- ich war heimgekommen . Und ich wußte es jetzt : Nirgends sonst gabs noch eine Heimstatt für mich denn bei ihr . Wohl waren wir beide betagt , - hatten das Leben hinter uns , - aber wir wollten noch eine geruhige Weil - einen frohen Feierabend und einen friedlichen Heimgang . Und so nahm das Kathreinl meinen Verspruch , daß ich bald wiederkäm und eine längere Zeit bei ihr bliebe ; und nachmals , wenn unsere Tag ins Neigen gingen , wollten wir dieselben miteinander in dem ehrwürdigen Bauernhof beschließen und in einer Erdenkammer zum ewigen Schlaf gebettet werden . Drei Tage blieb ich bei der liebsten Frau ; dann fuhr ich wieder zurück in die Stadt mit dem festen Willen , bald wiederzukommen . Und das Kathreinl gab mir noch die Hand in den Wagen und sagte : » Bleib nit z ' lang , - i zähl jede Stund ! « Dann zogen die Pferde an , und ich winkte noch einmal zurück , indes sie still stand und , die Augen mit der Hand beschattend , mir nachsah , bis das Gefährt hinter der Kirche um die Ecke bog und aus dem Markt fuhr . Abend Es war im Erntemonat desselben Jahres , als mein väterlicher Freund und lieber Hausgenoß eines Morgens nicht , wie gewohnt , erschien ; und da ich in seine Stube trat , lag er bleich und still auf seinem Lager und hatte die Augen für immer geschlossen . Voll Leid und tiefer Trauer ließ ich ihn an der Seite seines besten Freundes hinabsenken und halte sein Angedenken still in Ehren , indem ich mir sein Leben und Wandeln zu Nutz und Frommen fleißig vor Augen führe und ihm nachzufolgen trachte . Nicht lange nach ihm ging auch mein liebster Lehrer und Gönner , mein teuerer Meister Eberhard , zur Ruh , und ich stand einsam an seinem Grab und bedachte die Vergänglichkeit unserer Tage . In dieser Zeit wurde mein Verlangen nach dem geruhigen Haus zu Sonnenreuth und nach dem schmalen Gesicht mit den gebleichten Schläfen , nach meiner Kathrein , wieder lebendig . Und da ich einen meiner Gehilfen als eine gute , verlässige Kraft erkannt hatte , übergab ich ihm die Leitung der Werkstatt , die Sorge fürs Haus und eine Summe Geldes mit allen Vollmachten , dafür mir der treue Bursch von Herzen ergeben und dankbar war . Und nach solchem packte ich mein Sach zusammen und reiste heim . Das Kathreinl stand schon mit zwei Mägden vor dem Postgarten , daß meine War gut heim käm , und wir folgten über den Freithof nach und redeten kein Wort . Und da wir Hand in Hand über die Schwelle traten , sagte sie bloß : » Grüaß di Gott daheim - und sei gern da . « Beim großen Gott - ja ! Ich war gern da , ich war daheim . Jeder Tag ließ mich aufs neue die glückhafte Ruhe und den stillen Frieden der Heimat kosten , und meine Zeit und Weil war voll reiner Zufriedenheit . Einmal noch habe ich mich aufgemacht und bin den Weg gen Bayrischzell gewandert und zum Haus des alten Thomas . Doch das war ganz verfallen und verödet , so daß ich , einer trüben Ahnung folgend , meine Schritte zu dem Freithof lenkte . Da stand ein einfaches Kreuz in einem Winkel , und ein ärmlichs Ränklein Epheu schlang sich darum und wand sich um das Täflein , darauf zu lesen stand : » Hier ruhet der ehr und tugendreiche Jüngling Thomas Beham , Bildlmacher von Bayrischzell . Gestorben den zehnten Februaris 1820 . R.I.P. « Ergriffen stand ich vor dem kleinen Hügel , bis mein Blick nach einer Weil auf einer Inschrift des armseligen Kreuzes daneben haften blieb : » Hier liegt das Tiroler Katherl begraben . Sie starb den Jakobitag des Jahres 1809 im Alter von hundertundsieben Jahren . R.I.P. « Still verließ ich die Ruhstatt der beiden Toten und machte mich langsam auf den Heimweg . Es war schon dunkel , als ich heimkam , und das Kathreinl saß einsam auf der alten Hausbank und wartete auf mich . Ein Schreiben meines Gehilfen war gekommen , darin er mir zu wissen machte , daß eine sieben Schuh hohe Madonna für den Frauenaltar der Kirche zu Brunntal befohlen wär . Also mußte ich unverhofft den andern Tag Abschied nehmen , dabei ich aber der liebsten Frau versprach , bis zur Weihnacht wieder bei ihr zu sein . Fuhr derhalben sogleich dahin und machte mich an das Werk , welches nachmals als mein bestes gepriesen ward . Tag um Tag saß ich nun dabei , formte die hohe Gestalt der himmlischen Frau , schnitt ihr faltigs Gewand , ihr Szepter , ihre feinen , adligen Händ und stemmte und schabte , schnitzte und schliff an dem Antlitz der Jungfrau , indes meine Gedanken sich in ferne Zeiten verloren und gemach sich in ein geruhiges Glück einspannen . Es war schon später Herbst , als ich endlich mit dem Glasplättlein den letzten Strich schabte und starr und unverwandt das Angesicht der hohen Frau betrachtete , dessen Linien mich leise an ein wohlbekanntes Frauenbild gemahnten und das Heimweh nach ihm weckten . Also daß ich mich beeilte und die Statue dem Meister Dreßler zur Bemalung übergab , der sie darnach zum Fest Mariä Empfängnis in die Kirche nach Brunntal verbrachte . Und da man mir meine achthundert Gulden für das Bildwerk ausgezahlt hatte , fuhr ich fröhlichen Sinnes zurück nach Sonnenreuth , um mit meiner Kathrein die Weihnacht zu feiern . Ein tiefer Winter war derweil gekommen , und der Schnee lag glänzend über der keimenden Saat , beugte die Bäume unter seiner Last und bedeckte die Dächer und Türme mit hohen , in der Sonne blitzenden Hauben . Die Wege waren schuhtief verschneit , und männiglich steckte den Kopf fest unter den Mantelkragen und zog die Pelzhaube tief über die Ohren . Meine Kathrein aber kniete vor dem