sprechen . « » Also das sind die Pantheisten , « sagte Regina . » Nun und was betet die übrige Welt an , die nicht pantheistisch gesinnt ist , aber auch vom Kreuze nichts wissen mag ? « » Fetische , Gräfin Regina ! - Der Fetisch ist , wie bekannt , jedes beliebige Ding oder Unding . Die alten Egypter beteten unter Anderen , nebst Krokodill und Katze , auch die Zwiebel an , weil sie gern dieselbe speisten . Wenden Sie das auf die Welt an ! Der größte Fetischdienst wird aber unstreitig mit Papierschnitzeln getrieben . « » Da muß ich auch zuhören ! « rief Corona , und legte ihren Bleistift nieder , mit dem sie bis dahin fleißig gezeichnet hatte . » Das ist ja über allemaßen merkwürdig ! - Also , Herr Ernest , Papierschnitzel ! « » Ja , Komteßchen , mit Zahlen bedruckte . Steht eine Eins darauf , so ist die Anbetung gering ! Zehn - zehnmal höher ! Hundert - hundertmal höher ! Tausend - nun dann ist sie enorm ! Ein Päckchen solcher mit der Zahl Tausend bedruckter Papierschnitzel - ja , wenn das da drüben zu Engelberg auf der Stelle läge , wo die heilige Mutter Gottes steht - und es hieße : Derjenige bekommt es , der zuerst auf Händen und Füßen den Berg erklimmt - o mein liebes Komteßchen , welch ' eine Jagd würden wir erleben ! Kein Glatteis , kein Regen , kein Schnee , keine dreißig Grad Hitze - nichts hielte diese Adoranten zurück , sich auf allen Vieren an die Eroberung ihres gebenedeiten Fetisches zu machen . Knieend die Wallfahrtstreppe zu ersteigen , andächtig dabei den Rosenkranz zu beten und sich in dieser kindlichen Weise vor dem göttlichen Kindlein Jesu zu demütigen : das ist in den Augen dieser Fetischdiener der höchste Grad des Lächerlichen und Törichten . Aber eine Promenade auf allen Vieren wäre höchst weise , respektabel und durchaus notwendig , wenn es sich um jene Papierschnitzel handelte ; denn das sind Bankzettel , die Geldeswert haben - oder haben sollen . « » Bankzettel ! « sagte Corona im Tone getäuschter Erwartung . » Ich dachte Wunder , was das sein würde ! « » Sie sind gar nicht auf der Höhe des Jahrhunderts , wenn das Wort Sie nicht elektrisiert zu brennendem Verlangen . Ja , Bankzettel sind die Idole der Welt , denn sie verhelfen zum Genuß ihrer Herrlichkeit und darin besteht , nach vorherrschender Meinung , das Glück und die Würde des Menschengeschlechtes . « » O , « rief Regina , » wie notwendig ist es , daß gegen diesen niedrigen Zug , der durch die Menschheit geht und sie entadelt , ein energischer Protest eingelegt werde und ein Zug nach dem himmlischen mit Entschiedenheit sich kund gebe ! Je mehr die einen nach den Freuden der Erde schreien und rennen , desto mehr müsse die anderen ihre Verachtung dieser Nichtigkeiten an den Tag legen und nach übernatürlichen Gütern seufzen und streben . « » Diesen himmlischen und ganz unausrottbaren Zug in der Menschheit , der durch ihre dunkelsten Epochen wie Sternenlicht schimmert , vertritt eben der Ordensstand , « sagte Levin . » Sein Dasein ist der energische Protest einer Menschheit , die nach dem Bilde Gottes sich geschaffen und für ein ewiges Leben bestimmt weiß ; die sich als verbannt aus dem Paradiese führt und sich dahin zurücksehnt ; die , von geheiligter Willenskraft bewogen , eben so entschieden erlaubtem Erdenglück entsagt , wodurch sie , - wie Atalante durch die goldenen Äpfel - in ihrem Lauf gehemmt werden könnte , als man sich auf der anderen Seite , von brutalen Leidenschaften blind getrieben , gierig im Unerlaubten ergeht . Der Ordensstand ist der entschieden und in bestimmtester , gleichsam handgreiflicher Form ausgeprägte Protest der Kinder Gottes gegen das Gebahren der Kinder Belials . Daher der unaussprechliche Grimm dieser gegen jene ! sie fühlen sich gleichsam bei Leibesleben schon verdammt durch die lichte Richtung , welche ihre finstere doppelt dunkel erscheinen läßt . Haben sie die Oberhand in den Angelegenheiten der Welt , so ist es regelmäßig ihre erste Großtat , daß Klöster aufgehoben und Ordensleute verjagt werden . Dies sage nicht ich , dies sagt seit mehr als dreihundert Jahren die Geschichte . Jede Verbindung in der menschlichen Gesellschaft , welche irgend einem Zweige des Baalsdienstes huldigt , darf bestehen . Verbinden sich aber einige Männer oder Frauen , um gemeinsam dem göttlichen Heiland durch Gebet und Liebeswerke zu dienen , so wird irgend ein beliebiges Zetergeschrei so hartnäckig und so betäubend von ihren Widersachern angestimmt , als führten sie den Untergang der Welt herbei . Fahndet man aber auf die Singvögel wie auf Habicht und Geier , so wird der Wald stumm und öde und der liebliche Gesang verhallt , der dem Wandersmann das Herz frisch und fröhlich machte und ihn zuweilen veranlaßte einzustimmen in die friedlichen Hymnen . So sind denn auch wir gar arm jetzt an Klöstern und daher auch bitterarm an Gebet . Das Kloster ist so recht dessen Heimat . In der Welt bereiten ihm wohl auch fromme Seelen eine Stätte , allein es ist dort eine Ausnahme ; im Kloster ist es die Regel . Dem Gebetsleben sich widmen : das war in den ersten christlichen Jahrhunderten der bezeichnende Ausdruck für das klösterliche Leben ; er zeigte an , daß jede Arbeit , jede Beschäftigung , jedes Werk , jede Handlung durch das Gebet in der Vereinigung mit der Anbetung der Engel geschehen sollte . Das gemeinschaftliche Chorgebet , das durch Tage und Nächte zu festgesetzter Stunde anhub - die andächtige stille Betrachtung der heiligen Geheimnisse des Glaubens - die Anbetung des Sanktissimums , worin sich ununterbrochen , Stunde um Stunde , in gewissen Klöstern die Ordensleute abwechselten - das höhere , beschauliche Gebet , das sich versenkt in das Leben , Leiden und Sterben des Gottessohnes - das alles ist mit den Klöstern verschwunden