er tat , erhöhte dieses Geheimnis ; denn seine Handlungen waren oft wirklich bedeutend , und wurden auffallend , indem sie aus innern Gründen auszugehen schienen , die mit seinem bürgerlichen Standpunkte in keiner Verbindung standen . Er war in die Stadt gekommen , hatte sich das Bürgerrecht erkauft , und ein größeres Handlungshaus errichtet , als je in diesem Orte gewesen war ; aber keiner seines Standes konnte Nachricht geben , woher er kam , warum er es tat , und wie die Wege gewesen , die ihn so schnell zu allem diesem geführt hatten . Man wußte nur , daß er abends angekommen war und im Wochenblatte gelesen hatte , daß ein großes Gut bei der Stadt zu verkaufen sei , welches er auch gleich den folgenden Morgen kaufte . Dann war er einigemal auf die Börse gekommen , hatte große Händel abgeschlossen , und ein Comptoir in der Stadt errichtet . Er selbst arbeitete wenig in diesen Geschäften , sondern überließ sie seinen Factoren , die er sehr begünstigte ; und besonders zeichnete er einen jungen Menschen unter ihnen aus , der ihm als elternlos aus England geschickt worden war ; und endlich zog er sich ganz auf sein Gut zurück . Von diesem Gute selbst erzählte man vielerlei , von seiner ganz eignen innern Einrichtung ; doch kannte es eigentlich niemand genau , seit er es bewohnte , denn die wenigen Diener , die er um sich hatte , waren für jede Erklärung verloren . Er hatte seinen Sohn dort bei sich , der , nach der Aussage der vielen Erzieher , die ihn verlassen hatten , ein wunderlicher Mensch sein sollte . Das Gut gehörte ehemals einem mennonitischen Edelmann , und die Pächter waren alle von dieser Glaubenslehre . Da der Besitzer gestorben war , fiel es der Regierung anheim , und von dieser kam es in Godwis Besitz . Seine Gesellschaft auf diesem Gute war stets wechselnd , denn sie bestand aus durchreisenden Künstlern , die er einige Zeit beschäftigte , und die ihm stets beteuern mußten , was sie bei ihm gebildet hatten , zu verschweigen . Viele Maler , Bildhauer und Dichter kannten seine Freigebigkeit , und hatten einige Zeit bei ihm zugebracht . Ein Teil seiner Wohnung soll nach der allgemeinen Sage sogar seinem Sohne und allen seinen Hausgenossen verschlossen geblieben sein , und hier war es , wo er die Arbeiten der Künstler , die bei ihm gewesen waren , aufbewahrte . Ehemals war es eine kleine Kirche , der sich die verstorbenen Besitzer des Gutes zu den religiösen Versammlungen ihrer Glaubensbrüder bedient hatten ; von außen war es auch Kirche geblieben , im Innern aber nach dem Plane des Engländers verändert worden . Das Wohnhaus des Gutes hatte er in seinem vernachlässigten Zustande gelassen ; so nicht die Gärten , deren Verunstaltung er zu einer zierlichen Verwilderung erhob . Der gesuchten Nachlässigkeit in der Erhaltung dieses Gutes war sein Haus in der Stadt völlig entgegengesetzt , wie seine eigene finstre Untätigkeit seinem kaufmännischen Wohlstande . Dieses Haus war das geschmackvollste und geräuschvollste ; seine Zahlstube wimmelte von zierlichen Arbeitern , seine Gewölbe waren in voller Tätigkeit , die Treppen und Eingänge waren mit Bedienten und Türstehern besetzt , und die Einrichtung der Gemächer schimmerte in dem gediegensten Luxus . Seine Factoren gaben Gesellschaften , Gastereien , Konzerte und Bälle , an denen der ganze gebildete Teil der Stadt und die vielen , an seine Handlung empfohlenen Reisenden teilnahmen . Er allein erschien nur das erstemal bei der Eröffnung eines solchen Zirkels , und bemühte sich dann mehr ernstlich als teilnehmend , die ganze Gesellschaft zu einer fröhlichen Anmaßlichkeit auf diese Vergnügungen seines Hauses zu bewegen , und erschien gleich einem Lehnsherrn , der sie mit herkömmlichen Besitzen belehnt . Das Gute , was er tat , wagte er nicht sich anzumaßen ; dennoch wendete er ebensowenig Fleiß darauf , es zu verbergen als es bekannt zu machen , und niemand ehrte seine Wohltaten , wenn gleich jeder Bedürftige sie wünschte . Seine Wohltaten sahen aus wie Buße . Wie er gekommen war , war er auch wieder verschwunden ; schon einige Jahre waren hin , daß er mit einer Gesellschaft , deren Zusammenhang mit ihm man nicht näher kannte , plötzlich nach Italien gezogen war . Das Gut aber blieb dem Sohne , der es jetzt bewohnte , und von dem mancherlei Gerüchte gingen . Besonders schwatzte man viel von einem prächtigen Grabmale , das er einem Mädchen habe errichten lassen , welches nicht den besten Ruf habe und mit ihm von seinen Reisen gekommen sei . Man sprach davon , daß sie verrückt geworden sei , und daß das Grabmal darauf anspiele ; sie habe Violette geheißen , und einige Offiziere , die den letzten Feldzug am Rheine mitgemacht hatten , wollten sie sehr gut gekannt haben . Dem sei nun , wie ihm wolle , aber alle stimmten darin überein , daß man nichts Schöneres sehen könne als dieses Grabmal , denn es war in der Stadt öffentlich gezeigt worden . Dies waren ungefähr die Nachrichten , die ich abends in dem Gasthofe sammelte und in dieser Ordnung niederschrieb . Ich entschloß mich , den andern Morgen vor Sonnenaufgang meinen Weg nach dem Gute anzutreten , das einige Stunden von der Stadt entfernt im Gebürge lag . Zweites Kapitel Der Morgen dämmerte kaum , als ich meinen Weg antrat ; meine wenigen Geräte hatte ich im Gasthofe zurückgelassen , und mir vorgenommen , ehe ich mich Godwi als seinen unberufenen Geschichtschreiber zu erkennen gäbe , ihn unter einem andern Vorwande zu berühren , um seinen guten Willen zu gewinnen . Ich wollte mich für einen reisenden Künstler ausgeben , der Violettens Grabmal sehen wolle . Ich ging unter diesen Gedanken den Berg hinauf , und hatte auch wirklich eine große Begierde , Violettens Grab zu sehen , denn der Gedanke des Bildes konnte unstreitig sehr schön ausgeführt sein , und ich liebe besonders bedeutungsvolle Werke , die