Marktbuden , der Vollendung des Akademiegebäudes , der Auskundschaftung eines Platzes für das Künstlerhaus der » Allotria « , Renovierung und Erweiterung alter Kirchen , Erbauung von Schulkasernen , Erhebung Schwabings zur Weltstadt , Umbau des Hofbräuhauses und des Landtagsgebäudes , » Sanierung der königlichen Kabinetskassa « , Ministerstürzerei u.s.w. Überall , wo ich angeklopft und sondiert habe , die nämliche Antwort : Warten ! Ich habe diesen Winter in Rom eine Denkschrift ausgearbeitet und an den Architekten- und Ingenieur-Verein nach München geschickt ; ich habe einigen Finanzgrößen Pläne und Rechnungen vorgelegt ; ich habe Fühlung gesucht mit den führenden Köpfen im Stadtbauamt ; ich habe Ministerialbeamte mit Anregungen bombardiert : Warten ! tönte es im Unisono - laut und leise . Das heißt , einige haben gar nicht getönt , sondern sind stumm geblieben bis auf den heutigen Tag . Das sage ich nur Ihnen . Nicht einmal Drillinger ist in alle meine Pläne und Bestrebungen eingeweiht . Ich machte ihm nur Andeutungen . Der hat genug mit sich selbst zu thun und wird mit seinem kleinen Zickzack-Schicksal und seinen unsinnigen Lebens-Experimenten und Liebeshändeln nicht fertig . Mich kann nur ein Mann der festen , geraden Linie verstehen . Drillinger ist das nicht , trotz oder wegen seiner naiven Irrwisch-Natur . Aber der sind auch Sie nicht mehr , mein verehrter Doktor Trostberg , seit Sie königsdichterlich flunkern , he ? Oder geht Ihre poetische Krumme bald wieder in eine logische Gerade über ? Oder läuft sie daneben her , bis sie sich in kurzem außer Atem gelaufen ? Dauert sie nicht länger , als Fürstengunst ? Als Ludwig ' sche Huld ? ... Darf man hoffen ? Warten ! Gut , warten wir in drei Teufels Namen der Dinge , die da kommen sollen . Dieses antike Pompeji , ein Provinznest nach unseren Maßbegriffen , sehen Sie , das war recht eigentlich eine Großstadt und eine Kunststadt zugleich . Was für ein großer , künstlerischer Zug in allem , selbst im Kleinsten und Alltäglichsten ! Diese Theater und Bäder und Hallen und Thore und Promenaden haben sicher kein provinzlerhaftes Spießer- und Krämer-und Bureaukratenvolk zu Urhebern und Nutznießern gehabt . Hier freute sich eine geistreiche , elegante Bürgerschaft ihres Daseins und das künstlerisch schöpferische Talent wurde seines Lebens und Schaffens froh . Eine Welt der Schönheit und der Freude auf einem Raum nicht größer , als eine Münchener Vorstadt ... Es ist mit der Kunststadt genau so wie mit der Großstadt . Was gibt einem Gemeinwesen den Charakter und die Bedeutung einer Großstadt ? Etwa bloß die Höhe der Einwohnerzahl ? Keineswegs ! Der Statistiker kann eine halbe Million Seelen nachweisen , und trotzdem sagt der Kulturforscher : Krähwinkel . Zehn oder zwanzig Dörfer und Märkte nebeneinander gelegt und verkehrs- und verwaltungsmäßig miteinander verbunden , geben eine große Stadt - aber keine Großstadt . Also was gibt einem großen bürgerlichen Gemeinwesen erst den Charakter einer wirklichen Großstadt ? Die großen Schulden etwa , das riesig anwachsende Budget , das fraktionsnärrische Parlamentspielen mit den endlosen Rede- und Rechthaberei-Turnieren der Stadtväter im Rathaus , wo jeder schließlich doch zuerst an den eigenen Sack denkt , wenn er sich als Vorsehung über das große Gemeindeportemonnaie hermacht ? Nein . Der Charakter der Großstadt kann nur aus dem großen Sinn der Bürgerschaft hervorwachsen , aus dem großen Sinn , der im Vereine mit dem weiten Blick und dem organisatorischen Genie der Verwaltung aller Hemmungen Herr wird und dem stockenden geistigen , künstlerischen , merkantilen und geselligen Verkehr neue und immer gewaltigere Schwungräder einsetzt . Und ähnlich verhält sich ' s mit der Kunststadt . Daß irgendwo ein Dutzend sehr guter , einige Dutzend guter , ein paar Hundert mittelmäßiger Ausüber irgend einer Kunst ihre Werkstätte aufschlagen und mit den Hilfs- und Nebengewerblern , den Modellen , Leinwand- , Farben- und Pinselhändlern , den Kritiken , den Atelierwanzen , den Bilderkrämern , Ausstellungs-Schacherern u.s.w. zusammenhausen und sich täglich mit der Frage quälen : was kunstwerkle ich nur heute gleich zusammen , um Sensation und Geld zu machen und die Kollegen zu verblüffen ? - das gibt noch lange keine Kunststadt . Aber das gibt eine Kunststadt , wenn Hoch und Niedrig , Reich und Arm , Meister und Schüler , Schöpfer und Kritiker und Händler , Verwaltung und Bürgerschaft von dem allbelebenden Kunstgeiste kräftiger Kulturentfaltung erfaßt und durchdrungen , miteinander wetteifern , schaffend und genießend , vorbereitend und ausnutzend , die höchsten Triumphe der Schönheit , der Phantasie und des Frohsinns an ihre Heimatstadt zu fesseln , damit von ihr die bahnbrechenden Ideen und Werke ausstrahlen in alle Welt und von allerwärts her Ströme der Bewunderung und goldenen Lohnes zurückfließen . Die Erziehung des Urmüncheners zum Kunststädter war anfangs eine fast aussichtslose That einzelner Fürsten . Besonders als sich die alte Herzogstadt in die neue Königsstadt umwandelte . Man wehrte sich gegen die Ansiedlung genialer Baumeister und Maler , genialer Schriftsteller und Musiker und Theatraliker oft mit komischer Verbissenheit ; der Urmünchener in seinem alten , dumpfen , verpfafften Winkelwerk fürchtete in ihnen die Lichtbringer und Aufklärer , die geistigen Unruhstifter und Bewegungsmacher . Die gewohnte saule Ruhe , mit edelstem Bier genossen , war ja so süß , die geistige Beschränkung half so lieblich die köstlichen Kalbsbraten und Bockwürste und Radi verdauen - - und dabei brachten die kirchlichen und büreaukratischen Koterien so gemütlich ihr Schäfchen ins Trockene . Nur durch das unverdiente Glück , so außerordentlich hochsinnige , weitblickende Fürsten wie die Könige Ludwig I. und Max II. als Landesväter zu haben , wurden die Münchener zu dem Range moderner Kunststädter erhoben . Alles verdankt München der beharrlichen Thatkraft und Unerschrockenheit dieser großen Könige ... Und erst als der phantasievollste und idealste aller Wittelsbacher , der jugendliche Ludwig II. den Thron bestieg , jubelte jedes echte Künstlerherz ... Das war der psychologische Moment in Münchens Kunstgeschichte , die nach neuen Zielen und Wegen drängte ... Da kam die große unselige Schicksalswende ... Seit der Monarch die Stadt verlassen und ... Berge und