müssen , an die Rückkehr zu denken ... Immer mehr und mehr verstärkte sich der Wind , der von den Bergen wehte ... Die schwanken Wipfel der Bäume ließen Raum hier und da zu Durchsichten , wie in einem kunstvoll angelegten Park ... Die Wanderer gingen einen Bach entlang , der behend unter den jetzt hin-und hergepeitschten Blütenbüschen dahinschoß ... Nur allmählich erhob sich die grüne Bergwand ... Schon war die Einsiedelei Federigo ' s in der Nähe ... Eine Gruppe der mächtigsten Eichen stand auf der Höhe so dicht beieinander , daß ihre Baumkronen von fern her zu einem jetzt im Winde den Einsturz drohenden Dach verwachsen schienen ... Ich war vor drei Tagen noch in Genua , erzählte Terschka , des Brausens und Rauschens um ihn her nicht achtend , wo eben Sturla aus Barcelona angekommen war ... Dort schon hört ' ich , daß sich Cäsar von Montalto , schwer verwundet , unter den Trümmern der römischen Aufstandsarmee befand und auf dem Wege nach Coni war , ohne Zweifel zum Erzbischof ... Auf der steilen Riviera di Ponente begegneten wir ihm ... Wir ? wiederholte der Graf ... Pater Speziano und ich - ... Pater Speziano ! Wagt ihr euch so weit schon wieder ins Land ! ... Wir stiegen in Robillante aus - wohin ich bis morgen früh - zurück muß ... Incognito - bis - - nach Rom - Graf ! ... Erzählen Sie ! ... Durch Vintimiglia fuhren wir im Postwagen und hielten eine Weile , ohne auszusteigen ... Vor einem Kaffeehause , wo unsere Pferde gewechselt wurden , stand ein halb offner Wagen ... Sehen Sie da ! rief Pater Speziano und deutete auf den Wagen ... Ein Kranker lag in ihm zurückgelehnt ... Ich blicke näher - mich schützten die Jalousieen des Postwagens - und erkenne den Bruder Angiolinens ... Sollt ' ich es wagen auszusteigen und ihn anzureden ? ... Sein Zustand sah dem eines Sterbenden ähnlich ... Speziano hielt mich zurück ... Der Graf gerieth in eine Stimmung des unsaglichsten Schmerzes ... Sollte alles dem Verhängniß verfallen , überall der Tod seine Opfer suchen ! ... Wo sind Sie abgestiegen ? fragte er noch einmal , ehe sie sich zur Rückkehr wandten ... In Robillante - ... Aber für diese Nacht unten in San-Medardo beim Pfarrer ... Und die Herzogin - seine Mutter - ? ... Ist mit Fürstin Olympia eilends aus London gekommen ... Die letzten Nachrichten von diesen Frauen hatte man aus der Schweiz ... Erfuhren sie von Montalto ' s Verwundung und Gefahr und seiner Reiseroute , so kommen sie ohne Zweifel hierher ... Olympia - ! rief der Graf und dachte an eine nothwendig werdende Vorbereitung Armgart ' s auf so erschreckende Möglichkeiten - .. Vielleicht klopfte er noch jetzt dem Obersten und zog zunächst diesen ins Vertrauen ... Aber werden Sie katholisch , Graf ! drängte Terschka ... Es ist die Religion der reinen Menschlichkeit ... Krönen Sie mein Werk , dem ich dann achtzehn Jahre meines Lebens geopfert habe - So läßt es sich wenigstens darstellen ... Die Mittel , die ich anwandte , sind natürliche gewesen und ich bin gerettet - ... Sie erlösen mich von Strafen , die alles überschreiten werden , was meine Natur erträgt ... Das Al-Gesú macht ein Endurtheil über mich - ... Ich habe keine Kraft , einem Geschick zu trotzen , das mich in die Mitte der beiden mich verfolgenden Parteien nimmt ... Wollt ' ich auch zum zweiten male entfliehen , ich wäre vor Mazzini ' s Rache ebenso wenig sicher wie vor der des Al-Gesú ... Graf , werden Sie katholisch ! ... So hab ' ich wenigstens Ruhe vor Denen , die auf mich die ersten Rechte hatten ... Terschka versicherte dann , daß ihn Pater Speziano nach Rom führen müsse wie einen Gefangenen ... Der Graf stand schon lange wie eingewurzelt ... Er blickte um sich und sah , daß er in dem Hain des Eremiten unter dem majestätischen Dach der uralten » Eichen von Castellungo « stand ... Noch glänzte die von Birkenzweigen und verwittertem Moos gebaute Hütte ... Noch lag wie sonst der Verschlag für Federigo ' s treuen Hund , den » Sultan « , wie er hieß , unverändert ; noch die Hütte für die Ziege , beide Thiere , die die einzige lebende Gesellschaft des Freundes seiner Mutter waren ... Eine mächtige runde Steinplatte , verwittert und mit gelblichen Moosflechten überzogen , die als Altar zu dienen pflegte , stand in der Mitte des mächtigen Rundes , über dem die Baumkronen sich schüttelten im zunehmenden Sturm ... Noch hing in den ächzenden Zweigen des stärksten dieser Bäume die Glocke , durch deren Ruf der Einsiedler in einiger Verbindung mit der Welt blieb ... Die schlummernden Vögel auf den Zweigen schienen zu träumen , mancher leise Laut erscholl , mancher Vogel flog erschreckt vom Neste ... Der Wind bewegte durch die Zweige auch die Glocke ... Zuweilen schlug sie an - leise , geheimnißvoll , geisterhaft - Graf Hugo sah ein ganzes Leben ihn hier wie mit stiller Bitte mahnen ; er hörte den Ruf der Mutter , als sie ihn um die Erhaltung der Glocke - um die Erhaltung Castellungo ' s und des Glaubens seiner Väter bat ... Terschka erkannte diese Zauber der Bestrickung für den Grafen ... Oft hatte er hier selbst den Eremiten gesprochen , hatte sich mit dem » Sultan « in der Hütte dort geneckt ; er wußte , daß dies treue Thier dem vermeintlichen Gefangenen der Inquisition gefolgt sein sollte ... Noch deutlich sah er die Gräfin auf einem Sessel von Baumzweigen , auf dem sie hier oft stundenlang bei ihrem Schützling zu verweilen liebte ... Gerade damals war Terschka hier zum ersten mal gewesen , als sich die Sage von Vincente Ambrosi verbreitet hatte , der vor Frâ Federigo ' s Lehren geflohen wäre ... Träumend stand der Graf und blickte auf die Glocke , deren Bewegungen immer stärker und stärker