frohlockender Miene sein Licht hinter dem Ofen hervor , der Schmied - denn dies war wirklich der so plötzlich erschienene Mann - sprang mit einem Satze zum Fenster . Valerius , im Anschauen desselben verloren , sah ihn das blitzende graue Auge wie einen Pfeil hinabschießen - » es wird Graf Stanislaus endlich sein ! « schrie der Graf ; ein flüchtiges Licht der Befriedigung flog über das Antlitz des Schmiedes und er nickte leicht mit dem Kopfe . Darauf ging er raschen Schrittes zum Stuhle der alten Gräfin , nahm seine dunkelrote Pelzmütze ab , bückte sich , tief und küßte den Saum ihres schwarzen Gewandes . Sein dichter Busch brauner Haare , hie und da schon mit grauen vermischt , fiel ihm dabei ins Gesicht , und er murmelte einige unverständliche Worte . Der Graf rief indes nach Cölestin , er solle eine Flasche Champagner und einen der Gefangenen herbeibringen . Die Bedienten schleppten einen der Kürassiere in den Saal . Er fiel um Gnade flehend vor dem Grafen auf die Knie , und aus einem mit Haaren verwachsenen schwarzen Gesichte sahen seine trüben , ausdruckslosen Augen starr auf die Hand seines neuen Herrn . Cölestin schenkte den Wein ins große Bierglas , dessen sich der Graf zu bedienen pflegte ; dieser aber spannte den Hahn eines Pistols und schoß die Ladung dem Gefangenen ins Gesicht . Das arme Schlachtopfer duckte in Todesangst den Kopf nieder , und die Kugel riß ihm das Hinterhaupt entzwei , daß das Hirn weit umherspritzte . Schreiend stürzte Hedwig herbei , um dem Vater in den Arm zu fallen , es war aber zu spät . Der Graf stieß einen Fluch aus und wollte den Körper des Unglücklichen mit dem Fuße fortstoßen , ein heftiger Schmerz erinnerte ihn aber an seine Krankheit ; er griff zur Entschädigung nach dem vollen Glase und trank es in einem Zuge leer . Als die Bedienten den Zerschossenen hinausschleiften , erschien Graf Stanislaus an der Tür . Kopfschüttelnd und mit trübem Ausdrucke im Gesicht übersah er noch schnell , was sich eben ereignet hatte . Lärmend hieß ihn der Graf willkommen , erzählte ihm , was vorgefallen , und mit den Worten : » Zu rechter Zeit kam der Schmied « , wollte er sich eben zu diesem herumwenden , als er erst bemerkte , daß dieser Mann schon verschwunden sei , ohne einen Dank abzuwarten . Stanislaus , ein hoch gewachsener junger und blühender Mann , erklärte , die Abreise nach Warschau müßte sogleich vor sich gehen , die Streifkorps drängten immer häufiger hinüber , jede Stunde Aufschub sei Verlust , man würde ohnedies nur bei großem Glücke ungefährdet passieren können . Cölestin brachte die Nachricht , der Schmied mit seinen Leuten sei aufgebrochen , um die Straße für die gnädige Frau Gräfin rein zu halten , die Reise müsse aber sogleich angetreten werden , Magyac kenne die Tour genau , welche zu nehmen sei , an ihn solle man sich halten . Der Graf runzelte die Stirn und gab Befehl aufzubrechen . Binnen einer halben Stunde saß er im ersten Wagen , wohl verpackt und rings mit Waffen umgeben , im zweiten fuhren die Damen , Stanislaus ritt auf der einen Seite , Valerius und Joel trabten auf der andern , dieser mit dem traurigsten Gesichte von der Welt . Magyac eröffnete den Zug mit der Hälfte von den mit Stanislaus angekommenen Ulanen , die andere Hälfte mit den berittenen Bedienten des Grafen schloß ihn . Das wüste Herrnhaus mit den toten Russen blieb einsam zurück , die übrigen Gefangenen waren mit dem Schmiede und seinen Leuten verschwunden . Es ging im raschen Trabe durch den Wald hin , an keinem Wagen war ein Licht zu sehen , hie und da nur fielen glänzende Mondesstrahlen auf den schwarzen Trupp , und von Zeit zu Zeit hörte man jenes Drosselpfeifen tief aus dem Walde , das Magyac an der Spitze des Zuges beantwortete . Von den Reitern konnte niemand sprechen , weil sie mit größter Sorgfalt auf Weg und Pferde achten mußten , alle Minuten stolperte ein Tier über die Baumwurzeln . Nur Hedwig tat einige leichte Fragen an Stanislaus , und fragte Valerius und Joel , ob niemand verwundet worden sei . » Ich seh ' ja durch den Mondschein , lieber Joel , daß Sie ein klägliches Gesicht machen ? Pfui doch , solch ein rascher Schütze , solch ein frischer Reiter . « Joel seufzte tief auf , und Valerius sah bei einem Blicke des Mondes ein schmerzliches Lächeln über sein Gesicht gleiten . Valerius selbst war aber zu voll von dem , was vorgefallen . Das Bild des Schmiedes von Wavre wich nicht von den Augen seines Gedächtnisses . Er erschien ihm wie die verkörperte schmiegsame Kraft dieser ganzen Nation . All jenes verschlossene , verschlagene Element dieses Volkes mit den blitzraschen Bewegungen , jene vornehme Armut , jener ganze Anstrich von heldenmütigen Brigants , den eine insurgierende Nation von dieser fliegenden Tapferkeit leicht erhält , all dies ursprüngliche Sarmatentum erblickte er in diesem Manne . Wie er dastand - sprach die Erinnerung eifrig in ihm fort - als sein bloßer Anblick den Sieg entschieden hatte , in dem kurzen weißgrauen Kittel , den der breite Ledergurt straff zusammenzog ! Die Muskeln seiner Hand spielten wie heiße Sonnenstrahlen an der Büchse - und unter dem Pulverdampfe von des Grafen Mordpistole verschwand er wie ein Geist , er war der Urgeist einer Nation . Er ertappte sich lächelnd auf diesen Übertreibungen , konnte und wollte sich aber nicht davon losmachen . Das Leben wird erst unser , wenn es sich wieder erzeugt in unserm Innern , darum sind die Dichter die reichsten Menschen , darum sind sie kleine Götter , die alle Tage eine Welt schaffen und sich mit dem Troste zu Bette legen : Siehe , es war alles sehr gut . Im Sturm der Dinge selbst sind wir die Beute der Dinge ; ist es doch ein Hauptglück des gegenwärtigsten