ward Ihnen vielleicht schwer , daß Sie damit gerade mein Todesurtheil aussprechen mußten . Ein Höherer hat Ihnen gezeigt , wer allein Herr ist über Leben und Tod ! Der Schlag , der mich vernichten sollte , er traf Ihren Neffen , den Letzten Ihres Stammes und Namens , vor der Welt wenigstens , und vor ihr geht auch das Geschlecht der Rhaneck mit ihm zu Grabe . Sie werden auch das überwinden , denn Sie stehen auf einer Höhe , bei der einem Andern das Blut zu Eis erstarrt , aber es ist eine Höhe , weil ihr nichts Gemeines anhaftet . Wenn Sie noch menschlich fühlten , so hätten Sie dem Grafen wenigstens die Qual ersparen müssen , zu glauben , der Bruder sei von der Hand des eigenen Bruders gefallen ! “ Die Wirkung dieser letzten Worte war eine unendlich verschiedene bei den beiden Zuhörern . Der Prälat ließ einen unterdrückten Ausruf der Wuth hören , bei dem Grafen aber rissen sie die letzte Schranke nieder , mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit streckte er beide Arme nach seinem Sohne aus . „ Bruno , Du weißt – ? “ Benedict wich finster zurück vor der Umarmung und ein Eisesblick traf den Vater . „ Wer meiner Mutter die Treue brach und sie und mich dann verrieth und verließ ? Wer meinen Oheim niederschoß ? Ja , das weiß ich , Herr Graf Rhaneck ! “ Wenn der Graf Alles ertragen hatte , die schneidende Verachtung in diesen Worten ertrug er nicht . Die Verurtheilung aus dem Munde des Einzigen , was er auf Erden wahrhaft geliebt , warf ihn nieder , wie vernichtet sank er in den Sessel . Der Prälat behauptete allein seine eiserne Ruhe , dieser Mann war nun einmal nicht zu erschüttern . Er erkannte klar die Gefahr , die diese Entdeckung gerade in solchem Augenblicke brachte , er sah die Macht seinen Händen entgleiten und machte noch einen letzten gewaltsamen Versuch , die Zügel wieder an sich zu reißen . „ Bruno , Du vergißt , daß sich diese Sprache dem Vater und dem Oheim gegenüber nicht ziemt ! “ sagte er mit der vollen gebietenden Macht seiner Persönlichkeit . „ Dem Sohne meines Bruders und meinem Neffen will ich sie verzeihen . Jetzt aber erinnere Dich , daß Du dem Orden angehörst , und was er von Dir verlangt . “ Benedict kreuzte die Arme , wie um sich zur Ruhe zu zwingen , und wandte seinem Vater den Rücken . „ Sie haben Recht , Hochwürdigster , und deshalb allein kam ich hierher . Ich frage Sie jetzt im Angesichte des letzten Ereignisses : was haben Sie beschlossen ? “ „ Mein Verbot bleibt in vollster Kraft bestehen ! Was zwischen uns Dreien verhandelt ward , bleibt begraben für immer . Du schweigst auch ferner gegen Jeden ! “ „ Auf die Gefahr von Günther ’ s Verurtheilung hin ? “ „ Die Verantwortung fällt auf mich ! Du hast nur zu gehorchen ! “ Mit einer zuckenden Bewegung richtete sich Benedict auf ; als werfe er eine langgetragene Fessel ab , so stand er plötzlich vor dem Abte und es loderte furchtbar auf in seinem Auge . „ Gehorchen und immer nur gehorchen ! Das ist Euer ewiges Wort ; aber es ist jetzt genug der Sclaverei , jetzt kann ich nicht mehr und jetzt will ich auch nicht mehr ! Ihr habt mich in Fesseln geschlagen seit meiner Kindheit , habt mich in Eurem Banne gehalten mein Lebelang , habt eine Scheidewand zwischen mir und der Menschheit aufgerichtet , und wenn ich mich empörte dagegen , dann wurde mir immer und immer das Wort entgegengehalten , [ 239 ] mit dem ich mich der Kirche zugeschworen . Ich habe es gehalten unter tausendfachen Kämpfen , es gehalten bis zu diesem Augenblick , denn ich wußte , es galt nur mein Verderben , jetzt aber , wo die Ehre , das Leben eines Anderen auf dem Spiele steht , jetzt gehorche ich nicht , zum Verbrechen lasse ich meinen Eid nicht mißbrauchen ! Ihr habt mir die Augen darüber geöffnet , daß ich ihn nicht Gott geschworen , sondern Euch allein , und Ihr habt ihn entweiht , nicht ich ! Der Altar , der mich binden soll für alle Ewigkeit , er galt Euch nichts , als es sich darum handelte , meine Mutter von ihrem Gatten zu reißen , Ihr habt mich gelehrt , wie man Eide bricht – ich zerreiße den meinen ! “ Es lag eine erschütternde Gewalt in dieser jäh hervorbrechenden Empörung , in diesem endlichen Freiwerden eines jahrelangen Ringens und Kämpfens . Der Prälat sah , daß hier Alles zu spät kam , er wahrte vielleicht nur seine Stellung , als er noch eine letzte Drohung versuchte . „ Also eine förmliche Lossagung ! Wir werden Mittel finden , Dich zu zwingen , Abtrünniger ! “ Bruno schüttelte die dunklen Locken und zum ersten Male hob sich seine Brust unter dem niegekannten Gefühl der Freiheit . „ Mich zwingt Niemand mehr ! Was das Kloster auch beschließen mag , es droht nur dem Mönche , der sich gehorsam dem Befehl seiner Oberen beugt . Wenn ich mit meinem Wortbruch fertig werde – Eure Macht ist zu Ende in dem Augenblick , wo ich sie nicht mehr anerkenne ! “ Er wandte sich und verließ das Gemach , auch nicht ein einziger Blick war mehr auf den Grafen gefallen . Der Prälat verharrte einige Minuten lang in finsterem Schweigen , plötzlich aber zuckte eine Ahnung in ihm auf . „ Der Prior ! Das Volk im Klosterhofe ! Er ist zu Allem fähig – wenn er dort spricht , ist nichts mehr zu retten ! “ Er eilte nach , aber es war bereits zu spät . Bruno hatte in stürmischer Eile die Gemächer verlassen und durchschritt eben den Kreuzgang , der zum Klosterhofe führte . Im Begriff aber , hinauszutreten , kam ihm schon die Geistlichkeit