herbeiführte . Besonders der neben seinen andern Apartheiten auch durch langes weißes Haar und große Leuchteaugen ausgezeichnete Professor hatte - gestützt auf einen unentwegten Peter-Cornelius-Enthusiasmus - alles hinzureißen gewußt . » Ich bin glücklich , noch die Tage dieses großen und einzig dastehenden Künstlers gesehen zu haben . Sie kennen seine Kartons , die mir das Bedeutendste scheinen , was wir überhaupt hier haben . Auf dem einen Karton steht im Vordergrund ein Tubabläser und setzt das Horn an den Mund , um zu Gericht zu rufen . Diese eine Gestalt balanciert fünf Kunstausstellungen , will also sagen netto fünfzehntausend Bilder . Und eben diese Kartons , samt dem Bläser zum Gericht , die wollen sie jetzt fortschaffen und sagen dabei in naiver Effronterie , solch schwarzes Zeug mit Kohlenstrichen dürfe überhaupt nicht soviel Raum einnehmen . Ich aber sage Ihnen , meine Herrschaften , ein Kohlenstrich von Cornelius ist mehr wert als alle modernen Paletten zusammengenommen , und die Tuba , die dieser Tubabläser da an den Mund setzt - verzeihen Sie mir altem Jüngling diesen Kalauer - , diese Tuba wiegt alle Tuben auf , aus denen sie jetzt ihre Farben herausdrücken . Beiläufig auch eine miserable Neuerung . Zu meiner Zeit gab es noch Beutel , und diese Beutel aus Schweinsblase waren viel besser . Ein wahres Glück , daß König Friedrich Wilhelm IV. diese jetzt etablierte Niedergangsepoche nicht mehr erlebt hat , diese Zeit des Abfalls , so recht eigentlich eine Zeit der Apokalyptischen Reiter . Bloß zu den dreien , die der große Meister uns da geschaffen hat , ist heutzutage noch ein vierter Reiter gekommen , ein Mischling von Neid und Ungeschmack . Und dieser vierte sichelt am stärksten . « Alles nickte , selbst die , die nicht ganz so dachten , denn der Alte mit seinem Apostelkopfe hatte ganz wie ein Prophet gesprochen . Nur Melusine blieb in einer stillen Opposition und flüsterte der Baronin zu : » Tubabläser . Mir persönlich ist die Böcklinsche Meerfrau mit dem Fischleib lieber . Ich bin freilich Partei . « Die Abende bei den Barbys schlossen immer zu früher Stunde . So war es auch heute wieder . Es schlug eben erst zehn , als Rex und Czako auf die Straße hinaustraten und drüben an dem langgestreckten Ufer Tausende von Lichtern vor sich hatten , von denen die vordersten sich im Wasser spiegelten . » Ich möchte wohl noch einen Spaziergang machen « , sagte Czako . » Was meinen Sie , Rex ? Sind Sie mit dabei ? Wir gehen hier am Ufer entlang , an den Zelten vorüber bis Bellevue , und da steigen wir in die Stadtbahn und fahren zurück , Sie bis an die Friedrichsstraße , ich bis an den Alexanderplatz . Da ist jeder von uns in drei Minuten zu Haus . « Rex war einverstanden . » Ein wahres Glück « , sagte er , » daß wir uns endlich mal getroffen haben . Seit fast drei Wochen kennen wir nun das Haus und haben noch keine Aussprache darüber gehabt . Und das ist doch immer die Hauptsache . Für Sie gewiß . « » Ja , Rex , das für Sie gewiß , das sagen Sie so spöttisch und überheblich , weil Sie glauben , Klatschen sei was Inferiores und für mich gerade gut genug . Aber da machen Sie meiner Meinung nach einen doppelten Fehler . Denn erstlich ist Klatschen überhaupt nicht inferior , und zweitens klatschen Sie geradeso gern wie ich und vielleicht noch ein bißchen lieber . Sie bleiben nur immer etwas steifer dabei , lehnen meine Frivolitäten zunächst ab , warten aber eigentlich darauf . Im übrigen denk ich , wir lassen all das auf sich beruhn und sprechen lieber von der Hauptsache . Ich finde , wir können unserm Freunde Stechlin nicht dankbar genug dafür sein , uns mit einem so liebenswürdigen Hause bekannt gemacht zu haben . Den Wrschowitz und den alten Malerprofessor , der von dem Engel des Gerichts nicht loskonnte - nun die beiden schenk ich Ihnen ( ich denke mir , der Maler wird wohl nach Ihrem Geschmacke sein ) , aber die andern , die man da trifft , wie reizend alle , wie natürlich . Obenan dieser Frommel , dieser Hofprediger , der mir am Teetisch fast noch besser gefällt als auf der Kanzel . Und dann diese bayrische Baronin . Es ist doch merkwürdig , daß die Süddeutschen uns im Gesellschaftlichen immer um einen guten Schritt vorauf sind , nicht von Bildungs , aber von glücklicher Natur wegen . Und diese glückliche Natur , das ist doch die wahre Bildung . « » Ach , Czako , Sie überschätzen das . Es ist ja richtig , wenn sie da so die Würstel aus dem großen Kessel herausholen und irgendeine Loni oder Toni mit dem Maßkrug kommt , so sieht das nach was aus , und wir kommen uns wie verhungerte Schulmeister daneben vor . Aber eigentlich ist das , was wir haben , doch das Höhere . « » Gott bewahre . Alles , was mit Grammatik und Examen zusammenhängt , ist nie das Höhere . Waren die Patriarchen examiniert oder Moses oder Christus ? Die Pharisäer waren examiniert . Und da sehen Sie , was dabei herauskommt . Aber , um mehr in der Nähe zu bleiben , nehmen Sie den alten Grafen . Er war freilich Botschaftsrat , und das klingt ein bißchen nach was ; aber eigentlich ist er doch auch bloß ein unexaminierter Naturmensch , und das gerade gibt ihm seinen Charme . Beiläufig , finden Sie nicht auch , daß er dem alten Stechlin ähnlich sieht ? « » Ja , äußerlich . « » Auch innerlich . Natürlich ' ne andre Nummer , aber doch derselbe Zwirn - Pardon für den etwas abgehaspelten Berolinismus . Und wenn Sie vielleicht an Politik gedacht haben , auch da ist wenig Unterschied . Der alte Graf ist lange nicht so liberal und der