frühern militärischen Stellung für ihn als Akatholiken lagen , erinnerte er sich ungern ... Den stolzen Muth seiner Mutter , gerade im Widerspruch mit weltlichen Rücksichten zu leben , besaß er nicht ... Mehr noch , wirkliche Liebe zu Paula fing ihn zu bestimmen an ... Um sich , um die Mutter aus bedrängten Verhältnissen zu reißen , hatte er eine Standesehe geschlossen , ohne Paula die Zumuthungen einer Gattin zu machen - ... Und die ersten Jahre war es ein Verhältniß gewesen , wie auch nur je eine Vernunftehe unter hochgestellten Personen geschlossen wurde ... Als aber Paula in Italien , in Bonaventura ' s unmittelbarer Nähe lebte , als sich die hochgespannte Leidenschaftlichkeit dieser Beziehung milderte , als die bescheidene Unterordnung des Grafen unter den Erzbischof diesen nicht minder , wie Paula rührte - die Jahre und die Reife des Geistes bringen allem Menschlichen sein Maß und lehren uns die wahren Güter des Lebens in Höherem suchen , als im persönlichen Glück - da hegte Graf Hugo Hoffnungen auf sein Weib ganz mit der Werbung eines Liebenden ... Das Aussterben seines Stamms , die der Möglichkeit , noch einen Erben zu gewinnen , immer mehr gezählten Stunden - schon allein diese Rücksicht verlangte ein Entweder-Oder ... Und da glaubte denn Graf Hugo schon lange , daß er sich und Paula diese Entschlüsse durch seinen Uebertritt erleichtern würde ... Den kirchlichen Beziehungen seiner Mutter war er entrückt ; die fortzusetzende Verbindung mit den Waldensern setzte eine größere geistliche Neigung voraus , als er sie besaß ... Aus solchem Indifferentismus , verbunden mit Resignation des Gemüthes , erfolgte schon oft ein Uebertritt zur römischen Confession ... Und so konnte er Terschka ' s Vorschläge hören , ohne sie sofort von sich zu weisen ... Hatte er nicht auch eine Reihe der glücklichsten Jahre mit diesem Menschen verlebt , oft über seine Rathschläge den Stab gebrochen , oft sie dennoch befolgt - ? ... Zwischen ihm und Terschka hatte von jeher die mitleidige Toleranz eines Herrn für einen erwiesenermaßen nicht immer ehrlichen , aber bei alledem in seiner Art unersetzlichen Diener geherrscht ... Der Abendwind erhob sich mehr und mehr ... Wolken legten sich über die Sterne ... Graf Hugo ließ Terschka reden - ließ sich ihm bald rathen , bald schmeicheln - ließ sich von ihm den Rock zuknöpfen , aus Besorgniß , der Graf möchte sich » verkühlen « - Bald an dieser bald an jener Stelle seines Gemüthes wurde er berührt ... Auch das Glück schilderte Terschka , das er sonst hier gefunden haben wollte bei des Grafen Mutter ... Die Herrliche , Gütige ! sprach Terschka ... In London - - da lag ich zerknirscht zu ihren Füßen ... Sie schickte mir einen Geistlichen , dem ich meinen Glauben abschwören sollte ... Oeffentlich in einer Kirche hab ' ich es nicht gethan - ich ging zum Abendmahl und nahm es in beiderlei Gestalt ... Graf , darin sind wir - einig ; was mich einst zum Priester machte - was war es ? ... Für mich waren die Weihen nichts , als eine Erlösung vom Gewöhnlichen ... Die klugen Väter erkannten es zu spät und gaben mir einen Auftrag , der mich dem Weltleben zurückgab ... Kann man den Jesuiten , den Soldaten der Kirche , verdenken , daß sie Werth auf den Besitz eines Namens legen , wie des Ihrigen ? ... Graf Hugo verabscheute , was er hörte , aber - er dachte an Paula und die Zukunft seines Namens ... Der Zauber des gebundenen Willens lag schon lange auf ihm ... Was jeder verworfen hätte , was Monika Unmoralität nannte , vertrug sich bei ihm mit manchen geheimnißvollen Stimmungen der Seele ... Es gab keinen andern Ausdruck für sein Gefühl , als den , daß die reinere Natur des Katholicismus , die Natur , die selbst ein Terschka nicht entweihen konnte , geheime und mystische edle Dinge verklärte ... » Der erste Beichtstuhl wurde aus dem Baum der Erkenntniß gezimmert « hatte die Gräfin Sarzana vor einigen Jahren hier gesagt ... Graf Hugo versank immer mehr in ein brütendes Nachdenken ... Terschka erging sich in Lobpreisungen des katholischen Glaubens vom Standpunkt der Weltlichkeit , die beide früher so eng verbunden hatte ... Und hätte ihn ein noch schlimmerer Ruf verfolgt , als der , den der Graf kannte , es lag zu viel Gemeinsames in ihren Lebensbezügen , ihre Erinnerungen trafen so oft auf einem Punkte zusammen , daß ihn der Graf nahm , wie er sich gab ... Terschka knüpfte immer und immer an Angiolinen an ... Und der Graf wußte , wie energisch Terschka auf Schloß Neuhof für sie gesprochen hatte ... Terschka kam auf Angiolinens Mutter , die Herzogin von Amarillas , die aus London erwartet würde und wieder in Rom wohnen wollte , wenn sie nicht , unterbrach er sich , wol gar noch hierher kommt , um ihren , wie ich glaube , hoffnungslosen Sohn aufzusuchen ... Der Graf gab alle diese Möglichkeiten zu , hörte sie aber voll Schrecken und Wehmuth ... Terschka erzählte von Fürstin Olympia , deren Verhältniß mit Benno schon seit lange nicht mehr das alte gewesen sein sollte ... Der Graf hörte Terschka ' s welt- und herzenskundige Auffassungen ; aber so groß seine Theilnahme für Angiolinens Bruder war , so sehr er Benno ' s Seelenkraft bewunderte seit jenem Schreckenstage auf Schloß Salem , wo Schwester und Mutter in einem und demselben Augenblick von ihm gefunden und verloren wurden , so sehr ihn der Eindruck ergriff , den nun Benno ' s Anwesenheit in Coni auf alle , vornehmlich Armgart hervorrufen mußte - sein Fragen und Forschen nach Diesem und Jenem war nur ein Verbergenwollen der größeren Sorgen , die sein Inneres um Paula drückten ... Terschka sah seinen Einfluß wiederkehren , sah , wie Graf Hugo sich an seinen Ton , seine alte Weise gewöhnte ... Er blickte um sich ... Sie waren tief im Waldesdunkel vorgedrungen und Zeit hätte es werden