und in einer Viertelstunde , vielleicht noch schneller , wieder unten am Abhang sein mußten . Und wirklich , nicht lange mehr , so sahen sie ' s lichter werden ( das Unwetter hatte nachgelassen ) und hörten , trotzdem der Schnee den Ton dämpfte , wie Uncas mit immer lauter werdendem Gebläff ihre Hoihorufe beantwortete . » Gott sei Dank ! « so klang es jetzt von ihrer aller Lippen , und zwei Minuten später , so war man aus dem Schluchtwege heraus und erblickte Ruth und das Gefährt , ohne daß man lange danach gesucht hätte . Denn es fielen jetzt keine Flocken mehr , die Luft war klar geworden , und nur an der Schneemasse , die bis hoch über die Radachsen lag , sah man , wie mächtig eine halbe Stunde lang der von der Ebene kommende Wind den Schnee gegen das Gebirge getrieben hatte . » Gott sei Dank ! « wiederholte Toby , während er die Schwester umarmte . » Das wär uns beinahe ein teurer Baum geworden - ein teurer Baum und ein teures Fest . Und welch ein Glück , daß du tapfer ausgehalten hast ! Wie hätt ich vor den Vater hintreten sollen ! Aber das soll nicht wieder vorkommen , daß ich dich so allein lasse . Hast du dich geängstigt ? « » Nein ! Wenigstens nicht um mich . Wir hätten den Weg gefunden , nicht wahr , Uncas ? Aber ihr , du ! Nun , Gott sei Dank , es ist vorüber . « Inzwischen waren auch Kaulbars und Lehnert herangetreten und luden den so mühsam eroberten Baum auf den Wagen . Es war aber noch zu früh dazu , ja , man mußte den Baum wieder herabnehmen , weil man sich überzeugte , daß der Schnee , drin der Wagen stak , erst fortgeschaufelt werden müsse . Das bot Schwierigkeiten genug , und um so mehr , als man in der Eile und Erregung das Grabscheit oben im Walde hatte liegenlassen . Indessen Lehnert wußte auch hier zu helfen . Er nahm ein paar Bretter heraus , welche die Rückenlehne des Wagens bildeten , und begann mit Hilfe derselben die Räder freizuschaufeln , wobei Kaulbars und Toby natürlich halfen . Und nun konnte man das Gefährt mit verhältnismäßiger Leichtigkeit wenden und ihm die Richtung auf den Rückweg geben . Einen Augenblick noch , so setzte sich Uncas an die Spitze , den Weg durch den Schnee hin ausspürend , und ihm folgend , mahlte das Fuhrwerk langsam heimwärts auf Nogat-Ehre zu . Neunundzwanzigstes Kapitel Erst um sechs Uhr - es war längst dunkel geworden , und nur der Schnee leuchtete - trafen unsere Freunde wieder in Nogat-Ehre ein , wo man ihrer Rückkehr seit Stunden in banger Erwartung entgegengesehen hatte , selbst von seiten Obadjas , zu dessen Lebensregeln es sonst gehörte , sich nicht mit Vorängstigungen zu quälen . Seltsamerweise war es diesmal Maruschka gewesen , die , während all dieser Stunden voll Angst und Sorge , das recht eigentliche Trosteswort gefunden hatte . Sie seien ausgefahren , so hatte die gute Alte gesagt , um dem Christkind einen Baum zu holen , und das Christkind werde die liebe Ruth auch schützen . Denn Ruth sei ein darling und ein pet , im Himmel geradesogut wie auf Erden , und die liebe Jungfrau Maria - Maruschka vergaß in ihrer Aufregung ganz Obadjas Gegenwart - , die liebe Jungfrau Maria wisse nur zu gut , daß die alte Maruschka ohne Ruth nicht leben könne , und werd ihr das nicht antun . So hatte Maruschka getröstet , und Obadja , der wohl wußte , was ein treues und gläubiges Herz bedeute , auch wenn es in der alten Irrlehre stecke und seine Gebete bloß an die Heilige Jungfrau richte , hatte der Alten Hand genommen und mit bewegter Stimme gesagt : » Ja , Maruschka , du hast recht . Das Christkind wird unsere Kinder schützen . « Zeuge dieser Unterredung war auch L ' Hermite gewesen , der schon seit Stunden unten war und beinah noch ängstlicher als die beiden Alten nach dem Gefährt auslugte , noch ängstlicher , weil sein Vertrauen auf eine Hilfe von oben , trotzdem er eben ein Christkind in Wachs bossiert und es einer gleichfalls von ihm herrührenden Jungfrau Maria in den Schoß gelegt hatte , ziemlich gering war . Nebenher aber verschwor er sich ein Mal über das andere gegen diesen preußisch-hyperboreischen Tannenbaumkultus , der an all dieser Angst und Sorge törichterweise schuld sei . Warum es denn durchaus eine Tanne sein müsse ? Das sei nichts als eine bêtise allemande , deren Vater oder Urahne niemand anders als dieser wohlgenährte » Monsieur Luther « sei , ein Mann ohne Taille , so recht der Typus eines Deutschen , mit seinen Päffchen und seinem tête carrée . Schade , daß man ihn nicht zu Beginn seiner Laufbahn verbrannt habe , denn Ruth sei wichtiger als Luther . Dieser Groll über den Tannenbaumkultus hielt aber nicht vor , ja , ging rasch in sein Gegenteil über , als man , tags darauf , den Baum ohne Rücksicht auf seine Wurzellosigkeit in eine mit kleinen Steinen und Erde gefüllte Tonne gepflanzt und beides , Baum und Tonne , neben dem in der großen Halle stehenden Eßtisch aufgestellt hatte . Ihn hier auszuschmücken war , von Stund an , die Freude aller , am meisten L ' Hermites . Bis zu Mannshöhe machte sich dies leicht , dann aber mußten Stehleitern aushelfen , um zunächst , und zwar oben an der Spitze des Baumes , einen Weihnachtsengel anzubringen . L ' Hermite , glücklich damit zustande gekommen , blieb eine Viertelstunde lang oben in seiner Höhe , während welcher Zeit Ruth und Maruschka hinaufreichten , was alles in den voraufgehenden Tagen ausgeschnitten , vergoldet und versilbert worden war . Lehnert und Toby aber beschäftigten sich mittlerweile mit Herstellung einer transparenten Krippe , in deren Vordergrund alle die bekannten auf Pappe geklebten