Ereigniß zu Athen bemächtigt hat . Er wirft sich selbst vor , daß er seinen Meister verlassen habe , und nicht wenigstens auf die erste Nachricht von der Verschwörung seiner Feinde gegen ihn sogleich nach Athen zurückgeflogen sey . Der Gedanke tödte ihn , sagt er , daß er fähig gewesen sey sich sorglos einer wollüstigen Unthätigkeit zu überlassen , indessen der Anblick und die Gesellschaft seiner getreuen , bis in den Tod bei ihm ausharrenden Freunde das Einzige gewesen , was dem besten aller Menschen zur Erleichterung seines grausamen Schicksals übrig geblieben sey . Kurz , der arme Mensch kann sich selbst nicht verzeihen , daß Sokrates - ohne ihn sterben konnte ; als ob seine Gegenwart etwas anders hätte helfen können , als seine ohnehin überspannte Einbildung bis zum gänzlichen Wahnsinn hinauf zu treiben . Er besteht nun darauf , nach Ambracien zurückzugehen , und da wir ihn nicht mit Gewalt zurückhalten können - noch wollen , wird er uns an einem der nächsten Tage verlassen . Mich dünkt selbst , es ist das Beste was er thun kann , und wir andern werden uns sehr dadurch erleichtert finden ; denn ein Mensch , der , aller Vernunft zum Trotz , in der Traurigkeit als in seinem Elemente leben und weben will , paßt nicht wohl in eine Gesellschaft , die sich ' s zur Pflicht macht , dieser schlimmsten aller Krankheiten der Seele , so viel nur immer möglich , alle Nahrung zu entziehen . In dieser Rücksicht kommt mir sehr zu Statten , daß ich meinen geliebtesten Jugendfreund Kleonidas aus Cyrene mitgebracht habe , der einer von den Glücklichgebornen ist , die sich nur zeigen dürfen um überall geliebt zu werden . Hier stehen ihm bereits alle Herzen offen , und es ist mein Glück , daß Lais in seinen Augen zu sehr Göttin ist , als daß es einem Sterblichen geziemen könnte , Ansprüche an sie zu machen . Wie lange dieses religiöse Gefühl dauern wird , muß die Zeit lehren ; genug daß Lais sich an der Abgötterei , die er mit ihr treibt , genügen läßt , und es ihm nicht übel zu nehmen scheint , wenn seine Augen auf den weniger blendenden , aber ein Herz , das nichts von ihnen besorgt , unvermerkt überschleichenden Reizen der kleinen Musarion mit einer besondern Anmuthung verweilen . Du würdest dich wundern , Hippias , zu was für einer zierlichen Nymphengestalt das Mädchen in der kurzen Zeit , seitdem du sie zu Korinth sahest , sich ausgebildet hat . Wenn ich nicht sehr irre , so ist sie der weinerlichen Rolle ziemlich überdrüssig , die sie , ihrem geistigen Liebhaber zu Gefallen , seit einigen Wochen spielen mußte ; und ich wollte nicht dafür stehen , daß sie nicht in aller Unschuld , und ohne selbst zu wissen was in ihrem kleinen Herzen vorgeht , zwischen dem schönen , immer heitern , immer zur Freude gestimmten Schwärmer Kleonidas , und dem düstern , traurigen , gleich einem Schatten einherschleichenden , seufzenden und klagenden Schwärmer Kleombrotus , Vergleichungen anstellt , die nicht zum Nachtheil des erstern ausfallen ; zumal da der letztere so tief in seinen Gram versunken ist , daß er von dem allen nichts gewahr zu werden scheint . Kleonidas ist aus Gunst der Natur und der Musen zugleich Dichter und Maler , beides mit einem nicht gemeinen Talent , wiewohl ohne Anspruch auf eine Stelle unter den Meistern dieser Künste . Was ich ihm zu Cyrene von der schönen Lais sagte , brachte ihn auf den Einfall , seine Idee , wie diese Dame nach meiner Beschreibung aussehen müßte , in einem Bilde der Hebe , mit einer einzigen Farbe in der Manier des Zeuxis gemalt , darzustellen . Du vermuthest leicht , daß dieß Nachbild einer bloßen Idee , neben unsre Schönheitsgöttin selbst gestellt , der Divinationskraft des Malers keine sonderliche Ehre machte ; auch konnt ' ich ihn , sobald er die letztere selbst gesehen hatte , nur mit Gewalt abhalten , sein Bild ins Feuer zu werfen : aber , was uns alle in Erstaunen setzte , war , daß die kleine Musarion - der Hebe meines Freundes so ähnlich sah , als ob sie ihm dazu gesessen hätte . Natürlich veranlaßte dieß mancherlei Scherze , wobei die beiden betroffenen Personen die Miene hatten , als ob sie nicht übel Lust hätten Ernst daraus zu machen . Immer ist dieses Spiel des Zufalls , das einer sympathetischen Ahnung so ähnlich sieht , sonderbar genug . Verzeihe , Hippias , daß ich dich so lange bei einem Unbekannten aufhalte , der dich wenig interessiren kann . Aber ich hoffe , du wirst ihn persönlich kennen lernen , und es mir dann eher danken als übel nehmen , daß ich euch schon in voraus in Bekanntschaft mit einander gesetzt habe . Weniger gleichgültig wird dir auf alle Fälle seyn , zu hören , daß unser edler Freund Eurybates glücklich aus den Klauen seiner Lamia139 herausgerissen worden ist ; wenigstens noch zeitig genug , um nicht ganz von ihr aufgezehrt zu werden . Wirklich waren wir , Lais und ich , in sehr ernstlichen Berathschlagungen begriffen , wie wir dabei zu Werke gehen wollten , ohne daß sie sich zu mehr , als sie Willens ist , verbindlich zu machen scheinen möchte : als ein abermaliger Zufall , oder vielmehr Eros , der wirklich ein ganz besonderes Spiel mit uns Aegineten treibt , uns auf einmal aller weitern Mühe überhob , die Sache zu einem glücklichen Ende zu bringen . Du erinnerst dich ohne Zweifel noch der schönen Droso , einer von den drei Grazien unsrer Freundin , - wie wir ihre drei gewöhnlichen Aufwärterinnen zu nennen pflegen , seitdem sie von mir zu dieser Würde erhoben wurden . An einem dieser letzten Abende führte uns Lais an das Ufer einer stillen kleinen Bucht , die an einen Theil ihrer Gärten anspült , um uns das Vergnügen des Fischens mit der Angel zu