Poet ein ganz andere Kerlen als ein klein Minister . « » Und von welchem seiner Werke redeten sie denn ? « » Ah , das war ein verfluckter Streicken . Wollte sie vor Tischen noch fragen , was der Kerlen eigentlick hat geschrieben , und nun sitzen ick da und kann mir partout nix erinnern . Aber zum größten Glücken fallt mir noch ein : Die Braut von Messina . « So verlief die herzogliche Tafel und das Gespräch , das ihr folgte . – Marwitz kommt auch noch anderwärts auf Blumenstein zurück und urteilt im ganzen sehr günstig über ihn . Er war lebhaft , geistreich , unterrichtet und ganz und gar Franzose , trotzdem er es abgeschworen hatte , es zu sein . Er wollte nie französisch verstehen , wenn ( bei der Blockade von Glogau ) Parlamentäre von der Festung her erschienen , und sagte dann immer : » Ick bin ein Deutscher ! Ick verstehe den verfluckten Kerlen ihre Sprake nick . Wollen sie mit einem deutschen Offizieren reden , müssen sie lernen deutsch . « 37 Es mag an dieser Stelle hervorgehoben werden , daß Goethe hinsichtlich seines einzigen Sohnes ( August ) ebenso fühlte und handelte . November 1813 trat der Herzog von Weimar zu den Verbündeten über und erließ einen Aufruf . Goethe , den die politischen und kriegerischen Vorgänge der Zeit ohnehin in fieberhafteste Unruhe versetzt hatten , geriet in eine doppelte Aufregung , als , infolge dieses Aufrufs , sein Sohn August sich zu den Waffen meldete . Er liebte den Sohn über alles und der Gedanke war ihm unerträglich , ihn in der Blüte der Jugend auf dem Schlachtfelde zu verlieren . Deshalb wandte er sich persönlich an den Herzog und wußte es durchzusetzen , daß August nicht vor den Feind kam , sondern nur auf kurze Zeit mit dem Kammerrat Rühlemann in das Hauptquartier zu Frankfurt a. M. entsendet wurde . Dieses Eingreifen eines allzu zärtlichen Vaters soll ( wie Holtei im vierten Bande seiner » Vierzig Jahre « behauptet ) den Grund zu August von Goethes seelischer Zerrissenheit gelegt haben . Denn als , nach glorreichen Taten , die Sieger später wieder in Weimar einkehrten und auch August von Goethe sich unter die Beglückwünschenden drängte , habe er überall nur spöttische Zurückweisung gefunden . 38 Jetzt sehr anders geworden . Die Garden sind im ganzen genommen noch um einen Grad affabler und umgänglicher als die Linie . Kann auch kaum anders sein . Es zeigt sich dabei der Einfluß der großen Stadt , die jedem seine Stelle gibt und auch dem Selbstbewußtesten Bescheidenheit predigt . 39 In einer Nachschrift obigen Briefes findet sich , übrigens ohne jeden Zusammenhang mit dem vorstehend Erzählten , eine Bemerkung , die , um ihrer selbst willen , hier stehen mag . » Ich ersah aus Deinem Briefe , daß ich wegen der Du Troussel anfragen und namentlich auch bei unserer guten Kolonie-Manon Erkundigungen einziehen soll . Ich habe es aber unterlassen , weil es bei den Kolonisten ein für allemal Sitte ist , alles zu loben , was zur Kolonie gehört . « ( Jetzt nicht mehr ; tempi passati . ) 40 Zu dieser Anklage war der alte Friedrich Leopold von Hertefeld nur zu berechtigt . Es kam vor , daß die gute Sitte nicht bloß verletzt , sondern in einer gewissen infernalen Freude geradezu brüskiert wurde . So findet sich in einem späteren Briefe das Folgende : » Geheimrat Graun ( er arbeitet am Appellhofe des Kammergerichts ) hat vor einigen Tagen einen öffentlichen Skandal gegeben . Er soupierte bei Dallach , Unter den Linden , in Gesellschaft seines Sohnes , eines jungen Referendarius , und hatte zur Belebung der Tafelfreuden eine › freudige junge Person ‹ aus der Abtei der Madame Bernard mit eingeladen . Ihr Benehmen , in Sonderheit das des Alten , war derart , daß seitens der anderen Gäste Klage geführt wurde . Daraufhin ersuchte Dallach den Geheimrat Graun , › das Lokal , das für solche Dinge nicht da sei ‹ , zu verlassen , was aber nur zu schnöder Abweisung führte . Das wiederholte sich , als Polizei requiriert wurde , bis zuletzt ein höherer Beamter erschien und einen schriftlichen Befehl vorzeigte . Nun erst gehorchte der Alte . Der Sohn ( etwas klüger als der Vater ) hatte sich schon vorher aus dem Staube gemacht . Ich brauche nicht hinzuzusetzen , daß Kammergerichtspräsident von Braunschweig den Fall an den Justizminister gemeldet hat ; es bleibt aber traurig und unfaßlich , daß ein in Amt und Jahren stehender Mann einer solchen Auflehnung gegen Sitte und Gesetz überhaupt fähig war . « 41 Nach einer mir gewordenen Zuschrift muß es heißen : » den 27. Februar « . Ich lasse diese Zuschrift , die mir auch nach andrer Seite hin bemerkenswert erscheint , hier folgen . » Dieser Karl von Hertefeld ( so heißt es darin ) starb am 27. Februar 1867 und wurde den 3. März in dem am Ostgiebel der Kirche befindlichen Familiengewölbe beigesetzt . Die letzten von ihm geschriebenen Zeilen aus der Nacht vom 25. zum 26. Februar sind an mich gerichtet , und ich bewahre dieselben als einen Schatz . Ebenso werd ' ich den Sterbetag des von mir hochverehrten Herrn von Hertefeld , dessen Beamter ich von 1843 an bis zu seinem Tode war , immer als einen Trauertag ansehen . Ottermann , Rechnungsführer ; Priemern bei Seehausen in der Altmark . « – Es hat etwas Erquickliches dergleichen zu lesen , weil es Zeugnis ablegt , von einem in unsren alten Provinzen immer noch vorhandenen gesunden Sinn , der sich freimütig zu Dank bekennt , und die Ordnungen Gottes als das hinnehmend , was sie sind , auf Nivellierung und » Egalité « verzichtet . Jeder ist was an der Stelle wo er ist , wenn er überhaupt was ist . Bescheidenheit und Demut hindern keinen . 42 Von diesen zwei Fällen , in denen Angehörige des Hauses