war auch dieser letzte Behälter geöffnet . Er hatte denselben Inhalt wie die andern vier . Da beugte sich Sebulon ganz so , wie sein Bruder es vorher , nur aus ganz anderem Grunde , gemacht hatte , tief nieder , legte sein Gesicht in beide Hände und begann zu weinen . Seine Brust arbeitete konvulsivisch . Wir Andern verhielten uns still . Nach einer Weile stand er mit einem plötzlichen Rucke auf , sah sich um , als ob er aus einem Traume erwache und rief in zornigem Tone : » Wie sagte ich ? Wie habe ich gesagt ? Er sei da , unser Vater , unser Vater ? Verrückter Kerl , der ich bin ! Von dem alten Lump ist längst keine Faser , kein Atom , kein Stäubchen mehr übrig ! Nur die Schande hat er uns gelassen , die Schande ! Und den Trieb zum Bösen hat er uns vererbt , den Drang zum Mord , zur Selbstvernichtung ! Das ist Alles , was wir ihm zu verdanken haben , Alles , Alles ! Und das will Vater gewesen sein und hat sich Vater genannt ! Pfui ! « Er spuckte dreimal aus und wendete sich von uns , sich zu entfernen . Aber schon nach wenigen Schritten blieb er stehen , drehte sich nach uns um und sagte : » Mrs. Burton , ich verzichte auf die Schreibereien . Ich mag sie nicht . Ich schenke sie Euch , hört Ihr es , Euch , nur Euch ! Mit einem jeden Andern würde ich um sie kämpfen , sogar mit Old Shatterhand . Euch aber will ich sie überlassen , ohne daß ich Etwas dafür verlange . Sie sind also Euer Eigentum . Macht damit , was Euch beliebt ! « Hierauf wendete er sich wieder von uns ab und schritt davon , in den Wald hinein , hinter dessen Bäumen er verschwand . » Törichter Mensch ! « sagte sein Bruder , der ihm , ebenso wie wir , nachgeschaut hatte . Weiter sagte er nichts . Das Herzle hatte nun eigentlich jetzt das Essen zu bereiten ; sie tat es aber nicht . Sie wollte zunächst wissen , was für ein Schatz es war , den wir da ausgegraben hatten . Ich bat vor allen Dingen Pappermann , noch einmal tiefer zu graben , der Ueberzeugung wegen , daß nicht etwa auch heut wieder Etwas liegen gelassen werde . Hariman Enters erbot sich sofort , ihm dabei zu helfen . Sie gingen noch volle zwei Fuß tiefer , fanden aber nichts und schütteten dann die Bodenöffnung vollständig wieder zu . Inzwischen untersuchte ich mit meiner Frau den Inhalt sämtlicher fünf Gefäße . Es waren lauter zusammengebundene Hefte , Manuskripte , geschrieben von Winnetous eigener , mir wohlbekannter Hand . Man kann sich wohl denken , welchen Eindruck diese kalligraphisch nicht schönen , aber außerordentlich charakteristischen Schriftzüge auf mich machten . Die Buchstaben hatten peinlich genau dieselbe Lage und Länge . Die Schrift war klar und harmonisch , wie die Seele dessen , von dessen Hand sie stammte . Er hatte eigentlich nicht geschrieben , sondern gezeichnet und gemalt . Kein einziger Fleck , keine Spur irgend einer Unsauberkeit war da zu sehen . So war er ja immer , und so war er in Allem gewesen ! Und das waren nicht etwa nur zwanzig , dreißig , fünfzig Seiten , sondern viele , viele hunderte ! Wo hatte er sie geschrieben ? Auf den Umschlägen einiger Hefte war es zu sehen . Da stand : » Geschrieben am Nugget-tsil « - - » Geschrieben am Grabe meines Vaters « - - » Geschrieben am Grabe Klekih-petra ' s « - - » Geschrieben in Old Shatterhands Wohnung am Rio Pecos « - - » Geschrieben bei Tatellah-Satah « - - » Geschrieben für meine roten Brüder « - - » Geschrieben für meine weißen Brüder « - - » Geschrieben für alle Menschen , die es gibt . « Viele der Hefte aber waren ohne solch eine Ueberschrift . Die Sprache war englisch . Wo ihr der richtige , individuelle Ausdruck fehlte , traten die bezeichnenderen indianischen Worte an ihre Stelle . Er hatte von mir so manchen deutschen Ausdruck gehört und im Gedächtnis festgehalten . Nun war es so rührend , zu sehen , wie sehr und wie gern er sich in diesen Blättern befleißigt hatte , an hierzu geeigneten Orten diese Ausdrücke in Anwendung zu bringen . Am Schlusse des letzten Heftes fand ich ein vollständiges Inhaltsverzeichnis und einen an mich gerichteten Brief . Das Inhaltsverzeichnis werde ich später veröffentlichen . Der Brief lautete folgendermaßen : » Mein lieber , lieber , guter Bruder ! Ich bete zum großen , allgütigen Manitou , daß Du kommst , um Dir diese Bücher zu holen . Und wenn Du sie beim ersten Male verfehlst , weil Du nicht tief genug gräbst , so ist es noch nicht an der Zeit , daß sie in Deine Hände kommen . Dann werde ich nicht eher aufhören im Gebete , bis Du endlich doch noch kommst und sie findest . Denn sie sind nur für Dich , für keinen Andern . Ich habe dieses mein Vermächtnis nicht bei Tatellah-Satah niedergelegt , weil er Dich nicht liebt . Aber auch hier sind seine Gründe edel , wie immer . Und ich habe es auch keinem Andern anvertraut , weil mein Vertrauen zum allmächtigen und allweisen Vater der Welten größer ist , als zu den Menschen . Ich grabe diese Bücher tief in die Erde , denn sie sind wichtig . Höher oben liegt ein zweites Testament , um dieses hier zu verbergen und zu beschützen . Ich werde Dir nur von diesem oberen sagen , damit das untere liegen bleibe , bis seine Zeit gekommen ist . Und ich habe Tatellah-Satah mitgeteilt , daß hier zwei Vermächtnisse für Dich liegen , damit sie , wenn Du ja nicht kommen solltest , trotzdem nicht verloren gehen .