wurden ... Er fuhr auf , als er Fußtritte hörte und die beiden Diener sah , die gefolgt waren und jetzt näher kamen , um die Mäntel anzubieten ... Mechanisch nahm er den einen und bot Terschka den andern ... Dieser nahm ihn schnell , nur um die Diener zu entfernen ... Lebhafter und lebhafter drängte er auf Entscheidung ... Er schilderte alles , was er wünschte , als ein Facit von Umständen , die gebieterisch gegeben wären ... Der Graf lauschte der Glocke unter den Bäumen , die die heftigen Windstöße in Bewegung erhielten ... Der ungleiche Klang war wie die unregelmäßigen Athemzüge einer von Angst bedrängten Seele ... Das Bild der sterbenden Mutter stand dem Sohn vor Augen ... Ihr Wort : » Du wirst dem Thiere folgen ! « , ihre Bitte für diese Glocke , ihre Bitte für den jetzt schon in so wilder Störung begriffenen Frieden dieses einsamen Ortes sprach ihm aus dem Wehen jedes zitternden Blattes ... Lassen Sie , Terschka ! schnitt er jetzt , wie aus Träumen erwachend , alle Vorstellungen ab , die ihm dieser im Ton einer unverstellten Verzweiflung machte - Es war eine Proselytenwerbung so eigner Art , wie sie auch nur durch Jesuiten veranstaltet werden konnte ... Keine Salbung , keine Ueberzeugung - eine Sache nur der Etikette und der praktischen Psychologie ... Der Graf widerstand ... Dort hinaus führen Sie meine Diener auf kürzerm Weg nach San-Medardo zurück , sagte er ... Was die Zukunft bringen wird , weiß ich nicht ... So , wie Sie es begehren , Terschka , wird und kann es nicht sein ... Graf ! flehte Terschka ... Ist das Ihr letztes Wort ... Mein letztes , Terschka ! Mein Inneres - Sie haben es errathen - ist zerrissen und unglücklich ... Noch weiß ich nicht , was werden soll und ob ich länger mein Loos ertrage ... Ich liebe - mein Weib ! ... Aber Ihr Auskunftmittel - - Weiß ich doch kaum , ob die Gräfin gerade dies noch begehren würde - ! ... Graf , um so mehr ! fiel Terschka ein . Allbekannt ist die Gesinnung des Erzbischofs ... Auch die Gräfin , sie , die einst eine Seherin war , erkaltete in ihrer alten Glut und Andacht für den Glauben ... Es ziehen Gefahren für Ihren Freund herauf , denen er jetzt erliegen dürfte , jetzt , wo die Richtung der Zeit sich ändern wird ... Verachten Sie meinen Beistand nicht - auch ein Sturla kann mich kennen lernen ... Aber nehmen Sie mich wieder auf ! Schützen Sie mich durch Ihren geheimen Uebertritt ! Ich lenke alles , was Ihr Herz , Ihre Natur , das Glück Ihrer Freunde verlangt ... Und Monika , selbst den Obersten gewinn ' ich - pah durch einen einzigen Tag ... Selbst Armgart soll nicht vor mir entfliehen ... Ich bin ja - ein Greis - alt - ich entwaffne halt jeden durch meine Ergebung - durch meine Demuth ... Graf , zum letzten mal , ich , ein Abtrünniger , rettungslos Verlorener , ich darf mit einem großen Zweck leben , wie und wo ich will - ich darf mit den Waldensern gehen - Protestant scheinen ... Nur besuchen Sie die Messe in Coni , in Robillante - wo Sie wollen - man liest sie Ihnen geheim ... Dann gehen wir zuletzt alle nach Wien - Ihre Gattin folgt - Ihr erstes Kind wird auf einen Heiligen getauft - Das ist die Sprache der Welt , der gesunden Vernunft , der Verhältnisse , in denen Sie leben , die Sprache des Trostes , der Erhebung für - die Gräfin selbst - ... Der Graf schüttelte den Kopf und entgegnete : Ein Abschied fürs Leben ... Wir sehen uns nicht wieder - ! ... Haben Sie Mitleid mit mir - ! rief Terschka ... Die Glocke schlug unausgesetzt ... Die Bäume rauschten im Sturme ... Die Natur war im Aufruhr ... Der Graf ging jetzt und wie auf der Flucht ... In französischer Sprache rief ihm Terschka nach : Graf ! Ich beschwöre Sie ! ... Sie werden es einst aus eigenem Antriebe thun ... Thun Sie ' s jetzt um mich , um Ihren alten - treuen - unglücklichen Freund ! .. Die Glocke tönte ... Mit hellen , mit klagenden , mit stärkeren , mit schwächeren Klängen ... Noch einmal wandte sich der Graf zu Terschka , wartete , bis dieser näher kam , bot ihm die Hand und sagte ihm ein letztes Lebewohl - ... Unsere Wege sind getrennt , setzte er hinzu ... Erde und Himmel können vielleicht für mich bürgen und für das , was ich thue oder lasse , Sie nicht mehr ... Das sag ' ich alles ohne Groll , Terschka , ohne Sie kränken oder verurtheilen zu wollen ; ich urtheile , Sie wissen es , über Menschen überhaupt nicht ; lassen Sie alles wie es ist ... Beschütze Sie jetzt der Himmel , Terschka ! ... Sans adieu ! Sans adieu ! ... Der Graf schritt mächtig zu , gleichsam - um dem drohenden Unwetter zu entfliehen ... Auch begann es in der That zu regnen ... Ein Diener blieb bei Terschka in dem wildbewegten Eichenhain zurück ... Der Graf sah sich nicht mehr um ... Ohnehin ging es bergab ... Er eilte wie jetzt selbst vom Sturm ergriffen ... In einer halben Stunde hatte sein Fuß das Schloß erreicht ... Die Frauen wachten noch ... Aber er wollte ihnen nicht die Nachtruhe nehmen durch die Mittheilung über Benno ... Sein Mund blieb auch dem Obersten noch geschlossen über alles , was er gehört ... Sein Auge durchwachte aber die ganze Nacht und sein Ohr vertausendfachte ihm alles , was er vernommen ... Die grünen sturmbewegten Wipfel der Eichen rauschten um ihn her wie ferne Donner ... Der Geisterton der klagenden Glocke wurde eine Mahnung , als bedrohte eine Feuersbrunst die Welt und - vor allem die theuersten Menschen , die