ersten Bundestag halten . Am Ufer eines majestätischen Stromes erhebt sich , in der Nähe des Königlichen Schlosses Buchau , ein bewaldeter Bergesrücken , auf dessen Mitte der Tempelstein eine Warte des schon staunenden Reisenden ist ! Schon erheben sich Mauern und Thürme . Arkaden verbinden die Höfe , die vom Schutte gereinigt sind und neu wieder sprudelnden Quellen Raum lassen mußten . Die Sommerhalle und die Winterhalle harren schon des wohnlichen Schmuckes , den ich in Belgien , Holland , am Mittelrhein und in Franken für sie fertigen lasse . Parkanlagen schafft ein königlicher Gärtner , er weiß es nicht , welche Orakel unter diesen Bäumen gesprochen werden sollen . Rodewald , es war schön unter Ihren rothbraunen Urwaldsbäumen ! Aber es ist schöner , sich einen Garten zu zaubern , wo uns nicht Wilde , höchstens die Häscher der weltlichen Hermandad überfallen können . Komme , was kommen mag ! Ich eröffne im nächsten Jahre zum September Nachts um zwölf Uhr meinen Tempelstein . Unten an meiner interimistischen Wohnung melde sich wer kommen will , Ritter oder Knecht , Mönch oder Laie , vermummtes Visir oder offnes , eine Reiterstandarte in der Hand oder eine Oriflamme oder eine Orlogsflagge ! Von meiner untern Villa schreitet man über eine Brücke , die ich zwischen zwei Abgründen aufführen lasse mit hochgeschwungenen Bögen , dem Untenwandelnden scheinen sie ein Thor . Dann hinauf zur Burg ! Die Zacken , die Mauern , die Verzahnungen sollten Sie sehen , die unter hundert hämmernden und klopfenden Händen schon aufwachsen ! Die Säulen dann umwunden mit Kränzen , von Altane zu Altane Guirlanden wie zu einem Sängerkriege , die Fahne mit dem vierblättrigen Kleeblatt hoch vom Söller wehend ... Sie lachen ? Genug Meister Harry ! Vorläufig fühl ' ich mich nur verpflichtet , für den Komfort dieser neuen Institution zu sorgen und es den Geistern der alten Ritter , die bei uns zur Nacht speisen werden , auch nach Rumohr ' s Geist der Kochkunst bequem zu machen . Sorgen Sie nur dafür , daß Dankmar endlich sein Arkadien bei Ihnen aufgibt und sich an die Sicherheit der Grenze begibt , die mein Tempelstein fast selber ist . Auf waldiger Höhe , zugänglich nur den Schmugglern und Grenzwächtern , liegt eine einsame Grenzhütte , bewohnt nur von einem Greise in weißem Bart ! Halte man ihn für einen Verwandten Rübezahl ' s oder einen Gnomen andrer Seitenlinien , der Alte vom Berge empfängt Besucher , deren Namen nur in Steckbriefen zu lesen . Dankmar wird von dem Greise längst erwartet ; längst hat er das Wort , das ihm oben an der Tannenhütte Einlaß verschafft bei ' m Alten am Kaffeetopf , den er immer sieden hat , man sagt , um den fernen Gästen durch den Rauch die fast unzugängliche Lage der Hütte zu verrathen . Es ist Zeit , den Alten mit dem Wort aufzujagen und Dankmar ' n alle kleinen Bequemlichkeiten zu verschaffen , die die Gäste der Hütte vom Tempelstein geliefert erhalten . Sie sollten unsre kleine romantische Existenz dort unter den Eulen und Füchsen kennen ! Ich nehme Abschied , weil meine Anwesenheit dort nöthig wird ; ich reise , um die Zimmer zum Empfang der Baronin Dystra herzurichten . Rodewald würde schon , gedrängt von diesem neuen Beweis der wachsenden Idee des Bundes , beruhigt über Selma ' s nächste Zukunft und Anna ' s sorgfältig mit ihm besprochenen weitern Bildungsplan der Tochter , zurückgereist sein , hätte ihn , nach einem Besuche bei dem in Trauer um Selma ' s ihm abgewandtes Herz vom Ullagrund geschiedenen und in Liedern und dem schwersten Lebensberuf sich tröstenden Oleander , nicht Murray gefesselt , den er zu seinem wunderbarsten Erstaunen von Dystra als jenen todtgeglaubten Morton bezeichnen hörte . Sie leben , alter Freund ? rief er Murray zu . Sie leben als Geizhals in dieser Mördergrube ? Sie stellen sich todt , um von Ihren Verwandten bei Ihrer Rückreise nicht geplündert zu werden ? Was treiben Sie hier ? Wer ist um Sie ? Wer sorgt für Sie ? Erfuhren Sie , daß ich Ihr Geld richtig abgegeben , an Menschen , die sie für Ihren Bruder erklärten ? Sind Sie der Bruder jenes Schmieds , der von der Hand eines Fremden tödtlich getroffen wurde ? Und Sie waren wirklich selbst dieser Fremde , Sie selbst das Werkzeug dieser Strafe , die einen Menschen traf , der , wie Louis Armand beschworen hat , eben die eigne Schwester tödten wollte ? Sie heißen Friedrich Zeck , nicht Morton , nicht Murray , wie ich nicht Harry , nicht Ackermann , sondern Rodewald ? Die Folge dieser Begegnung , die Wirkung dieser Fragen war für Murray , der an einer Kupferplatte saß und wie aus Träumen auffuhr , so furchtbar , daß sich zwischen ihm und Rodewald dieselben Stunden wiederholten , die im vorigen Herbst zwischen ihm und Louis Armand auf dem Schlosse von Hohenberg nur der Sturmwind , der an den Fenstern rasselte , die knisternde Flamme des Ofens , das singende Heimchen im siedenden Theetopf belauscht hatten ... Sie jener Rodewald , auf den Baron Grimm folgte ? sagte Friedrich Zeck fast sprachlos . Rodewald wußte nichts vom Baron Grimm ... aber was er von ihm , über und durch ihn jetzt erfuhr , ließ ihn schaudern . Diese Pauline ! rief es in ihm wie im wildesten Aufruhr aller Seelenkräfte . Und Ihr Sohn ? Ist gefunden ... Lebt ! Die Thür ging auf . Hackert trat ein ... Das ist er ! sagte der Vater , der ihn vor Rodewald nicht verläugnen wollte . Rodewald stand wie erstarrt . Er erkannte diesen blassen , jungen , verdrießlichen Mann . Er erkannte dies röthliche Haar , dies hellblaue Auge , dieses fragende , bittre Lächeln ... Es war der Gefährte von der Landstraße , der Nachtwandler vom Heidekrug ... Hackert erkannte auch den Fremden und grüßte ihn mit dem Scheine , als wollte er sagen :