um ihn her in Ruhe schlummerten . - Hatte es also zehn Jahre und erst des Todes seiner Mutter bedurft , um seinen ganzen innern Menschen so mächtig aus einem Zustande der Lethargie zu erwecken - ! ... Terschka stand eine Weile vernichtet , bis er sich sammelte ... Endlich erhob er trotzig sein Haupt , das nun schon durch die Jahre eine natürliche Tonsur trug , griff in die Tasche - gab dem Diener ein Trinkgeld und ließ sich im Gehen erzählen von den Bewohnern des Schlosses , vom Tod der Gräfin , vom morgenden Fest in Coni , von den Ueberraschungen für den Erzbischof , von den Reiseplänen des Grafen , von der dem Obersten hier schon gegebenen Stellung , von Monika ' s Reformen , von Armgart ... Auch von Federigo ließ er den Diener plaudern , vom Einsiedler , der noch im Silaswalde leben sollte , nachdem er in die Hände der Räuber gefallen , aus denen ihn Frâ Hubertus - wie alle Welt erzählte , mit Hülfe seines Hundes , des treuen Sultan - errettet haben sollte ... Terschka forschte mit kurzen Fragen diesem unheimlichen Namen nach , forschte Allem , was von Franz Bosbeck , seinem ehemaligen Retter , den die Nemesis schon zum Richter über Jan Picard gemacht , im Volksmunde hier bekannt war ... Auch Frâ Hubertus mit dem Todtenkopf sollte noch leben ... Er erstaunte - künstlich ... Alles , was er hörte , war ihm schon bekannt - ... Frost durchschüttelte seine Glieder - Jetzt erst warf er des Dieners Mantel um , den er bisher überm Arm getragen hatte , und bat um die Angabe eines kürzern Weges , um ins Thal und dort zum Pfarrer zu gelangen ... Der Wind hatte aufgehört ... Regenströme ergossen sich ... Noch schützten ihn und den Diener hier und da die Bäume der Alleen ... Sie umgingen das geheimnißvoll nächtlich schlummernde Schloß ... Eine Weile sah es Terschka mit dem Blick verzweifelnden Neides an ... Dann fragte er den Diener , ob er sich auch der Gräfin Sarzana erinnern könnte ... Auch von ihr ließ er sich einiges erzählen ... Den im spottenden Ton gemachten Bericht über diesen Besuch unterbrach er mit den dumpf vor sich hingesprochenen Worten : Auch sie - ist in Rom ! ... Terschka befahl jetzt dem Diener , ihn allein zu lassen ... Den Mantel sollte er morgen vom Pfarrer im Thal abholen ... Es war über die elfte Stunde - rings stichdunkel ... Durch ein labyrinthisches Gewinde von Gärten , über schwellend brausende Bäche - endlich an einem malerisch gelegenen Friedhof mit unheimlich blitzenden Kreuzen vorüber erreichte er das Pfarrhaus San-Medardo ... Aus einem geöffneten Fenster , wo noch Licht brannte , begrüßten ihn die heisern Worte : Ecco ! Ecco ! Al fine venuto ! ... Sie kamen von Pater Speziano und klangen wie die Beruhigung eines angsterfüllten Kerkermeisters , dem ein entflohener Gefangener endlich wiederkehrt ... Fußnoten 1 Thatsache . 2 Monsignore Charvaz , Bischof von Pignerol , warf sich Karl Albert von Sardinien zu Füßen , um ihn von seinen Begünstigungen gegen die Waldenser zurückzuhalten . 3 1847 . 4 Vor einiger Zeit so zu Münster in Westfalen geschehen . 5 Thatsache . 6 Der den Verrath leitete . 7 Gaisruck . 8 Sturla ' s eigene Worte . 9 Thatsachen . 10 Kommt in Jesuitenhäusern vor . 6. Als derselbe Tag noch goldensonnig am unbewölkten Himmel geleuchtet hatte , fuhr ein kleiner , mit Staub bedeckter Halbwagen langsam auf der Landstraße zwischen der Stura und dem Gesso dahin , zweien Bergströmen , die hinter Robillante in ihrem Lauf miteinander wetteifern ... Um die Dämmerung gelangte das kleine Gefährt an die Thore einer Stadt , die in frühern Jahrhunderten stark befestigt gewesen sein mußte ... Noch erhoben sich in dem alten Cuneum Römerthürme ; noch erstreckten sich rund um die Stadt zackige Mauern und tiefe Gräben ... Die Straßen Conis , einer 15000 Einwohner zählenden Stadt , waren am südlichen Thor eng und düster , aber belebt von einer schwatzenden , muntern Bevölkerung , wie sie in Italien der Abend auf die Gasse lockt ... Kinder , Frauen , Greise , nichts bleibt dann daheim im geschlossenen Raume ; selbst die unterste Volksklasse sitzt in Hemdärmeln , Manchesterjacken , Blousen vor Kaffeehäusern , raucht , trinkt , schwatzt , streitet über die Tagesneuigkeiten , für deren Kunde ein einziges Zeitungsblatt ausreicht , da unter zwanzig meist nur einer lesen kann ... Gesang ertönte ... Drehorgeln durchkreuzten sich in ihren Melodieen ... Der Kutscher erfuhr in dem Lärm erst von Andern , daß hinter ihm sein Passagier nach ihm verlangte ... Er wandte sich theilnehmend ... Coni ist eine ansehnliche Stadt ... Aber die schlechtgepflasterte Straße mußte dem Passagier , der ausgestreckt im Innern der Halbchaise lag , empfindlich werden ... Der Kutscher erfuhr , er sollte langsamer fahren ... Zugleich wurde nach dem Palast des Erzbischofs gefragt und von einem Dutzend Stimmen die Antwort ertheilt ... Man begleitete den Wagen , der einen Kranken führte ... Es war ein todtbleiches , männlich gefurchtes Antlitz mit vollem wilden , hier und da ergrauten Bart ... Benno war damals ein Mann von vierzig Jahren ... Die Straßenjugend folgte dem Wagen , der auf einen großen Platz einbog , einen Exercirplatz , wie es schien ; rings war das mächtige Quarrée mit duftenden Lindenbäumen besetzt ... Nicht zu entfernt von einer stattlichen Kirche lag hinter einem gegitterten Vorhof ein großartiges Gebäude , vor welchem der Kutscher in seinem weißen Hute , seiner braunen Jacke , seiner rothen Halsbinde ebenso sicher anfuhr , wie der Führer einer sechsspännigen Carrosse ... Er wußte ja , daß er dem Erzbischof einen theuren Verwandten brachte ... Ein Carabinier mit gezogenem Säbel hielt vor der hohen Eingangspforte des Palastes Wache ... Er deutete auf die Klingel , die der Kutscher , der schon abgesprungen war , nur anziehen sollte ... Ein Diener erschien ... In einer Art Livree von schwarzem Frack