in der Hand , der staunend niederstürzenden Menge eröffnete . Nachher hallten die Chöre des Grafen einen abwechselnden Gesang , der bei jedem Kirchweihfeste in alle Zeit , so weit des Menschen Wille reicht , wiederholt werden sollte . Die Gräfin fand diese Gebräuche sehr abgeschmackt , ob sie gleich davon ergriffen wurde ; der Graf , der an der Anordnung mit wahrer Liebe gearbeitet , konnte ihr nichts antworten , als daß alle Speisen nicht mehr schmeckten , wenn man ihrer genugsam gegessen , wer sie aber genossen , solle dankbar sein dem Geber aller Dinge , denn so stehe im Vaterunser . Achtundzwanzigstes Kapitel Die Ernte Die Ernte , die bei schönem trockenen Wetter glücklich angefangen wurde , beschäftigte den Grafen mehrere Wochen ausschließlich , er selbst war gern den ersten Tag eine Stunde lang Vormäher , seine Kraft und seine Kenntnis und seine Wertschätzung des Geschäftes öffentlich zu beweisen . » Wie überfällt mich so liebe vieljährige Erinnerung « , sagte er , » denk ich der Ernte , wie ich als Kind schon die schweren Garben zusammen zu tragen suchte , und sie doch hinter mir herzog , wie ich dann , alles mit durchspielend , mich zu dem Bierfasse setzte und einen Schluck des Getränkes jauchzend leerte , und mir ein kleines Mädchen aufsuchte , daß sie mir einen Strauß mit Silberband schenkte , daß auch ich geschmückt wie jeder Mäher einherziehen könnte ; wie ich dann so früh aufwachte , so gerne ich sonst schlief . Wahrlich , die Kindheit aller Menschen gehört aufs Land , kein Mensch sollte seine früheren Jahre in der Stadtmauer zubringen ! « So rief der Graf einmal heimkehrend seiner Dolores zu , der die Anstrengung bei diesen sogenannten Freuden , so verhaßt war , daß sie nicht gern den Ernteleuten begegnete , und sie spottend Feldscherer nannte ; diesmal kam hinzu , daß der Graf sehr beschmutzt heimkehrte , auch in der Ermüdung dies wenig bemerkte oder verbesserte , dazu endlich die Hitze , welche Tage und Nächte mit Feuer und schreckhaften Gewittern füllte ; genug , diese hocherwünschte Zeit war ihr zum Verzweifeln verhaßt , und sie antwortete ihm statt der Beistimmung mit der Bitte , sich zu waschen und umzukleiden , es wäre sonst in seiner Nähe nicht auszuhalten . - Der Graf besah Hände und Stiefeln und fand , daß sie recht hatte ; aber die Erinnerung kam so wunderbar in seine Erinnerungen eingekeilt , daß er sich eines kleinen Ausrufs : » Wie gehört das hierher ? « nicht erwehren konnte . Überhaupt sei jedermann vorsichtig in einem geliebten Umgange gegen irgend etwas einen Ekel auszudrücken ; ist es auch etwas Vorübergehendes , was weggeschafft werden kann , es ist doch eine Störung im Vertrauen , einem geliebten Wesen auch nur für einen Moment ekelhaft gewesen zu sein . Darum ehre ich auch die Gesinnung mancher Mütter , die ihren Widerwillen gegen manche unvermeidliche Unreinlichkeiten der Kinder mit einer freundlichen Ergebung , ja selbst mit einer Art Ehrgefühl , dulden , als sei diese Duldung eine reizende Pflicht . Was aber den Grafen mehr als jene eigne Kränkung beunruhigte , war der Widerwille seiner Dolores dem kleinen Traugott , der nach dem Tode der Mutter immer kränkelte , beizustehen ; keine Viertelstunde konnte sie es in seinem Krankenzimmer aushalten , und doch hatte das schöne Kind , wie dies häufig gefunden wird , durch diese krankhafte eine ernste Beziehung auf sich , eine vorreife sehr überraschende Geistesbildung erhalten , so daß man oft glaubte , es spreche nach , wo es tief aus sich gedacht hatte . Der Kleine litt an einem unregelmäßigen kalten Fieber ; trat nun der Frost ein , so suchte er die sonnigen Stellen sich auf , wo er ihn ungestört überstehen konnte . Der Graf hatte vergebens seine Frau gebeten , sie möchte doch hindern , daß der Knabe sich nicht auf feuchte Erde lege , sondern ihm eine Matratze oder einen Stuhl nachtragen lassen ; die Gräfin vergaß es , sich darum zu bekümmern , und der Kleine mochte niemand bemühen . Er schlich ganz heimlich fort und da ihn niemand auf dem Kirchhofe suchte und der Rasen dort voll Blumen aller Art und sehr weich war , so hatte er dort schon mehrmals sein Fieberlager gehalten , als er auch einmal zufällig auf dem Grabe seiner Mutter einschlief . Nun träumte ihm wunderbar während der Fieberhitze , daß er nach einer Blume greife , die er für herrlich halte , weil sie in Gelb glühete , daß er sie nach kindischer Art essen wolle : denn so versuchen die Kinder alles , was ihnen gefällt ; daß aber die Mutter , ganz wie er sie in den letzten Stunden gesehen , die Blume ihm entreiße , und er darüber weine . Er wachte von diesem Weinen auf , und sah , daß er in seinen Händen eine gelbliche Blume trug , die er in der Fieberschwärmerei abgepflückt . Aus Verwunderung darüber brachte er sie nach Hause und zeigte sie dem Grafen , der eben von der Aufsicht über die Ernte heimkehrte . Der Graf erkannte sie bei den ersten Blicken für Belladonna , und riß sie ängstlich dem Kleinen weg mit der Frage , ob er auch noch nicht davon genossen , sie sei sehr giftig , heiße Schöne Frau , nur den tollen Hundsbiß heile sie zuweilen . Der Kleine wurde verwundert und noch blässer , als er war , und der Graf meinte schon , daß seine Besorgnis leider gegründet , als er ihm sehr feierlich seinen Fehler bekannte , gegen sein Verbot auf dem feuchten Erdboden geschlafen zu haben , und dann erzählte er ihm den wunderbaren Traum auf der Mutter Grabe und meinte ganz fest , die Mutter lebe noch . Der Graf nahm den Kleinen mit Liebe in seine Arme und trug ihn schmeichelnd auf sein Zimmer , es war ihm wie bei etwas Wunderbarem zu Mute , wo niemand weiß ,