Verlobung erwarten . « » Kann sein ! « meinte Tante Sophie und leerte den Rest ihrer Tasse . 20 Margarete stand am andern Morgen im offenen Fenster der Hofstube . Sie fegte das dicke Schneepolster vom Steinsims draußen und streute Brotkrumen und Körner für die hungernden Vögel . Droben über dem weiten Viereck des Hofes stand ein klarblauer , frostflimmernder Himmel ; nicht das kleinste Flöckchen hatte er zurückbehalten , und wenn es noch da und dort silbern herniederstäubte , so kam es von einem der müde gewordenen Lindenzweige , die einen Teil der schweren Schneelast zu Boden sinken ließen ... Es war sehr kalt . Keine Taube wagte sich heraus auf die Flugstange , und die Vögel , für welche der Futterplatz zurechtgemacht wurde , hungerten auch lieber in ihren Verstecken - nicht das leiseste Fluggeräusch unterbrach die tiefe Morgenstille des Hofes . Margarete wollte eben frostdurchschauert das Fenster schließen , als die Thüre des Stallraumes im Weberhause geöffnet wurde , und der Landrat auf seinem schönen Braunen über die Schwelle ritt . Er grüßte herüber und kam direkt unter das Fenster . » Du reitest nach Dambach zum Großpapa ? « fragte sie wie mit zurückgehaltenem Atem . » Zunächst nach dem Prinzenhofe , « antwortete er , und zog glättend an seinem neuen , eleganten Handschuh . » Vielleicht gelingt es mir besser als dir , in den Zügen der jungen Dame zu lesen , was ich wissen will - was meinst du dazu , Margarete ? « » Ich meine , daß du das bereits weißt und durchaus nicht nötig hast , ein Orakel zu befragen , « sagte sie schroff . » Ob dir aber die Dame so in aller Frühe Rede stehen wird , das ist eine andere Frage . Sie sieht zu wohlgepflegt aus , als daß man an ein Frühaufstehen glauben möchte . « » Da bist du wieder sehr im Irrtum . Ich wette , sie ist in diesem Augenblick bereits bei ihrer Lady Milford im Stalle und sieht nach dem Rechten . Das Reiten ist ihre Passion - du hast sie noch nicht zu Pferde gesehen ? « Sie schüttelte den Kopf und warf ihn zurück . » Nun , sie reitet süperb und wird viel bewundert . Sie sieht in der That aus wie eine Walküre , wenn sie auf ihrem stattlichen Pferd daherkommt . Diese Lady Milford ist übrigens kein englisches Vollblut , ist vielmehr eine ehrliche Mecklenburgerin , schön gebaut und fromm - du kennst vielleicht die Rasse - « » Jawohl , Onkel . Herr von Billingen hat zwei prächtige Mecklenburger Wagenpferde . « Mit diesem Namen warf sie selbst trotzig den Fehdehandschuh hin . Mochte er nun auf dem Terrain vorgehen , wie die Großmama ; das war ihr doch lieber , als die unerschöpflichen Lobpreisungen einer Verhaßten anhören zu müssen . Gerüstet war sie ja , sie fühlte eine wahre Kampfbegierde in sich aufglühen . Er bog sich vor und klopfte seinem Braunen , der unruhig wurde , den Hals . » Zu diesen prächtigen Pferden gehört selbstverständlich ein eleganter Wagen ? « fragte er gelassen . » Gewiß - ein sehr schöner , selbst in Berlin bewunderter Wagen . Es sitzt sich ganz hübsch im Fond , auf den silbergrauen Atlaspolstern . Herr von Billingen hat Tante Elise und mich öfter ausgefahren - « » Ein vornehmer , stattlicher Kutscher - « » O ja , stattlich wohl , wie ich dir schon einmal gesagt habe ! Groß und breit , und weiß und rot wie eine Apfelblüte ! Ganz der norddeutsche Typus , wie zum Beispiel die junge Dame im Prinzenhofe . « Er warf einen schnellen Blick auf ihren trotzig geschwellten Mund , ihre dunkel geröteten Wangen und lächelte . » Geh , schließe das Fenster , Margarete ! Du wirst dich erkälten , « sagte er . » Solche Dinge erzählt man sich am besten am gemütlichen Theetisch . « Er neigte sich grüßend und ritt fort , und sie schloß hastig das Fenster . Auf den nächsten Stuhl niedersinkend , vergrub sie das Gesicht in den verschränkten Armen , die sie auf den Fenstersims legte . Sie hätte weinen mögen vor Erbitterung und Aerger über sich selbst - sie zog seiner lächelnden Ruhe gegenüber stets den kürzern - - - - - - Gegen Mittag kehrte Herbert wieder zurück und bald darauf kam die Großmama herunter , um mit großer Feierlichkeit anzuzeigen , daß die Herrschaften im Prinzenhofe sie und die Enkelin heute nachmittag bei sich zu sehen wünschten . Nun flog der Schlitten in der dritten Nachmittagsstunde wieder über die weite Schneefläche draußen . Diesmal saß die Großmama neben dem jungen Mädchen , erwartungsvoll und hoch aufgereckt ; sie strotzte von Samt und Seide . Herbert fuhr selbst . Er saß hinter den Damen , und wenn er sich vorbog , da konnte Margarete seinen Atem an ihrer Wange spüren . Heute brauchte sie seinen Pelz nicht ; sie hatte sich schleunigst einen warmen Pelzumhang gekauft , und es war ihr vorgekommen , als habe er diese neue Acquisition beim Einsteigen mit sarkastischem Blick gemustert . Das Rokokoschlößchen rückte wie im Fluge immer näher . Mit seinen mächtigen , sonnenglitzernden Spiegelscheiben lag es in der weiten Schneelandschaft wie ein Schmuckstück auf weißem Sammetpolster ... Drüben in Dambach qualmten die Fabrikschlöte , und diese Zeugen der Arbeit stiegen als riesige schwarze Säulen in den Himmel hinein und verschleierten auf weite Strecken hin sieghaft seine klare Bläue ; aber die durchsichtige Luftschicht über dem Prinzenhofe berührten sie nicht . Die Frau Amtsrätin bemerkte das mit hörbarer Befriedigung dem Sohn gegenüber . » Wir haben augenblicklich Westluft , « sagte er . » Der Nordwind verfährt nicht so glimpflich ; er trägt oft die Rauchspuren bis in die Fenster hinein , wie die Damen klagen . « » Aber mein Gott , ließen sich denn da nicht Vorkehrungen treffen ? « rief die alte Dame ganz empört . » Ich