allein an Deck . Noch war keine Angst in sein Herz gekommen , so toll es es auch im Wirbel ging , noch stand er fest , so glatt auch das Deck war , und so schwer auch die Wogen über den Setzbord schlugen ! Noch immer lachte er des Sturmes und wünschte seinen Jungen herbei , damit er ihm zeigen könne , was Klüsen heiße . Auch als die Fock knallend aus den Lieken flog , verzog er nicht das Gesicht , denn er hatte noch eine Fock . Ohne sich zu besinnen , sprang er die Treppe hinunter , riß das Segel aus der Dielenkoje und holte es mit zwei Reffen auf . So ging es wieder einige Stunden gut , bis es Abend wurde und die Nacht jählings hereinbrach , eine sternenlose , sargdunkle Nacht . Da ritt der Sturm mit elf bis zwölf Windstärken sein schweißbedecktes , mit weitgeöffneten Nüstern und fliegender Mähne einherbrausendes Roß , die Nordsee , und selbst die Sturmsegel , die winzigen Lappen , wollten nicht mehr halten . Wenn sie nicht alles Tuch in die Winde fliegen sehen wollten , mußten die Segel gänzlich weggenommen werden . Da wendeten sie das letzte Mittel an , das ihnen noch blieb , sie machten die Sturmanker zurecht . Backbords schäkelten sie einen unklaren Anker auf dreißig Faden Kette und steckten sie an siebzig Faden Kurrleine , steuerbords taten sie zwei von den eisernen Kurrenkugeln auf fünfzig Faden Kette . Dieses Notgewicht sollte den Ewer mit dem Kopf am Winde halten und verhüten , daß er schlüge und von den Seen kopfheister geworfen würde . Es ging auch alles klar : der Ewer lag gut am Winde . Dicht war er auch noch , wie die Peilung der Pumpen ergab . So jagte der Sturm sie die ganze Nacht ; er wirbelte den Ewer vor sich her wie der Jäger das Wild , das er lahmgeschossen hat . Die ganze Nacht trieben sie auf der wilden , hungrigen See , durchnäßt und ermattet , aber in eiserner Wachsamkeit . Sie waren allein auf der Doggerbank , nirgends war ein Schiff zu sichten , und sie sahen kein anderes Licht als die Strahlen des Elmsfeuers , das in Büscheln auf den Toppen der Masten und an den Blöcken der Gaffeln geisterhaft glomm , bis eine Hagelflage es verlöschte . Gegen Morgen , als sie etwas gegessen hatten und der Junge wieder mit an Deck stand , weil es schien , als flaute der Sturm ab , bekam der Ewer eine schwere Sturzsee über , die wie ein Felsen gegen den Steven schlug und verheerend über das Deck brandete und schäumte . Die Fischer fühlten sich emporgehoben und verloren den Grund unter den Füßen , sie mußten schwimmen und spülten hin und her , daß sie glaubten , der Ewer sei schon in die Tiefe gedrückt . Es war nichts mehr zu machen ! Klaus Mewes hatte sich gerade wieder aufgerichtet , - da schrie er gellend auf , denn eine schwere , kreißende , ungeheure See hing wie ein Berg , wie ein Eisberg steil über ihm und senkte sich ehern . » Holt jo fast , holt jo fast ! « rief er schrill , aber der Lärm des Wassers und des Windes drängte ihm die Worte in den Mund zurück und erstickte sie . Dann schleuderte die See ihn wie Gerümpel zur Seite und warf ihn gegen das Nachthaus , daß ihm Hören und Sehen vergehen wollte . Als der Ewer die Sturzsee überstanden hatte und sich wieder mit den kleinen Dwarsläufern abriß , hing Kap Horn mit zerrissenem Ölzeug und blutendem Gesicht in Lee an den Wanten , von Hein Mück war aber nichts mehr zu sehen , und mit ihm war auch das Boot vom Deck verschwunden : zerrissen lagen die Ketten auf den Luken . Sie suchten die See mit den Augen ab und warfen den Rettungsring über Bord , aber obgleich es schon einigermaßen hell geworden war , konnten sie doch weder Hein Mück noch das Boot entdecken . Nur wilde , graue See war ringsum : der Junge war weg ... » Dat duert bloß een Ogenblick , denn ist ut « , sagte Kap Horn tröstend , der nach achtern gekommen war und sich bei seinem Schiffer hingestellt hatte . Klaus Mewes gab keine Antwort , er blickte immer noch über die See und suchte seinen Speisemeister . Was sollte er sagen , wenn die Mutter angeweint kam und ihn fragte , wo er ihren Jungen gelassen hätte ? * * * » Goh man dol , Kap Horn , hier up Deck ist nix mihr « , rief Klaus , aber Kap Horn schüttelte den Kopf und blieb bei ihm . Wenn es zum Sterben gehen sollte , - und es sah ja so aus , wollte er nicht in der verschlossenen Kajüte ersticken , sondern frei in der See ertrinken : bis es aber so weit war , wollte er bei seinem Schiffer ausharren . Klaus Mewes gab noch nichts verloren , wenn er auch nicht mehr lachte , sondern ein ernstes Gesicht machte . Wie ein Wiking trotzte er der See , wie ein Löwe verteidigte er seinen Posten am Ruder , wie ein Hagen hielt er aus . Er verband seinem Knecht die blutende Stirn und streichelte Seemann das nasse Fell , er sah von Zeit zu Zeit die Pumpen nach und tat alles , was sich noch tun ließ bei solcher Gelegenheit . Er dachte an Hein Mück und dessen arme Mutter , an Störtebeker und an Gesa , aber an Bleiben dachte er nicht . Ein englischer Trawler kam in Sicht , ein Huller , das erste Schiff seit zwei Tagen . Aber der lag beigedreht und hatte genug mit sich selbst zu tun . Dennoch hätte er vielleicht geholfen , wenn Klaus Mewes die Notflagge gezeigt hätte , aber Klaus Mewes dachte nicht daran . Sich von einem Ingelschmann ins