die bewundernden Blicke und flüsternden Bemerkungen , welche ihr überall folgten . Er sagte sich , daß auch der einstige Gatte diese Blicke sehen , diese Bemerkungen hören müsse , und mit einem kaum verhehlten Gefühl des Triumphes schritt er an der Gruppe vorüber . Die Menge der auf- und abwogenden Gäste und die zahlreichen Gesellschaftsräume machten es für die , welche sich nicht sehen wollten , leicht , einander auszuweichen . Es mochte ungefähr eine Viertelstunde seit dem Erscheinen Erlau ’ s vergangen sein , als Capitain Almbach herantrat , um ihn zu begrüßen . „ Sind Sie denn überall , Herr Capitain ? “ fragte der Consul überrascht . Hugo machte eine halb ironische Verbeugung . „ Ich habe die Ehre . Mißfällt Ihnen das so sehr ? “ „ Nicht doch ! Sie wissen ja , daß ich Sie immer gern sehe , aber am dritten Orte trifft man Sie leider nur in Begleitung Ihres Bruders . Es scheint , man kann keinen Schritt in die Gesellschaft thun , ohne auf Signor Rinaldo zu stoßen . “ „ Er ist mit dem Herrn des Hauses befreundet , “ erklärte Hugo . „ Natürlich , “ grollte der Consul . „ Ich möchte einen Kreis kennen , der ihn nicht vergöttert , und in dem er nicht dominirt . Ich konnte die Einladung unseres Gesandten nicht ausschlagen und wollte meiner armen Eleonore doch endlich einmal etwas Anderes zeigen , als nur das Krankenzimmer . Haben Sie sie schon gesprochen ? “ „ Allerdings , “ sagte der Capitain , nach der andern Seite des Saales hinüberblickend , wo Ella im Gespräch mit dem Marchese , dem Lord und einigen Damen stand , „ das heißt , so weit Marchese Tortoni mir die Möglichkeit dazu ließ . Er beansprucht durchaus den Löwenantheil der Unterhaltung . Ich halte mich bescheiden zurück . “ „ Ja , bester Capitain , daran werden Sie sich gewöhnen müssen , “ lachte Erlau . „ Im Gesellschaftskreise ist Eleonore selten frei für die Unterhaltung eines Einzigen . Ich wollte , Sie sähen Sie einmal , wenn sie in meinen Salons die Honneurs macht . Wir sind fast gänzlich fremd hier , sonst , versichere ich Ihnen , wären Marchese Tortoni und Lord Elton nicht die Einzigen , über die Sie sich in solcher Weise ärgern . “ Ella hatte inzwischen ihr Gespräch beendigt und verließ jetzt mit einer leichten Verneigung die Gruppe , um zu ihrem Pflegevater zurückzukehren . Da der Marchese zu seinem großen Mißvergnügen durch eine der Damen in der Unterhaltung festgehalten wurde , schritt die junge Frau ganz allein durch den Saal , als plötzlich in der Mitte desselben ein dunkles Sammetgewand das ihrige so nah und heftig streifte , daß es beinahe wie Absicht aussah . Aufblickend gewahrte sie dicht vor sich das schöne , aber in diesem Augenblick fast erstreckende Antlitz Signora Biancona ’ s. Ella verrieth indeß weder Schrecken noch Verlegenheit , sie nahm langsam ihr Spitzenkleid auf und trat etwas seitwärts . In der Bewegung lag ein ruhiger , aber sehr entschiedener Protest gegen jede Berührung von dieser Seite , und Beatrice schien ihn nur zu gut zu verstehen , trotzdem trat sie noch näher . Die junge Frau fühlte einen heißen Athem dicht an ihrer Wange und vernahm die geflüsterten Worte : „ Signora , ich bitte Sie um einige Minuten Gehör ! “ Ella antwortete mit einem Blick des Erstaunens und der Entrüstung . „ Sie – mich ? “ fragte sie gleichfalls leise , aber mit einer nicht mißzuverstehenden Betonung . „ Ich bitte um einige Minuten , “ wiederholte Beatrice . „ Sie werden sie mir gewähren Signora . “ „ Nein ! “ „ Nicht ? “ Die Stimme der Italienerin bebte in kaum verschleiertem Hohne . „ Also fürchten Sie mich so sehr , daß Sie nicht einmal ein kurzes Alleinsein mit mir wagen ? “ [ 587 ] Signora Biancona schien die rechte Saite berührt zu haben , die bloße Möglichkeit einer solchen Annahme brach Ella ’ s Widerstand . „ Ich werde Sie anhören , “ entgegnete sie rasch . „ Aber wo ? “ „ In der kleinen Veranda zur Rechten der Galerie . Wir sind dort allein ; ich werde vorangehen – Sie dürfen mir nur folgen . “ Mit einer kaum merklichen Bewegung neigte Ella das Haupt . Die wenigen Worte waren so rasch und leise gewechselt worden , daß Niemand eine Silbe davon vernommen , Niemand auch nur die Annäherung der beiden Frauen bemerkt hatte , die in jener Minute nur von Fremden umgeben waren ; deshalb fiel es auch Keinem auf , als Signora Biancona gleich darauf aus dem Saale verschwand und Ella einige Minuten später diesem Beispiele folgte . Die mit Statuen und Gemälden geschmückte Galerie neben dem großen Empfangssaale war beinahe leer . Nur wenige der Gäste hatten den kühleren Raum aufgesucht , an dessen Ende eine Glasthür auf eine halb offene Veranda führte , die bei Tage wohl einen weiten Ausblick auf die umliegenden Gärten gestatten mochte , heute Abend aber den Festräumen beigesellt zu sein schien , denn auch sie war mit hohen Blumengewächsen und Blattpflanzen geschmückt und , wenn auch nicht so glänzend wie die Säle , doch hinreichend erleuchtet . Jedenfalls war sie ganz leer , und der abgelegene , halb versteckte Raum , der den wenigsten Gästen bekannt war , bot die Möglichkeit eines ungestörten Gesprächs . Beatrice befand sich bereits dort , als Ella ’ s Spitzenkleid über die Schwelle rauschte , aber die junge Frau blieb in unmittelbarer Nähe derselben stehen , ohne auch nur einen einzigen Schritt weiter vorwärts zu thun . Genau mit jener unnahbar stolzen Haltung , die sie bei der ersten Begegnung in der Locanda gezeigt , erwartete sie auch hier den Beginn dieser halb erzwungenen Unterredung . Die Augen der Italienerin hingen mit einem wahrhaft verzehrenden Ausdrucke an der weißen Gestalt , die , vom Lampenlicht hell umflossen , ihr