? Nun , ich will es hoffen . « » Was meinst du ? « rief Wanda emporschreckend . » Mein Kind , « entgegnete die Fürstin in eisigem Tone , » du weißt , ich habe niemals Leos Partei genommen , wenn er dich mit seiner Eifersucht quälte – heute nehme ich sie , wenn ich es ihm gegenüber auch nicht zugab , um ihn nicht noch mehr zu reizen . Der Ton , mit dem du dieses › Eher sterben ! ‹ herausschleudertest , brachte auch mein Blut in Wallung , und deine Furcht vor Waldemars Verachtung war sehr verfänglich , so verfänglich , daß ich jetzt freiwillig auf deine Anwesenheit in Wilicza Verzicht leiste . Als ich den Plan entwarf , glaubte ich deiner unbedingt sicher zu sein ; jetzt konnte ich ihn wirklich nicht mehr vor Leo verantworten und stimme dir vollkommen bei , wenn du – die Probe nicht wagen willst . « Wanda hatte sich erhoben . Totenbleich , keines Wortes fähig , starrte sie die Sprechende an ; sie hatte das Gefühl , als öffne sich auf einmal ein Abgrund vor ihren Füßen , und wie vom Schwindel ergriffen lehnte sie sich an das Sofa . » Du täuschest dich , « brachte sie endlich mühsam heraus , » oder du willst mich täuschen . Das habe ich nicht verdient . « Die Fürstin ließ das Auge nicht von dem Gesicht ihrer Nichte . » Ich weiß , daß du noch keine Ahnung davon hast , und ebendeshalb gebe ich sie dir . Nachtwandler muß man wecken , ehe sie die gefahrdrohende Höhe erreichen . Wenn das Erwachen plötzlich kommt , ist der Sturz unausbleiblich . Dir ist von jeher die Energie , die eiserne Willenskraft am Manne das Höchste gewesen ; das allein zwingt dich zur Bewunderung . Ich weiß leider , daß Leo dieses eine trotz all seiner glänzenden Eigenschaften nicht besitzt , und ich leugne auch nicht mehr , daß Waldemar es hat ; also nimm dich in Acht mit deinem – Haß gegen ihn ! Er könnte sich dir eines Tages als etwas andres enthüllen . Ich öffne dir jetzt die Augen , wo es noch Zeit ist , und ich denke , du wirst mir dankbar dafür sein . « » Ja , « entgegnete Wanda mit fast erloschener Stimme . » Ich danke dir . « » So wollen wir die Sache ruhen lassen ; noch hat sie hoffentlich keine Gefahr , und morgen bringe ich dich selbst nach Rakowicz zurück . – Jetzt aber muß ich dafür sorgen , daß auch heute abend hier die nötige Vorsicht beobachtet wird , damit uns nicht noch am letzten Tage irgend ein Unheil trifft . Ich werde Pawlick meine Befehle geben und das Ganze persönlich überwachen . « Damit verließ die Fürstin das Zimmer , fest überzeugt , daß sie nur ihre Pflicht gethan , und einem künftigen Unheil vorgebeugt habe , indem sie energisch und schonungslos wie immer den Schleier zerriß , welcher der jungen Gräfin noch das eigene Herz verhüllte . Hätte sie gesehen , wie Wanda nach ihrer Entfernung wie vernichtet zusammensank , es wäre ihr doch vielleicht klar geworden , daß hier die gefahrdrohende Höhe bereits erreicht war , wo der Anruf tödlich werden konnte . Er vermochte nicht mehr zu warnen oder zu retten . Das Erwachen kam zu spät . Der Winter war mit seiner vollen Strenge hereingebrochen . Die dichte Schneehülle deckte Wald und Feld ; eine schwere Eisdecke hemmte den Lauf des Flusses , und über die erstarrte Erde brausten die Winterstürme mit eisigem Hauch . Sie hatten diesmal noch einen andern Sturm wachgerufen , der schlimmer tobte als die Elemente . Jenseits der Grenze war der lang gefürchtete Aufstand endlich ausgebrochen . Das ganze Nachbarland loderte in voller Empörung , und jeder Tag brachte neue Schreckensnachrichten von drüben her . Auf diesseitigem Gebiete war noch alles ruhig , und es hatte auch den Anschein , als ob diese Ruhe aufrecht erhalten bleiben sollte , aber friedlich war die Stimmung in den Grenzbezirken keineswegs , wo tausend Beziehungen und Verbindungen hinüber und herüber gingen , wo kaum eine polnische Familie lebte , die nicht wenigstens einen Angehörigen drüben in den Reihen der Kämpfenden hatte . Am schwersten hatte Wilicza unter dieser Stimmung zu leiden ; schon seine Lage machte es zu einem der wichtigsten , aber auch gefährlichsten Vorposten der ganzen Provinz . Es spielte nicht umsonst eine so wichtige Rolle in den Plänen der Morynski und Baratowski . Die Nordeckschen Güter bildeten die bequemste Verbindung mit dem Aufstande und den sichersten Rückhalt für etwaige Kämpfe dicht an der Grenze ; die tiefen Waldungen machten es trotz Posten und Patrouillen unmöglich , die angeordnete strenge Bewachung in ihrem ganzen Umfange aufrecht zu erhalten . Es hatte sich freilich vieles geändert , seit der junge Gutsherr sich damals , kurz vor der Abreise Morynskis und Leos , so entschieden auf die Seite seiner Landsleute gestellt hatte , aber mit jener Stunde begann auch der stumme erbitterte Kampf zwischen ihm und seiner Mutter , der noch heute nicht zu Ende war . Die Fürstin hielt Wort . Sie wich ihm nicht auf dem Boden , auf den sie gleichfalls ein Recht zu haben glaubte , und Waldemar sah jetzt wirklich ein , was es hieß , seine Güter jahrelang in ihren Händen gelassen zu haben . Wenn seine einstige Vernachlässigung und Gleichgültigkeit dagegen gebüßt werden sollten , so büßte er sie jetzt . Er hatte es erzwungen , daß sein Schloß nicht länger der Sitz von Parteibestrebungen war ; für sein Gebiet konnte er das Gleiche nicht erzwingen , denn das war ihm systematisch entfremdet worden . Die unumschränkte Herrschaft , welche die Fürstin so lange ausgeübt , die vollständige Verdrängung des deutschen Elementes aus der Verwaltung , die Besetzung jedes nur irgendwie bedeutsamen Beamtenpostens mit polnischen Vertretern – das alles trug nun seine Früchte . Nordeck stand in der That wie verraten