergessen hatte . - Sein Schlaf war vorbei - er begab sich daher auf die alte steinerne Galerie , die auf der Waldseite über eine tiefe Schlucht hinausging , um dort den Morgen abzuwarten . Dort fand er auch den gefangenen Offizier , der in einem dunklen Winkel zusammengekrümmt lag . Er setzte sich zu ihm auf das halb abgebrochene Geländer . » Das Unglück macht vieles wieder gut « , sagte er , und reichte ihm die Hand . - Der Offizier wickelte sich fester in seinen Mantel und antwortete nicht . - » Hast du denn alles vergessen « , fuhr Friedrich fort , » was wir in der guten Zeit vorbereitet ? Mir war es Ernst mit dem , was ich vorhatte . Ich war ein ehrlicher Narr , und ich will es lieber sein , als klug ohne Ehre . « - Der Offizier fuhr auf , schlug seinen Mantel auseinander und rief : » Schlag mich tot wie einen Hund ! « - » Laß diese weibische Wut , wenn du nichts Besseres kannst « , sagte Friedrich ruhig . » Du siehst so wüst und dunkel aus , ich kenne dein Gesicht nicht mehr wieder . Ich liebte dich sonst , so bist du mir gar nichts wert . « - Bei diesen Worten sprang der Offizier , der Friedrichs ruhige Züge nicht länger ertragen konnte , auf , packte ihn bei der Brust und wollte ihn über die Galerie in den Abgrund stürzen . Sie rangen einige Zeit miteinander ; Friedrich war vom vielen Blutverluste ermattet und taumelte nach dem schwindligen Rande zu . Da fiel ein Schuß aus einem Fenster des Schlosses ; ein Schütze hatte alles mit angesehen . - » Jesus Maria ! « rief der Offizier getroffen , und stürzte über das Geländer in den Abgrund hinunter . - Da wurde es auf einmal still , nur der Wald rauschte finster von unten herauf . Friedrich wandte sich schaudernd von dem unheimlichen Orte . Die Schützen hatten unterdes ausgerastet , das Morgenrot begann bereits sich zu erheben . Neue Nachrichten , die soeben eingelaufen waren , bestimmten den Trupp , sogleich von seinem Schlosse aufzubrechen , um sich mit den andern tiefer im Lande zu vereinigen . Eine seltsame Erscheinung zog jedoch bald darauf aller Augen auf sich . Als sie nämlich auf der einen Seite des Schlosses herauskamen , sahen sie jenseits zwischen den Bäumen auf einer hohen Klippe eine weibliche Gestalt stehen , welche zwei von den Ihrigen , die ihr nachstiegen , mit dem Degen abwehrte . Friedrich wurde hinzugerufen . Er erfuhr , das Mädchen sei gegen Morgen allein mit verwirrtem Haar und einem Degen in der Hand an dem Schlosse herumgeirrt , als suche sie etwas . Als sie dann auf den erschossenen Offizier gestoßen , habe sie ihn schnell in die Arme genommen , und den Leichnam mit einer bewunderungswürdigen Kraft und Geduld in das Gebirge hinaufgeschleppt . Zwei Schützen , denen ihr Herumschleichen verdächtig wurde , waren ihr bis zu diesem Felsen gefolgt , den sie nun wie ihre Burg verteidigte . Als Friedrich näher kam , erkannte er in dem wunderbaren Mädchen sogleich Marie , sie kam ihm heute viel größer und schöner vor . Ihre langen , schwarzen Locken waren auseinandergerollt , sie hieb nach allen Seiten um sich , so daß keiner , ohne sie zu verletzen , die steile Klippe ersteigen konnte . Als dieselbe Friedrich unter den fremden Männern erblickte , ließ sie plötzlich den Degen fallen , sank auf die Knie und verbarg ihr Gesicht an der kalten Brust ihres Geliebten . Die bärtigen Männer blieben erstaunt stehn . » Ist in dir eine solche Gewalt wahrhafter Liebe « , sagte Friedrich gerührt zu ihr , » so wende sie zu Gott , und du wirst noch große Gnade erfahren ! « Die Umstände nötigten indes immer dringender zum Aufbruch . Friedrich ließ daher einen des Weges kundigen Jäger bei Marie zurück , der sie in Sicherheit bringen sollte . Das Mädchen richtete sich halb auf und sah still dem Grafen nach ; sie aber zogen singend über die Berge weiter , über denen soeben die Sonne aufging . Neunzehntes Kapitel Der Krieg wütete noch lange fort . Friedrich hatte im Laufe desselben den Ruhm seines alten Namens durch alte Tugend wieder angefrischt . Der Fürst , dem er angehörte , war unter den Feinden . Friedrichs Güter wurden daher eingezogen . Das Kriegsglück wandte sich , die Seinigen wurden immer geringer und schwächer , alles ging schlecht : er blieb allein desto hartnäckiger gut und wich nicht . Endlich wurde der Friede geschlossen . Da nahm er , zurückgedrängt