vier Schlösser Golzow , Beuthen , Friesack , Plaue geschritten wurde , so daß er den Bedrängten keine Hilfe bringen konnte . Dadurch war die Widerstandskraft der Quitzowschen von Anfang an halbiert und schuf ihnen eine Niederlage , die , bei Vollzähligkeit ihrer Streitkräfte , vielleicht ausgeblieben wäre . Niemand erkannte dies klarer als der , dem der Sieg zugefallen war , und wenn Kaspar Gans in dem Entscheidungskampfe des frondierenden Adels auch nur gefehlt hatte , weil er , als Gefangener , fehlen mußte , so wird der Burggraf doch nicht gesäumt haben , ihm auch diesen Zufall zum Guten anzurechnen . 12 Woher die Bezeichnung Ketzer- oder plattdeutsch Kett ' r-Angermünde kommt , diese Frage hat seit mehr als einem Jahrhundert die märkische Geschichtsschreibung beschäftigt . Einige meinen , im 13. und 14. Jahrhundert hätten sich unter den Einwohnern von Angermünde viele Ketzer befunden andere meinen , Ketzer bedeute Kietzer , noch andere heben hervor , daß Ketzer ein Handwerksausdruck sei und bei den Wollarbeitern eine Spindel voll Garn bedeute . Ketzer-Angermünde kann also bedeuten : eine Ketzer-Stadt oder eine Kietzer-Stadt oder eine Tuchmacher-Stadt . Alle drei Annahmen haben etwas für sich und ich habe , der Reihe nach , jede einzelne für richtig gehalten , bin aber schließlich doch wieder zu eins zurückgekehrt und glaube jetzt : Ketzer bedeutet Ketzer in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes . Nach Gercken starben in Angermünde um 1336 vierzehn der Ketzerei angeklagte Bewohner den Feuertod . Es sollen Luciferaner , Anhänger des Bischofs Lucifer von Cagliari gewesen sein . Mir scheint es jetzt das Wahrscheinlichste , daß der Beiname der Stadt von diesem Vorgang her datiert . 13 Zwischen der den Douglas- und Percykampf behandelnden Chevyjagd und der den Kampf zwischen Markgraf Ludwig und Herzog Barnim behandelnden Cremmer-Damm-Ballade tritt eine große Verwandtschaft zutage , wie folgende Gegenüberstellung zeigen mag : Es ist nicht möglich , sich gegen die Wahrnehmung einer geradezu frappierenden Ähnlichkeit zu verschließen , die vor allem inhaltlich , desgleichen in Ton und Bau , zutage tritt und nur zu kleinem Teil aus der von derselben Hand herhörenden Übersetzung beider Balladen erklärt werden kann . Es ist mir ganz unzweifelhaft , daß man in Schottland entweder die pommersche oder in Pommern die schottische Ballade gekannt haben muß . Ist die pommersche Ballade echt , so muß sie die ältere sein , denn das Ereignis , das ihr zugrunde liegt : die Schlacht am Cremmer Damm , fällt in das Jahr 1334 , während das der englisch-schottischen Ballade zugrunde liegende Ereignis , die Schlacht bei Otterbourne , erst in das Jahr 1388 fällt . Bischof Thomas Percy , der Herausgeber der berühmten altenglischen Balladensammlung , die seinen Namen trägt ( Percy ' s Reliques of ancient english Poetry ) , setzt sogar die Chevyjagd noch um ein Jahrhundert später , in die Zeit Heinrichs VI. Und so hätten wir denn eventuell einen neuen Triumph altdeutscher Lied- und Balladendichtung zu verzeichnen . Aber freilich , ist die Cremmer-Damm-Ballade , die zuerst im Jahre 1765 auftaucht , echt ? Sosehr ich es wünsche , so kann ich doch Zweifel nicht ganz unterdrücken . Ihnen Ausdruck zu geben , ist hier nicht der Platz , ich würde mich aber freuen , mit einem Balladen-Sachkundigen , der außerdem des Plattdeutschen mächtig ist , also mit Männern wie Klaus Groth , Adolf Wilbrandt , Karl Eggers , Heinrich Seidel , in einen Meinungsaustausch über diesen Punkt eintreten zu können . Das plattdeutsche Original findet sich im 21. Stück der Greifswaldschen Nachrichten und daraus abgedruckt in Buchholtz ' Geschichte der Churmark Brandenburg Teil 11. S. 383 14 Engelbert Wusterwitz – so schreibt Dr. Julius Heidemann , dem wir auch den Ausdruck » die märkische Fronde « verdanken , in einem der Wusterwitzschen » Märkischen Chronik « geltenden Aufsatze – war in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu Brandenburg geboren und hatte sich für den geistlichen und richterlichen Beruf entschieden . Bald nach dem Jahre 1400 befand er sich in Rom » im Dienste von Kardinälen « und war hier Zeuge der feierlichen Huldigung , welche die Römer im November 1404 dem eben erwählten Papste Innocenz VII. darbrachten . Schon in den nächsten Jahren muß er nach Brandenburg zurückgekehrt sein und fungierte hier als Mitglied eines Schiedsgerichts , das berufen war , einem zwischen dem Abte Stich von Lehnin und Johann von Quitzow über den Besitz der Havel bei Schloß Plaue entstandenen Konflikt gütlich beizulegen . Von 1408 bis 1415 ist seine Chronik am inhaltreichsten und ihre Darstellung so voll Leben und Anschauung , daß man annehmen muß , er habe gerade diese Zeit dauernd oder vorwiegend in seiner Vaterstadt Brandenburg verbracht . Die Stellung , die er hier einnahm , war aller Wahrscheinlichkeit nach die eines geistlichen Richters . 1412 , beim Erscheinen des Burggrafen Friedrich in der Mark , scheint er in Berlin gewesen zu sein . Bald nach dem Sturze der Quitzowschen Partei wurde Wusterwitz , auf Grund seiner praktischen Tüchtigkeit als Jurist , von der Stadt Magdeburg zum Syndikus ernannt . Die Magdeburger Schöffenchronik bemerkt : » daß die Stadt Magdeburg 1418 beim königlichen Hofgericht in einen Prozeß verwickelt worden sei und mit der Führung desselben ihren Syndikus Engelbert Wusterwitz von Brandenburg betraut habe , welcher dem Hofe nach Regensburg in Bayern , nach Ungarn , Schlesien und Böhmen gefolgt sei und ein obsiegendes Erkenntnis erstritten habe « . 1420 war er noch in Magdeburg 1424 aber finden wir ihn in amtlicher Tätigkeit ( vielleicht ebenfalls als Syndikus ) in seiner Vaterstadt Brandenburg wieder . Nach Hafftiz wäre er schon 1409 , lange bevor er nach Magdeburg ging , Domherr zu Brandenburg gewesen . Hier verblieb er während seiner letzten Lebensjahre , fand Muße zur Abfassung seiner Chronik ( Diese berühmte Chronik , der wir , mit Rücksicht auf die Quitzowzeit , das meiste , ja , fast ließe sich sagen , alles verdanken , ist im Original verlorengegangen . Wir kennen sie nur aus Auszügen , die 1592 Andreas Angelus in