musterhafter Weise klargelegt und für historische Korrektheit Sorge getragen , aber so dankbar wir ihm für diese Korrektheit sein müssen und so gewiß es zuzugestehen ist , daß zwischen einem » geleisteten Darlehn « und einem » nicht empfangenen Gehalt : « – trotzdem beides eine Schuld repräsentiert – immerhin noch ein Unterschied obwaltet , so bin ich doch ganz außerstande , mich in der Gesinnung zurechtzufinden , die Riedel bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck bringt . Er behandelt die Frage mit einem Nachdruck und einer Feierlichkeit , als ob er , mit Hilfe dieser seiner Aufklärungen , das Hohenzollerntum von einem Makel befreit und die Vorgeschichte desselben von etwas Krampfhaftem und Geldgeschäftlichem gereinigt hätte . Das ist aber offenbar zu weit gegangen . Es kann , meinem Ermessen nach , für die Hohenzollern , die seitdem ihre Legitimation über jeden Zweifel hinaus nachgewiesen haben , ziemlich gleichgültig sein , wie sie damals zur Mark gekommen sind , so oder so . Sollte dies aber bestritten werden können , so doch schwerlich das , daß es , nach der moralischen oder , wenn man so will , nach der Feinheitsseite hin , absolut bedeutungslos ist , ob die 100000 Goldgulden von 1412 eine vom Burggrafen geleisteter Vorschuß oder ein ihm versprochener und nicht ausgezahlter Zuschuß waren . Das sonst so hervorragende , von der größten Sachkenntnis getragene Riedelsche Buch hat einen schwachen Punkt in dieser hier und da geradezu störend hervortretenden Hyperloyalität , auf die wir in einem späteren Kapitel , wo sich ' s über das Recht oder Unrecht der Quitzows handelt , noch ausführlicher zurückkommen . 8 Daß man sich bei Niederlegung der Mauern von Friesack und Plaue solcher » großen Büchse « bedient , ist wohl sicher , aber einer bestimmten Namensgebung dieser großen Büchse , wie beispielsweise » faule Grethe « begegnet man bei gleichzeitigen Geschichtsschreibern nicht . Im Besitze der Braunschweiger , so viel weiß man , befand sich eine große Büchse mit Namen » die faule Metze « , welche im Jahre 1411 , als der Erzbischof Günther von Magdeburg mit den Herzögen Bernd und Heinrich von Braunschweig-Lüneburg , die Edlen von Schwicheldt wegen ihrer Raubtaten in der festen Harzburg belagerte , ausgezeichnete Dienste leistete . Vielleicht brachte der Erzbischof von Magdeburg diese Büchse mit und die » faule Metze « vor Harzburg und die » faule Grethe « vor Plaue sind ein und dasselbe Geschütz . Metze ( von Margarete ) und Grethe sind ohnehin dieselben Namen . 9 Nach einer dieser Lesarten , die die magdeburgische Schöppenchronik gibt , entkamen Hans und Henning von Quitzow unbemerkt und verbargen sich in dem hohen Rohr an der Havel , ja , dem älteren Bruder konnte sogar sein Hengst durch seinen Knecht Lüdeke Schwalbe ( Wusterwitz nennt ihn Dietrich ) nachgebracht werden . Aber , so heißt es weiter , als Hans von Quitzow sich aus dem Rohr erhob und nach dem Zügel des Hengstes griff scheute dieser , warf den Kopf und entlief . Dies sah der Schulze von Schmitsdorf ( einem magdeburgischen Dorfe ) , der mit im Belagerungsheer vor Plaue stand , und eilte mit einigen Leuten auf die Stelle zu . Beide Quitzows , Johann und Henning , samt dem Knechte , der das Pferd gebracht hatte , suchten sich durch Ducken im Rohr und durch Flucht zu retten , aber sie verirrten sich in dem Havelbruch und wurden gefangengenommen . Einer dritten Lesart zufolge , die sich in Peter Beckers Chronik von Zerbst findet , bewerkstelligte Hans von Quitzow seine Flucht dadurch , daß er , zur Nachtzeit einen Kahn besteigend , die Havel auf Pritzerbe zu hinunterglitt . Aber der Erzbischof hatte die Havel an beiden Ufern mit Wachtposten besetzen lassen . Diese sahen den Kahn , bemächtigten sich desselben und führten Hans von Quitzow als Gefangenen ins magdeburgische Lager . Unter den verschiedenen Lesarten ist diese dritte die wenigst glaubhafte . Sehr wahrscheinlich war die Havel zugefroren und Hans von Quitzow entkam , zunächst wenigstens , gerade dadurch , daß er diesen Umstand benutzte . 10 K. Fr. von Klöden in seinem mehrfach von mir zitierten Buche » Die Quitzows und ihre Zeit « widmet dem Hinscheiden Dietrichs von Quitzow ein ganzes Kapitel , das in seinen Einzelangaben jedes historischen Anhalts entbehrend , doch bemerkenswert ist durch Schönheit und Tiefe . Wie denn überhaupt gesagt werden muß , daß sich in diesem nicht genugsam gewürdigten vierbändigen Werke , neben viel überraschlich Prosaischem auch viel überraschlich Poetisches findet . In dem vorerwähnten Kapitel sehen wir Dietrich von Quitzow in einer von Veltheimschen Waldhütte , wohin er sich menschenscheu zurückgezogen hat . Die letzten , die sich hier an ihn drängen und ihm in prahlerischer Weise von ihrer Vornehmheit und ihrer Freiheit erzählen , sind Zigeuner , deren große Worte ( zu denen die begleitenden Diebestaten so wenig stimmen ) ihn mehr demütigen als alles andere , weil er , im Vernehmen dieser Worte , dem anspruchsvollen Zerrbilde der Freiheit ins Gesicht starrt . Schwerlich werden ihm Betrachtungen wie diese den Tod verbittert haben , aber alle diejenigen , die von einer Schuld der Quitzows überzeugt sind , müssen diese Szene für dichterisch gut ersonnen ansehen . 11 In dieser Versöhnung mit dem Kurfürsten die Vorhand zu gewinnen , ward unserem Kaspar Gans zu Putlitz durch einen besonderen Umstand erleichtert , auf den hier noch nachträglich als auf ein höchst wichtiges und vielleicht entscheidendes Ereignis in der Geschichte jener Tage hingewiesen werden mag . Ausgangs 1413 , an demselben 30. November , an welchem Johann von Quitzow das siegreiche Gefecht gegen die Magdeburger führte , das dann mit der Gefangennahme Peters von Kotze und Gebhards von Plotho schloß , an eben demselben Tage wurde der gerade damals in Fehde mit dem Brandenburger Bischof liegende Kaspar Gans von dem bischöflichen Hauptmann Johann von Redern im Dorfe Dallgow bei Spandau gefangengenommen und über Pritzerbe nach Ziegesar ins Gefängnis geführt . Dort saß er noch , als zwei Monate später zur Belagerung der