Kindern zurecht legen . Auch dem Obertribunalspräsidenten wurde er vorgestellt und , wie sich von dem Humanitätsfreunde erwarten ließ , mit Nachsicht beurtheilt . Die Urenkelin stand dem Greise bald näher als Olga , nicht durch die Verwandtschaft allein , sondern auch durch die leichtere Art , aus sich herauszugehen . Wie aufmerksam lauschte Rodewald dem weisen Freunde der Natur und des Lebens ! Wie schnell fand er sich in die wunderliche Neigung zu den Thieren ! Er verglich diese Richtung einer auf die allgemeine Seelenlehre sich gründenden Weltauffassung mit den herrschenden Doktrinen des Tages , dieser größeren Fülle an Material , strikteren Form der Beweisführung , aber geringeren Rückwirkung auf die Bildung des Herzens . Da Rodewald zufällig in der amerikanischen Union Freimaurer geworden war , konnte er sich bald überzeugen , daß in der alten Excellenz der Naturalismus seiner Anschauungen nicht ohnmächtig als todtes Pfund in der Erde lag , sondern oft genug nach außen hin auch über die Grenze seines nächsten durch die Gesetze gebundenen Berufes gewirkt hatte . Der Greis klagte über die Richtung der Loge . Er hatte sie ganz an Gelbsattel , Rodewalds Schulpforter Genossen , überlassen müssen . Sie hat , sagte er , einen Trieb zur Nüchternheit , zur leersten Verschönerung des Lebens bekommen , der mich abschreckte , länger für sie zu wirken . Ich weiß wohl , die tiefere und geheimnißvolle Richtung der Loge ist zu unwürdigen Zwecken misbraucht worden , die sich in Lug und Trug verloren . Aber so ganz diesen Bund auf Nichts zu stellen , wie es jetzt eingerissen ist , so ganz ihn alles Zusammenhanges mit großen geschichtlichen Ideen entkleiden und ihn nur in eine Art feinerer Liedertafel umzuwandeln , wer möchte da noch mitgehen ? Man hat Diejenigen steinigen wollen , die wie einst Bruder Krause und Moßdorf unsere Geheimnisse verriethen , aber man ist hinter diesen , die nur zur Reform unsres Bundes Öffentlichkeit wollten , weit zurückgeblieben . Wohl weiß ich , daß das graue Alter unsrer Kunsturkunden nicht zu ermitteln ist , aber der Geist , der sich in der Loge sammelte , war jener immer landflüchtig gewordene Geist der Johanneslehre , die vor Christus schon bei Plato , Sokrates , Virgil christlich dachte , d.h. jener Lehre der überall vorhandenen Christlichkeit , wo reines Menschenthum waltet . Das ist der Angelpunkt der Welt und der Geschichte . Die Humanität beginnt mit Duldung gegen Alles , was außer uns lebt , mit dem Thiere , der Pflanze . Was ist der Mensch ? Ein Ursachenthier , sagt Lichtenberg . Die andern Thiere sind Wirkungsthiere . Wir sehen , was da wird , blüht und vergeht . Wir fragen , warum ist die Schöpfung ? Aber daß wir keine Auskunft wissen , stellt uns allem endlich Lebenden gleich . Dieser allgemeine Glaube ist der , der immer parallel ging mit den rohen und brutalen Erscheinungen der Geschichte , der Theologie , der Politik , der Sittenlehre . Neben dem Heiden- und Christenthum , neben den Staaten der Griechen , Römer , Franken , zog sich doch dieser einige Faden der reinen Menschheitslehre von Pythagoras und Thales herab bis auf diejenige Philosophie unserer Tage , die des Namens würdig ist . Für diese Lehre ist der Menschheitsbund die größte Geschichtsthat . Zu ihr gehörte Jeder , der Humanität übte . Die Loge wollte die Lehre vom wahren Tempel wieder aufnehmen . Wie oberflächlich hat sie es gethan ! Sie konnte Größeres wirken . Das Christenthum war erst auch ein Geheimbund . Es war erst auch eine Religion bei verschlossenen Thüren . Das Christenthum war auf Logen begründet , die man Agapen nannte . Man speiste zusammen und feierte seine Erinnerungen . Die Loge hat viel gut zu machen , wenn sie nicht zerfallen will . Als sie vor vierzig Jahren in Deutschlands wüstester Zeit sich weigerte , ihre Mission zur Heranbildung eines Menschenbundes anzuerkennen und sich nur der Lehre von einer laxen Brüderlichkeit und gegenseitigen Förderung innerhalb der gegebenen Lebensverhältnisse ergab , hatte sie ihre Bedeutung für die Geschichte verloren und wird in Apathie , Überschuldung und bei vielen Einzelnen in Mangel an Appetit zu Grunde gehen . Der Greis hatte seine Rüge scherzhaft geendet , zum Bedauern Rodewald ' s , der von einer Annäherung an Dankmar ' s Ideen überrascht war und fast verstummte über die wunderbare Fügung , daß der Präsident , er wußte es selbst nicht , die Gelegenheit in der Hand hatte , seinen Traum von einer großartigeren Entwickelung der Freimaurerei wahr zu machen . Gern hätte er Dankmar ' n Kunde von etwaigen Aussichten seines Prozesses gebracht , aber Otto von Dystra , den er in seiner Wohnung in der Stadt Rom begrüßte , bemerkte ihm sogleich , daß ihr gemeinschaftliches Interesse für die Gebrüder Wildungen von diesem in Amtssachen drakonisch strengen und gewissenhaften Greise nichts hervorlocken würde . Dystra ' s Beziehung zur Comtesse Olga schien Rodewald , der an die anorganischen Verbindungsgesetze der großen Welt gewöhnt war , nicht so komisch wie dem Touristen selbst . Von Siegbert ' s Beziehung zu Olga wußte Rodewald nichts . Dankmar hatte sich wohl gehütet , seinem im Ullagrunde nicht sehr empfohlenen Bruder noch die Bürde einer solchen in der Luft schwebenden Liebe aufzuhängen . Dystra war in der Hauptsache der Alte , an Allem interessirt und für nichts auch nur einen Tropfen Bluts , dafür mit Freuden einen Beutel Geld lassend , ganz wie es in der Oberflächlichkeit einer Zeit liegt , die auf Kommunikation und Beschleunigung der Mittheilungen , auf den leeren Formalismus der Gedankenwelt , auf Stenographie , Autographie , Lichtbildnerei u.s.w. ihr größtes Gewicht legt ; doch überraschte ihn Dystra eines Abends durch das Zeichen der Ritter vom Geiste . Sind Sie Mitglied des Bundes ? fragte Rodewald erstaunt . Ich baue vorläufig dem Bunde eine Kapelle , sagte Dystra , ich baue ihm ein Archiv für seine Statuten , im Nothfalle Kasematten für seine Märtyrer . Sie werden staunen , wenn wir den