vernehmend , schlich ich über die Straße . Der laute Zuruf des Kutschers , das Gerassel des Wagens weckte mich , schnell sprang ich zur Seite . Der Wagen der Fürstin rollte vorüber , der Leibarzt bückte sich aus dem Schlage und winkte mir freundlich zu ; ich folgte ihm nach seiner Wohnung . Er sprang heraus und zog mich mit den Worten : » Eben komme ich von Aurelien , ich habe Ihnen manches zu sagen ! « herauf in sein Zimmer . » Ei , ei , « fing er an , » Sie Heftiger , Unbesonnener ! was haben Sie angefangen ! Aurelien sind Sie erschienen plötzlich wie ein Gespenst , und das arme nervenschwache Wesen ist darüber erkrankt ! « - Der Arzt bemerkte mein Erbleichen . » Nun nun , « fuhr er fort , » arg ist es eben nicht , sie geht wieder im Garten umher und kehrt morgen mit der Fürstin nach der Residenz zurück . Von Ihnen , lieber Leonard , sprach Aurelie viel , sie empfindet herzliche Sehnsucht , Sie wieder zu sehen und sich zu entschuldigen . Sie glaubt , Ihnen albern und töricht erschienen zu sein . « Ich wußte , dachte ich daran , was auf dem Lustschlosse vorgegangen , Aureliens Äußerung nicht zu deuten . Der Arzt schien von dem , was der Fürst mit mir im Sinn hatte , unterrichtet , er gab mir dies nicht undeutlich zu verstehen , und mittelst seiner hellen Lebendigkeit , die alles um ihn her ergriff , gelang es ihm bald , mich aus der düstern Stimmung zu reißen , so daß unser Gespräch sich heiter wandte . Er beschrieb noch einmal , wie er Aurelien getroffen , die , dem Kinde gleich , das sich nicht vom schweren Traum erholen kann , mit halb geschlossenen , in Tränen lächelnden Augen auf dem Ruhbette , das Köpfchen in die Hand gestützt , gelegen und ihm ihre krankhafte Visionen geklagt habe . Er wiederholte ihre Worte , die durch leise Seufzer unterbrochene Stimme des schüchternen Mädchens nachahmend , und wußte , indem er manche ihrer Klagen neckisch genug stellte , das anmutige Bild durch einige kecke ironische Lichtblicke so zu heben , daß es gar heiter und lebendig vor mir aufging . Dazu kam , daß er im Kontrast die gravitätische Fürstin hinstellte , welches mich nicht wenig ergötzte . » Haben Sie wohl gedacht , « fing er endlich an , » haben Sie wohl gedacht , als Sie in die Residenz einzogen , daß Ihnen so viel Wunderliches hier geschehen würde ? Erst das tolle Mißverständnis , das Sie in die Hände des Kriminalgerichts brachte , und dann das wahrhaft beneidenswerte Glück , das Ihnen der fürstliche Freund bereitet ! « » Ich muß in der Tat gestehen , daß gleich anfangs der freundliche Empfang des Fürsten mir wohl tat ; doch fühle ich , wie sehr ich jetzt in seiner , in aller Achtung bei Hofe gestiegen bin , das habe ich gewiß meinem erlittenen Unrecht zu verdanken . « » Nicht sowohl dem , als einem andern ganz kleinen Umstande , den Sie wohl erraten können . « » Keinesweges . « » Zwar nennt man Sie , weil Sie es so wollen , schlechtweg Herr Leonard , wie vorher , jeder weiß aber jetzt , daß Sie von Adel sind , da die Nachrichten , die man aus Posen erhalten hat , Ihre Angaben bestätigten . « » Wie kann das aber auf den Fürsten , auf die Achtung , die ich im Zirkel des Hofes genieße , von Einfluß sein ? Als mich der Fürst kennen lernte und mich einlud , im Zirkel des Hofes zu erscheinen , wandte ich ein , daß ich nur von bürgerlicher Abkunft sei , da sagte mir der Fürst , daß die Wissenschaft mich adle und fähig mache , in seiner Umgebung zu erscheinen . « » Er hält es wirklich so , kokettierend mit aufgeklärtem Sinn für Wissenschaft und Kunst . Sie werden im Zirkel des Hofes manchen bürgerlichen Gelehrten und Künstler bemerkt haben , aber die Feinfühlenden unter diesen , denen Leichtigkeit des innern Seins abgeht , die sich nicht in heitrer Ironie auf den hohen Standpunkt stellen können , der sie über das Ganze erhebt , sieht man nur selten , sie bleiben auch wohl ganz aus . Bei dem besten Willen , sich recht vorurteilsfrei zu zeigen , mischt sich in das Betragen des Adligen gegen den Bürger ein gewisses Etwas , das wie Herablassung , Duldung des eigentlich Unziemlichen aussieht ; das leidet kein Mann , der im gerechten Stolz wohl fühlt , wie in adliger Gesellschaft oft nur er es ist , der sich herablassen und dulden muß das geistig Gemeine und Abgeschmackte . Sie sind selbst von Adel , Herr Leonard , aber wie ich höre , ganz geistlich und wissenschaftlich erzogen . Daher mag es kommen , daß Sie der erste Adlige sind , an dem ich selbst im Zirkel des Hofes unter Adligen auch jetzt nichts Adliges , im schlimmen Sinn genommen , verspürt habe . Sie könnten glauben , ich spräche da als Bürgerlicher vorgefaßte Meinungen aus , oder mir sei persönlich etwas begegnet , das ein Vorurteil erweckt habe , dem ist aber nicht so . Ich gehöre nun einmal zu einer der Klassen , die ausnahmsweise nicht bloß toleriert , sondern wirklich gehegt und gepflegt werden . Ärzte und Beichtväter sind regierende Herren - Herrscher über Leib und Seele , mithin allemal von gutem Adel . Sollten denn auch nicht Indigestion und ewige Verdammnis den Courfähigsten etwas weniges inkommodieren können ? Von Beichtvätern gilt das aber nur bei den katholischen . Die protestantischen Prediger , wenigstens auf dem Lande , sind nur Hausoffizianten , die , nachdem sie der gnädigen Herrschaft das Gewissen gerührt , am untersten Ende des Tisches sich in Demut an Braten und Wein erlaben . Mag es schwer sein , ein eingewurzeltes