, schwarzen Beinkleidern , schwarzen Strümpfen und Schnallenschuhen ... Der Kutscher hatte schon eine Karte in Bereitschaft , die dem Diener zur Anmeldung des Besuches übergeben werden sollte ... Zugleich bat er um Hülfe , den Kranken aus dem Wagen zu schaffen ... So wie er da läge il povero , brächte er ihn dritto aus Genua ... Miracolo ! setzte er mit beredsamem Blick hinzu - er brächte einen Mann , der nur durch ein Wunder noch lebte ... Benno , bleich , mit blassen Lippen , starren Gliedern , auf einer halb zum Sitzen , halb zum Liegen eingerichteten Matratze , hörte und sah alles , was sein Führer trieb , aber er schwieg ... In der That schien er an den äußersten Grad der Erschöpfung angelangt ... Noch manches Jugendliche hatte sich in seinen Zügen erhalten ... Schmächtig und mager schien er geblieben , aber sein Haupthaar war fast grau , wie der mächtige Bart hier und da von gleicher Farbe ... Geronimo , der Kutscher , erzählte den sich schon mehrenden Dienern , zu denen sich Priester gesellten , der Kranke hätte in Rom einen Schuß in die Brust bekommen und die Kugel säße noch fest ; die Aerzte hätten behauptet , der Verwundete würde , nachdem die Anstrengungen der Flucht von Rom nach Genua ihn schon dem Tode nahe gebracht , eine weitere Reise schwerlich überstehen , aber nichts hätte ihn abbringen können , seinen Transport bis nach den Thälern von Piemont zu verlangen . Ihn selbst zwar hätte das Hospital gemiethet und ihm als Ziel seiner Reise nur Nizza genannt . Daß es Coni und dort das erzbischöfliche Palais sein sollte , erfuhr Geronimo erst vom Verwundeten selbst in Vintimiglia . Dieser konnte die Arme nicht bewegen , konnte keine Briefe schreiben - sie aber von andern schreiben zu lassen , hätte er abgelehnt . Niemand sollte erfahren , wohin seine Reise ging . Selbst im Spital hätte man sein wahres Ziel nicht wissen sollen ... Wenn der Verwundete jedem die Fährte der Nachfrage nach ihm abschneiden wollte , so war es wol die natürliche Lage eines politischen Flüchtlings ... Schon wurde Benno emporgehoben und auch die Schildwache griff mit an ... Der Leidende überwand die Schmerzen , die ihm diese Bewegungen zu verursachen schienen ... War doch die Sehnsucht seines Herzens erfüllt , die letzte Freude seines Lebens gewährt ... Geronimo hatte recht berichtet - Benno wollte allen denen , die noch an seinem Leben Interesse haben konnten , selbst seiner Mutter , verborgen bleiben ... Deshalb vertraute er selbst dem Spital in Genua nichts über seine Absichten , am wenigsten der Post - ... Und selbst die Feder zu führen , verbot ihm sein Zustand ... Still in Bonaventura ' s Armen zu sterben , war alles , was er vom Leben noch begehrte ... Diesen hoffte er zu finden , auch ohne sich ihm angekündigt zu haben ... So kam es , daß ihn hier niemand erwartete ... Die Diener jedoch , auch wenn sie den Namen » Cäsar Montalto « , der auf der Karte stand , nicht zu deuten gewußt hätten , thaten darum nicht befremdet ... Was sollte nicht bei ihrem Herrn ein Sterbender seine letzte Zuflucht suchen können - ! ... Noch war der Fremde nicht bis an die große Marmortreppe getragen worden , als auch schon von oben her , gefolgt von Priestern und Dienern , der Erzbischof in seinem wallenden Hauskleid , einem priesterlichen Rock mit violettem Ueberwurf und goldener Kette , in athemloser Hast erschien , sich über den unglücklichen Freund warf , ihn in beide Arme schloß und unter Thränen an sein Herz drückte ... Mein Bruder - ! rief er unausgesetzt ... Mehr konnte nicht von seinen Lippen kommen - und Mein Bruder ! Mein Bruder ! hatte er auf der Stiege schon , abwechselnd in deutscher und in italienischer Sprache , gerufen ... Italienisch , um seine Umgebungen über den Anlaß eines so außergewöhnlich großen Schmerzes und sein Verlassen aller Formen der Etikette , die in diesem Hause waltete , gebührend aufzuklären und sie aufzufordern , in seine Trauer miteinzustimmen ... Das Bedürfniß , zu helfen , drängte nun sofort jede andere Empfindung zurück ... Schon wurden die ersten Aerzte der Stadt gerufen ... Schon hörte man oben Thürenschlagen , ein emsiges Rennen , ein Klopfen und Hämmern , um Zurüstungen für ein Lager zu treffen ... Das ganze , nur von Priestern bewohnte Haus war in Bewegung ... Die Worte : Wie konntest du in diesem Zustand eine solche Reise unternehmen ! kamen nur halb von Bonaventura ' s Lippen ... Laßt ! bat der Majorduomo , ein stattlicher Herr mit einer silbernen Kette auf der Brust und wehrte der Ueberzahl der helfenden Hände ... Nach Benno ' s Wunsch leitete dieser dann allein den Transport ... Auch für den Erzbischof war Sorge zu tragen ... Am eisernen Geländer der mächtigen Treppe hielt er sich mühsam aufrecht ; anfangs vermochte er den Männern , die Benno hinauftrugen , vor physischer Schwäche nicht zu folgen ... In meine Schlafkammer ! war alles , was er zu sagen vermochte , und wieder doch zum Kutscher mußte er sich wenden , der auf die Anrede des Majorduomo , woher sie kämen , vor dem Erzbischof sein Knie beugte und Segen - und Trinkgeld begehrte ... Ohne den Auseinandersetzungen Geronimo ' s , so wichtig sie ihm waren , länger zuzuhören , riß der Erzbischof unter seinem Ueberwurf sein Almosenbeutelchen hervor und reichte dem Knienden den ganzen Inhalt ... Jetzt raffte sich der Erzbischof auf und schwankte am Geländer der Stiege entlang ... In den hohen weiten Sälen des ersten Stockwerks standen alle Thüren geöffnet ... Die letzten Abendsonnenstrahlen beleuchteten die kostbaren Tapeten von Seide , die bunten Malereien , die sich sein Vorgänger Fefelotti für die kurze Zeit seines Verweilens in diesen Räumen hatte anfertigen lassen ... Die Fußböden waren parquettirt ... Die Wände starrten von Bronze und Krystall ... Die Wohnung eines