. Es war rein unmöglich , mit diesem Mann von Dingen zu reden , welche er nicht hören wollte . Eine leichte Handbewegung genügte , um ganze Jahresreihen Voll der interessantesten Data und Fakta abzutun und sie für immer aus dem Gespräch zu verbannen . Das war ein Mann , der jede Krodebecker Weltanschauung wie von einem hohen Berge übersah und der den Vorhang seiner Welt , der Welt , aus welcher er jetzt zum Besuch erschien , nur mit größtmöglichster Vorsicht lüften durfte , wenn das dreimal glühende Licht nicht seine volle blendende Wirkung auf diese einfachen Bewohner des nördlichen Abhanges des Harzgebirges ausüben sollte . Nach eingenommener Erfrischung bat der große Zauberer den verschüchterten , schwindelnden Pfarrer um eine vertraulichere Unterhaltung und - führte ihn gemütlich die Treppe hinauf in das Studierstübchen desselben . Er führte den Pastor in das Studierstübchen und litt es als feiner Kavalier durchaus nicht , daß die Dame des Hauses sich jetzt noch länger durch ihn in ihren Haushaltsgeschäften stören ließ . Als nach einer halben Stunde peinlich prickelnder Aufregung die geistliche Hirtin es nicht länger aushielt und leise ebenfalls die Treppe hinaufging und die Hand auf den Türgriff legte , fand es sich , daß der Edle die Delikatesse fast etwas zu weit getrieben hatte : er hatte den Riegel vorgeschoben ! » Wir kommen sogleich , meine Liebe ! « klang von drinnen die Stimme des Gatten , eigentümlich gehalten und gedrückt . Kopfschüttelnd stieg die geärgerte Frau wieder hinab und fand sich - dem überwältigenden Wiener Lakaien gegenüber , welcher eben das Gepäck vom Dorfkrug hatte herbeischaffen lassen und dessen großartiger Unterwürfigkeit gegenüber sie fast in Schwachheit , Angst und Ratlosigkeit verging . Und die beiden Herren kamen noch lange nicht , und als sie endlich kamen , lächelte der Herr von Haußenbleib mehr denn je , und der Pfarrer sah sehr erschöpft aus , trocknete sich die Stirn mit dem Sacktuch und flüsterte , als er die Gelegenheit fand , einen kurzen Augenblick die Gattin allein beiseite zu nehmen : » Er weiß nun alles , und ich weiß nichts , als daß er nicht seinen Aufenthalt in Krodebeck nehmen und nicht friedlich fürderhin unter uns wohnen wird ; o mein Gott ! O meine Gute , meine Be-ste ! « » Wer hat dir geraten , daß du dich in nichts mengen und mischen solltest ? « fragte die Beste scharf , schneidend und kurz und hätte noch mehr gesagt , wenn der Gast nicht in diesem Augenblick wieder eingetreten wäre . Der Ritter von Haußenbleib hatte den imposanten Bedienten mit einer Karte nach dem Lauenhof geschickt und ließ anfragen , wann es den gnädigen Herrschaften gefällig und angenehm sein werde , den gnädigen Herrn zu empfangen . Der gute Franz hatte dem Menschen den Weg zu zeigen und tat ' s mit einem schrillen Gefühl des Unbehagens . Es war jetzt gegen vier Uhr am Nachmittag . Der Pastorenfranz hatte dem Diener das Tor des Lauenhofes von ferne gezeigt und war wieder zurückgekehrt ; der Diener trat ein in das Tor und traf zuerst auf die Frau Jane Warwolf , die nach ihrer Gewohnheit auf dem Prellsteine saß und jetzt aufsah und seufzte : » Da ist der erste von der Bande ! Glück auf , jetzt bricht das Unglück herein ! « Der Fremde , welcher natürlich die Meinung der Alten nicht verstand , grüßte höflich , schritt weiter dem alten Herrenhause zu und wurde mit seiner Botschaft von Hennig in Empfang genommen und zur Mutter weiterbefördert . Die Frau Adelheid nahm die Karte und die Bestellung hin , betrachtete den Boten aus einer besseren Welt geraume Zeit mit großer Aufmerksamkeit und ließ zurücksagen : » Der Herr - Edle - von Haußenbleib - mag kommen , wann er will . Sagen Sie ihm das , mein lieber Mann , und sagen Sie ihm zugleich , es habe der Umstände gar nicht bedurft , denn der Herr Häußler werde sich noch erinnern , daß er ein ganz guter alter Bekannter von mir sei und daß ich mich weder vor ihm noch sonst jemand in meinem Leben im geringsten geniert habe . « Auch diese Rede verstand der Bote nur zur Hälfte , aber er verstand doch genug davon , um mit einer tiefen Verbeugung seinen Rücktritt nehmen zu können . Er schritt wieder fort , wie es schien , gar nicht erbaut von dem Ton , welcher auf diesem nordischen Bauernhofe herrschte , und gegen fünf Uhr kam an seiner Stelle der Edle Häußler von Haußenbleib in Begleitung , wenn auch nicht des Genius loci , so doch des Pastor loci . Und wenn die Frau Adelheid von Lauen sich , ihrem Wort zufolge , vor keinem Menschen in der Welt genierte , so hatte sie sich doch auf den Besuch keines Menschen innerlich und äußerlich so sehr vorbereitet wie auf den dieses Mannes . Den anderen schwamm , sang und klang es vor Auge und Ohr in einer Weise , die sie fürs erste vollständig unfähig machte , die nötige Klarheit der bedenklichen Stunde gegenüber festzuhalten . Dreiundzwanzigstes Kapitel Wir haben wohl den Schüdderump gänzlich vergessen ? Das Leben ging uns so leicht und weich ein , die Tage gingen wie auf samtnen Schuhen vorüber : weshalb auch sollten wir in der guten Stunde selbstquälerisch das aufsuchen , was seinerzeit ohne Einladung nahen und sich nicht abhalten lassen wird ? Wir waren gesund und wohlauf ; ja , wir konnten lachen , ohne zu wissen warum ; warum sollten wir freiwillig das dunkle Bild im Winkel aufstöbern , welches uns sehr ernst stimmt , ohne daß wir behaupten könnten , wir wüßten nicht weshalb ? Horch , was war das ? Vielleicht traf das Rad des widerwärtigen Karrens auf einen Stein im Wege , und so wurde die schauerliche Last ein wenig zusammengerüttelt , und den Ton vernahmen wir mitten im fröhlichen Behagen des Daseins , im Kreise der Freunde , einsam am warmen Ofen