, aber abschütteln werden Sie mich nicht ... Meine Kirche verlangt von ihrem Priester , daß er wache und faste , daß er in rastloser Thätigkeit hier wie ein Maulwurf den Boden unterminiere und dort eine Brücke durch die Lüfte schlage – wie ganz anders noch wird mich diese fanatische Hingebung an das Ziel beseelen , bis – Sie mein sind ! « Ungekannte Schauer überliefen sie . Jetzt wußte sie , daß er nicht um ihre Seele für seine Kirche ringe – der eidbrüchige Priester liebte das Weib in ihr . Diese Entdeckung machte ihr fast das Blut gerinnen – sie schüttelte sich vor Entsetzen , und doch , wie die Sünde berückend sein kann , so wirkte diese energische Beredsamkeit , die in erschütternden Lauten alle Kämpfe , Stürme und Leiden der Seele bloßlegte , halb abstoßend , halb magnetisch auf die junge Frau – sie hatte ja noch nie die unverstellte Sprache tiefer , alles vergessender Leidenschaft von Männerlippen gehört ... Las er dieses Gemisch von Grauen und augenblicklichem , halb unbewußten Hinlauschen in dem verstörten Ausdrucke , mit welchem sie das liebliche , tieferblaßte Antlitz ihm zuwandte ? Er trat plötzlich unter einem leidenschaftlichen Zurückwerfen des Kopfes auf sie zu und breitete niedersinkend beide Arme aus , um die Kniee der jungen Frau flehend zu umfassen – das grüne Lampenlicht floß grell über das marmorartige Oval seines Gesichts , über den leblosen weißen Fleck inmitten der dunkellockigen Haarmassen – ihr war , als zeige ein unsichtbarer Finger auf diesen Fleck als auf ein Kainszeichen – sie floh , während ihre schönen Hände wild nach dem knieenden Manne stießen . » Fälscher ! « rief sie heiser und tonlos aus . » Eher will ich drüben im See ertrinken , als daß ich auch nur mein Kleid von Ihren Fingerspitzen berühren lasse . « – Die Hände angstvoll auf die Brust drückend , zog sie die schmiegsamen Schultern eng zusammen , wie ein Kind , das eine entsetzliche Berührung fürchtet und sich doch nicht von der Stelle traut . Sie durfte nicht gehen , solange sie das Dokument in seinen Händen wußte – sie hatte unverantwortlich kopflos ihre Mitwisserschaft verraten . Der Hofprediger erhob sich langsam . In die plötzlich eintretende atembeklemmende Stille klang heranbrausendes Rädergeroll , und gleich darauf knirschte drunten der Kies unter den Hufen der Apfelschimmel ; Mainau kam schon zurück – er mußte wie toll gefahren sein . Bei diesem Geräusch stampfte der Hofprediger mit dem Fuße auf und wandte in sprachlosem Grimme den Kopf nach den verhüllten Fenstern – man sah , er hätte am liebsten den ersten besten schweren Gegenstand ergreifen und zermalmend auf die Equipage und ihren Insassen hinabschleudern mögen . Die junge Frau schöpfte tief Atem – es war kein Augenblick zu verlieren . » Ich muß Sie bitten , Hochwürden , das Papier wieder an seinen Platz zu legen , « sagte sie , vergeblich bemüht , ihrer Stimme Klang und Festigkeit zu geben . » Trauen Sie mir das wirklich zu , gnädige Frau ? Eine so – stupide Gutmütigkeit ? « rief er heiser auflachend . » Sie meinen , Ihr todwundes Opfer habe nicht die Kraft mehr , sich zu wehren ? O , ich kann noch denken . Ich will Ihnen sagen , wie Sie rechnen . Sie sind hier heraufgekommen , um sich des wichtigsten Geheimnisses zu bemächtigen – mit dem Mikroskope in der Hand werden Sie Ihrem Gemahle und dem Hofmarschalle beweisen , daß im Hause Mainau ein abscheulicher Betrug , respektive eine Erbschleicherei verübt worden ist . Man läßt Sie selbstverständlich mit diesem Geheimnisse nicht nach Rudisdorf zurückkehren und bittet Sie , zu bleiben ... Was aber erringen Sie damit ? Baron Mainau liebt sie nicht , wird Sie nie lieben , schöne Frau – sein Herz gehört trotz alledem und alledem der Herzogin . Jetzt sind Sie ihm noch vollkommen gleichgültig – nach der Entdeckung aber wird er sie hassen , und – sehen Sie , wie selbstlos meine Liebe ist – das will ich verhindern . « Ehe sie sich dessen versah , hatte er auch den rosenfarbenen Brief der Gräfin Trachenberg ergriffen und stand mittels weniger Sätze am Kaminfeuer . Es half ihr nichts , daß sie aufschreiend nachflog und ihre Hände um den Arm des Mannes , der sie nie berühren sollte , selbstvergessen klammerte – Dokument und Brief lagen inmitten eines Flammenmeeres und sanken eben zu Aschenstäubchen in sich zusammen . » So , nun klagen Sie mich an , gnädige Frau ! Wer nach dem Zettel sucht , wird auch den Brief der Gräfin Trachenberg vermissen , und daß ich ihn verbrannt habe , wird Ihnen niemand glauben . « Er hielt noch die hocherhobene Linke abwehrend vor die Kaminöffnung , obgleich auch nicht der kleinste verkohlte Rest der Papiere liegen geblieben war . Die junge Frau ließ schlaff ihre Hände von seinem Arme niedersinken – ihr von den Flammen hell angestrahltes Gesicht zeigte eine namenlos schmerzliche Bestürzung . Dem ränkevollen Geiste des Priesters war diese zwar starke , aber zu reine unschuldigsvolle Mädchenseele freilich nicht gewachsen , und wie sie dastand , so blumenhaft zart und schlank , so hilflos , mit erschrockenen Augen in die Glut starrend und die samtweiche Schläfe unbewußt nahe an die Schulter des Mannes geneigt , da sah es aus , als bedürfe es nur einer seiner energischen Bewegungen , um sich ihrer zu bemächtigen – es war wie eine Lähmung über sie gekommen – nur ein tiefer zitternder Seufzer kam wie ein Hauch von ihren Lippen – er streifte die Wange des Geistlichen . » Gnädige Frau , noch ist es Zeit , « rief er – alles Blut war ihm bei der Berührung aus dem Gesichte gewichen . – » Seien Sie mild und barmherzig gegen mich , und ich gehe sofort zu den Herren von Schönwerth , um zu bekennen . « Sie trat stolz zurück und maß ihn vom Kopf bis zu den Füßen .