doch eine gesunde Eiche oder Buche erbaulicher « usf. Die Frauensleute hingegen ärgerten sich über meine Vagabunden , Kesselflicker und Fratzengesichter und begriffen nicht , warum ich im Felde nicht lieber ein artiges vorübergehendes Landmädchen oder einen anständigen Ackersmann abgebildet habe , als mich fortwährend mit solchen Unholden zu beschäftigen ; die Söhne belachten meine ungeheuerlichen Berghöhlen , die unmöglichen und lächerlichen Brücken , die menschenähnlichen Steinköpfe und Baumkrüppel und gaben jeder solchen Tollheit einen lustigen Namen , dessen Lächerlichkeit auf mich zu fallen schien . Ich stand beschämt da als ein Mensch , der voll närrischer und eitler Dinge ist , und die mitgebrachte künstliche Krankhaftigkeit verkroch sich vor der einfachen Gesundheit dieses Hauses und der ländlichen Luft . Gleich am ersten Tage nach meiner Ankunft stellte mir der Oheim , um mich wieder auf eine reale Bahn zu leiten , die Aufgabe , seine Besitzung , Haus , Garten und Bäume , genau und bedächtig zu zeichnen und ein getreues Bild davon zu entwerfen . Er machte mich aufmerksam auf alle Eigentümlichkeiten und auf das , was er besonders hervorgehoben wünschte , und wenn seine Andeutungen auch eher dem Bedürfnisse eines rüstigen Besitzers als demjenigen eines Kunstverständigen entsprachen , so ward ich doch dadurch genötigt , die Gegenstände wieder einmal genau anzusehen und in allen ihren eigentümlichen Oberflächen zu verfolgen . Die allereinfachsten Dinge am Hause selbst , sogar die Ziegel auf dem Dache , gaben mir nun wieder mehr zu schaffen , als ich je gedacht hatte , und veranlaßten mich , auch die umstehenden Bäume in gleicher Weise gewissenhafter zu zeichnen ; ich lernte die aufrichtige Arbeit und Mühe wieder kennen , und indem darüber eine Arbeit entstand , die mich in ihrer anspruchlosen Durchgeführtheit selbst unendlich mehr befriedigte als die marktschreierischen Produkte der jüngsten Zeit , erwarb ich mir mit saurer Mühe den Sinn des Schlichten , aber Wahren . Inzwischen erfreute ich mich des Wiederfindens alles dessen , was ich im letzten Jahre hier verlassen , beobachtete alle Veränderungen , welche etwa vorgefallen , und harrte im stillen auf den Augenblick , wo ich Anna wiedersehen oder wenigstens zuerst ihren Namen hören würde . Aber schon waren einige Tage verflossen , ohne daß die geringste Erwähnung fiel , und je länger dies andauerte , desto minder brachte ich die Frage nach ihr hervor . Man schien sie völlig vergessen zu haben , als wäre sie niemals dagewesen , und , was mich innerlich kränkte , niemand schien im geringsten zu ahnen , daß ich irgendeine Berechtigung oder ein Bedürfnis besitzen könnte , von ihr zu hören . Wohl ging ich halbwegs Über den Berg oder in den Schatten des Flußtales , allein jedesmal kehrte ich plötzlich um , aus unerklärlicher Furcht , ihr zu begegnen . Ich ging auf den Kirchhof und stand an dem Grabe der Großmutter , welche nun schon seit einem Jahre in der Erde lag ; aber die Luft war windstill vom Gedächtnisse Annas , die Gräser begehrten nichts von ihr zu wissen , die Blumen flüsterten nicht ihren Namen , Berg und Tal schwiegen von ihr , nur mein Herz tönte ihn laut hinaus in die undankbare Stille . Endlich wurde ich gefragt , warum ich den Schulmeister nicht besuche ? und da ergab es sich zufällig , daß Anna schon seit einem halben Jahre nicht mehr im Lande sei und daß man meine Kunde hierüber vorausgesetzt habe . Ihr Vater hatte , in seiner steten Sehnsucht nach Bildung und Feinheit der Seele und in Betracht , daß nach seinem Tode sein Kind , das einmal für eine Bäuerin zu zart sei , verlassen in der rauhen dörflichen Umgebung bleiben würde , sich plötzlich entschlossen , Anna in eine Bildungsanstalt der französischen Schweiz zu bringen , wo sie sich bessere Kenntnisse und Selbständigkeit des Geistes erwerben sollte . Er ließ sich , als sie ihre Abneigung dagegen aussprach , durch ihre Tränen nicht erweichen , allein auf die Befriedigung seiner Wünsche bedacht , und begleitete das ungern scheidende Kind in das Haus des fernen , vornehm-religiösen Erziehers , wo sie nun noch wenigstens ein volles Jahr zu bleiben hatte . Diese Nachricht traf mich wie ein Schlag aus blauem Himmel . Ich ging nun alle Tage zu ihrem Vater , begleitete ihn auf seinen Wegen und hörte von ihr sprechen ; oft blieb ich mehrere Tage dort , alsdann wohnte ich in ihrem Kämmerchen , wagte mich jedoch fast nicht zu rühren darin und betrachtete die wenigen einfachen Gegenstände , welche es enthielt , mit heiliger Scheu . Es war klein und enge ; die Abendsonne und der Mondschein füllten es immer ganz aus , daß kein dunkler Punkt darin blieb und es bei jener wie ein rotgoldenes , bei diesem wie ein silbernes Juwelenkästchen aussah , dessen Kleinod ich nicht verfehlte mir hineinzudenken . Wenn ich nach malerischen Gegenständen umherstreifte , so suchte ich vorzüglich die Stellen auf , wo ich mit Anna geweilt hatte ; so war die geheimnisvolle Felswand am Wasser , wo ich mit ihr geruht und jene Erscheinung gesehen , schon von mir gezeichnet worden , und ich , konnte mich nun nicht enthalten , auf der schneeweißen Wand des Kämmerchens ein sauberes Viereck zu ziehen und das Bild mit der Heidenstube , so gut ich konnte , hineinzumalen . Dies sollte ein stiller Gruß für sie sein und ihr später bezeugen , wie beständig ich an sie gedacht . Diese fortwährende Erinnerung an sie und ihre Abwesenheit machten mich insgeheim immer kecker und vertraulicher mit ihrem Bilde ; ich begann lange Liebesbriefe an sie zu schreiben , die ich zuerst verbrannte , dann aufbewahrte , und zuletzt wurde ich so verwegen , alles , was ich für Anna fühlte , auf ein offenes Blatt zu schreiben , in den heftigsten Ausdrücken , mit Vorsetzung ihres vollen Namens und Unterschrift des meinigen , und dies Blatt auf das Flüßchen zu legen , das es vor aller Welt hinabtrieb , dem Rheine und dem Meere