vor der Rückkehr des Herrn Ackermann ließe sie Niemanden vom Hofe und sie müsse ihrem Dienst vorstehen bis nach ausgemachter Sache mit dem Herrn . Herr von Zeisel fand diesen Bescheid ganz in der Ordnung , lobte Fränzchen ' s tapfern Zusammenhalt ihres großen , ihr jetzt schon seit länger als acht Tagen ganz allein überlassenen Wirthschaftswesens , erkundigte sich voll Antheil nach der Rückkehr des Generalpächters , den Se . Durchlaucht mit einer unglaublichen Ungeduld erwarteten , und entließ Fränzchen mit dem Bescheide , daß die Magd ihr zu gehorsamen hätte bis zum Ablauf ihrer Dienstzeit und daß ihr wieder , nämlich der Liese Dammler oder Rammler , unbenommen bliebe , sich wegen etwaiger Ohrfeigen oder sonstiger Denkzettel von der Hand des Schreibers beim Generalpächter , im äußersten Falle einer satisfactio denegata , hier beim Amte Genugthuung zu holen . Fränzchen ging nun . Sie empfahl sich voll Artigkeit . Sie hatte die Pfarrerin am Fenster weinen sehen , sie wollte zu dieser Armen ... Die Magd aber polterte sich nun erst recht aus und wäre leicht nach Requisition Pfannenstiel ' s mit Gewalt entfernt worden , wenn Pax nicht , der den stummen Zuhörer und Beobachter eines ländlichen mündlichen Verfahrens abgab , auf gewisse höhnische Bezeichnungen des Schreibers aufmerksam geworden wäre und nach mehren leichthingeworfenen Fragen herausbekommen hätte , daß jener Schreiber wol längst seine Aufmerksamkeit verdient hätte . Die Liese nannte ihn gradezu einen Vagabunden , der sich schon im Heidekrug einmal für den Prinzen ausgegeben . Man horchte , man forschte , Herr von Zeisel kam auf die Zeit des Inkognitos Sr. Durchlaucht , der grade eintretende Pfannenstiel auf den Doppelgänger , den Besuch im Thurme , es fehlte nur noch der Name Dankmar Wildungen , um hier eine Identität herzustellen , die der überraschendste und glücklichste Fund war , der dem Oberkommissär nur gelingen konnte . Gensdarmen wurden sogleich gerufen , wurden instruirt , zum Ullagrund vorausgesandt , Pax folgte , begleitet von der jetzt plötzlich vom Sonnenschein der Huld begnadigten Liese Dammler oder Rammler ; Pfannenstiel staunte und rieb sich mehrere : War mir ' s doch immer mit dem Schreiber ! hinter den Ohren heraus ; Herr von Zeisel lief zu seiner Frau und theilte ihr eine wunderbar überraschende Möglichkeit mit , die tausend andre Möglichkeiten in sich schloß . Der Schreiber beim Generalpächter Dankmar Wildungen ? Der Freund des Prinzen auf den Gütern des Prinzen verborgen ? Aber mein Gott , wie ist Das nur ? Herr von Zeisel fühlte , daß hier besonders zwei Möglichkeiten waren , entweder der Miskredit des Generalpächters als eines Flüchtlinghehlers oder wiederum eine furchtbare Bêtise seinerseits , indem er einen Flüchtling aufstöberte , der , weil er einst der Freund des Fürsten war , von diesem selbst in alter Anhänglichkeit grade bei den Seinen am sichersten verborgen bleiben sollte ... Frau von Zeisel fühlte dieselbe entsetzliche Alternative , sah das Grauengespenst einer neuen aufsteigenden Dienstgewitterwolke und erholte sich nur erst durch die Einladung , die eben vom Schlosse kam : Heut ' Abend um acht Uhr Thee . Die Liste des gallonirten Lakaien , die sie sich zeigen ließ , war so lang , daß sie vor Erwägung ihrer Toilette nun keine andern Gedanken mehr hatte als die : Wie vertret ' ich mich und die Nutzholz-Dünkerkes ! Geh ' mir weg , Zeisel , mit deinen Bedenklichkeiten ! Ich habe für mich und meine Geburt zu sorgen ! Fränzchen aber , in ihren um das Leid des Adoptiv-Vaters , den sie seit dem Frühjahr gefunden , noch nicht abgelegten Trauerkleidern , genug auch trauernd im Herzen über Anlaß und innere Folge dieses äußeren Glückes , wandte sich während dieser Enthüllungen und ihrer gefährlichen Folgen zum Pfarrhause , wo sie am Fenster unter den schon herbstlich welken Linden Thränen gesehen hatte . Sie wußte , was diese Thränen bedeuteten . Es that ihr wohl , als sie eintretend und von dem Leide dieser Frau beginnend von ihr aufgefordert wurde , um der Kinder Willen mit ihr hinauszugehen in den Garten . Dieser Garten lag am Friedhofe . Sonst hatte Guido Stromer hier Rosen geschnitten für Melanie Schlurck , die ihn auf dem Gewissen hatte , den unglücklichen , aus Rand und Band gekommenen Genius . Noch blühten Astern , da und dort dunkle Georginen , trauernde Blumen des Scheidens und des Lebewohls , noch einmal zusammenfassend alle bunten Farben des Frühlings , kaleidoskopisch durcheinander würfelnd von jeder Blume Etwas , aber duftlos , keine ganzen Veilchen , keine Maiblumen , keine Rosen mehr ... Alle hatten dies Ende des Stromer ' schen Hauses kommen sehen nach Dem , was man vom wildgewordenen Guido erfuhr . Nun war es da und es kam so grausam wie doch unerwartet . Was hätte die Frau nicht vergeben , vergeben um diese Kinder ohnehin , vergeben auch um sich ! Sie wußte , wie wenig sie Guido bot , sie hatte immer gelitten unter dem Schmerz , daß ein Ehrgeiziger sich in ihrer Wahl vergriff und daß die Quellen seiner höhern Erquickung ihr nicht entströmten . Warum aber so enden , so gewaltsam , so grausam ? Stromer hätte selbst am liebsten die geräuschloseste Trennung gewünscht . Er hatte wirklich einen Schwall von glänzenden Worten dem Weibe geschrieben von der unwiderstehlichen Macht des Berufes , dem innern Orakel , dem Dreifuß der Sibylle , die über dem hohlen Herzen throne , er hatte sich mit dem heiligen Patriarchen verglichen , der auf Gottes Geheiß Hagar in die Wüste sandte , hatte seine Kinder eine Ismael-Bürde der Mutter genannt , hatte von der Feigheit des Entschlusses gesprochen , an der sein ganzes Dasein gekränkelt , von dem Geyer des Prometheus , der einzig und allein einen Titanen strafen könne , und dieser Geyer wäre die auch ihm gewiß noch einst kommende Reue , - die Reue hacke wahrhaft dem Großen die Leber aus , daß es nicht leben , nicht sterben könne , - noch aber fühle er sie nicht ,