Es gibt halt Leut , die lieber in der Welt umeinandersausen , als daß sie auf der Mauer bei ehrlicher Fehd ihr feines Häutl verkaufen . « Die Augen des Malimmes erweiterten sich . Und er dachte an den hurtigen Reiter , von dem Herr Heinrich zu Burghausen gesprochen hatte . Heiter lachend nickte er zu Marimpfel hinauf . » Da muß ich meinen Gruß halt selber bestellen , wenn ich hinter die Mauer komm . « » Du ? Hinter die Mauer ? « Ein Hohngelächter . Auch die andern Spießknechte da droben beteiligten sich . » Wohl ! Morgen ! Aber tu nit Sorg haben ! Bruder ist Bruder . Wo du auf der Mauer stehst , da stürm ich nit . « » Komm nur , wenn du Schneid hast ! « schrie Marimpfel in Zorn . » Aber trauen tust dich nit ! « » Sooo ? Bist du so stark , daß du Angst hast vor dir selber ? « Und lachend ging Malimmes dem Wassergraben zu . Die Brücke fiel . Man nahm dem Sergeanten die weiße Binde von den Augen . Dann rasselten die schweren Ketten wieder gegen die Mauer hinauf . Der Sergeant trat auf die Seinen zu und sagte : » Krieg ! Sie schwören noch allweil , daß sie unschuldig wären an der Brandschatzung . « Heiter fragte Malimmes : » Ist das für dich eine Neuigkeit ? « Die sechse kletterten über die niedergeschlagenen Bäume . Als die heißgewordene Sonne in der Mittagshöhe stand , eröffnete man auf dem Fuchsenstein das Feuer mit der Burghausener Trommelkanone . Und da mußten die Berge ein Echo für einen neuen , drolligen Hall ersinnen , den sie zum ersten Male Hörten : » Pu pu pu pu pu pu ! « Bei diesem Gepummer , das die Berge ein bißchen undeutlich nachmachten , flog über dem niedergeschlagenen Wald drüben an einem Turm des Gadnischen Tores eine Wolke von Staub und Steinbrocken auf . Und neben einer Mauerluke wurde der Chorherr Jettenrösch ohnmächtig . Wohl erholte er sich bald . Aber der Streifschuß , den er am rechten Arm bekommen , machte ihn doch zu weiteren Heldentaten unbrauchbar . Und weil er an zarte Hände gewöhnt war , entzog er sich dem Hallturmer Feldscher , ritt mit einem Notverband nach Berchtesgaden und gab sich bei seiner Pfennigfrau , dem frummen Fräulein Rusaley , in verläßliche Pflege . Bald nach dem ersten Schuß der Trommelkanone fing auf dem Fuchsenstein auch die Landshuterin zu pfeifen und die Hornaußin zu stechen an . Vom Hallturm antworteten die Anna und die Susanne ; sie hatten feste Stimmen und doch eine schwache Lunge ; die Steinkugeln , die sie schössen , fielen entweder in das Astgewirr des niedergeschlagenen Waldes oder richteten an den Schanzen des Fuchsensteins nur schwächlichen Schaden an , der von den fronenden Bauern flink wieder ausgebessert wurde . Gegen die zweite Nachmittagsstunde war drunten beim heiligen Zeno zu Reichenhall , im Tal der Saalach , etwas Seltsames zu gewahren . Das magere Flüßlein verwandelte sich plötzlich in eine riesige Silberschlange . Eine Überschwemmung bei schönem Wetter ! Herr Martin Grans verstand dieses Rätsel : Um mit den Burghausener Hilfstruppen die Berchtesgadnische Grenzwacht im Scwarzenbachtal berennen zu können , ließ der heilige Zeno den angestauten Wehrsee wieder ablaufen . Das brauchte Zeit ! Bis der Reichenhaller Sturmhaufe da drüben hinter dem Lattengebirge trocknen Boden bekam , mußte wohl die ganze Nacht und der Morgen vergehen . Aber dann hatte der heilige Zeno leichten Weg . Und wenn er nicht als erster nach Berchtesgaden kommen und den besten Rahm von der Raubschüssel schöpfen sollte , mußte man auf dem Fuchsenstein und beim Hallturm flinke Arbeit machen . Die Hauptleute wurden unruhig und gerieten in Sorge . Sie kannten ihre Kriegsknechte und wußten aus häufiger Erfahrung , was von dem plünderungslustigen Haufen , dessen halber Sold in der Aussicht auf Beute bestand , zu erwarten war , wenn er um das ersehnte Raubgut betrogen wurde . Da gab es Aufruhr und Meuterei . Seit dem Bericht , den Malimmes von der Mauer brachte , hatten die Hauptleute ihren Sturmplan fertig . Doch immer blies dieser verwünschte Ostwind , der den Hallturm wie mit einem wunderwirkenden Mantel umhüllte . War der heilige Peter kein verläßlicher Patron der Seinen ? Oder gibt es Dinge , wider die auch der stärkste aller Heiligen machtlos ist ? Denn kaum begann die silberne Riesenschlange im Tal der Saalach dick zu werden , da sah man auf dem ebenem Lande draußen aus dem reinen Blau des heißen Sommertages ein paar kleine , weiße , kugelige Wölklein herauswachsen , die von Minute zu Minute größer wurden . Die nordwestliche Ferne umdunstete sich . Bei der Donau drunten , dort , wo Ingolstadt und Regensburg liegen mußten , schob sich eine stahlblaue Wolkenbank über den Horizont herauf . Dieses dunkle Blau der Ferne wurde bräunlich , gelblich , wurde silbergrau vom Regen , vom fallenden Hagel des nahenden Gewitters . Als begänne die reine Luft über den Bergen diesen Himmelsaufruhr der Ferne schon zu fühlen , so fing der schöne Ostwind in Unruh zu wechseln an . Martin Grans erklärte : Das von der Donau herziehende Gewitter würde über dem Untersberge stehen , ehe der Abend käme ; und durch den niedergeschlagenen Wald müßte ein Sturmweg ausgebrannt sein , bevor in der Nacht die löschenden Regenströme fielen . Beim Fuchsenstein entwickelte sich ein aufgeregtes , wirr durcheinander zappelndes Leben . Zwanzig Freiwillige , in den Bergen geborene Leute , wurden aufgerufen und mit den Ramsauern unter den Befehl des Malimmes gestellt . Und während die sechsundzwanzig durch den Wald davonkletterten , gegen den Untersberg hinauf , fingen die Hornaußin und die Landshuterin fleißig zu brüllen an , und die Blide mit ihrem großen , surrenden Schleuderbeutel begann in hohem Bogen die brennenden Pechfässer zu werfen . Wie braune Tageskometen mit langen Rauchschwänzen flogen sie durch die schöne Sonne , fielen vor der Berchtesgadnischen Mauer in den