Wirthes an , wenn seine Gäste betrunken wurden , im besten Falle taumelnd heimgingen , oder auch noch in seinem Zimmer bewußtlos zu Boden sanken und halbe Stunden brauchten ihren Rausch auszuschlafen . Solche Niedergetrunkene wurden dann in das Cabinet gewälzt , in dem jetzt Ulrich wartete und dem man deshalb den Namen der Todtenkammer gegeben . Zum Glück hatte sie jetzt noch keinen Insassen . Heute würde sich der Propst keine Gäste geladen haben , da er sich vorgenommen , ernsthaft mit Ulrich zu sprechen ; allein auswärtige Amtsbrüder und Genossen waren unerwartet und gehörig ausgefroren angekommen , sie saßen nun jetzt schon ein paar Stunden mit ihm beim Mahl und vertilgten immer mehr von der edlen Gottesgabe , die sie mißbrauchten , bis sie dadurch sich selbst und gewaltsam unter das Thier erniedrigten . Für einen Helden galt , wer am meisten saufen konnte - so nannten sie auch selbst ihr unmäßiges Trinken , das auch auf keinen andern Namen mehr Anspruch zu machen hatte und wenn bei Einigen in allerlei kaum glaublichen und nicht zu schildernden Rohheiten die viehische Lust ausbrach , oder Andere wie Todte da lagen , so galt dies meist als das fröhlichste Ende eines fröhlichen Gelages - bei Fürsten und Geistlichen ebenso gut , ohne daß diese darum in der öffentlichen Meinung verloren , wie bei Bürgern und Gesellen . Mit rothglühendem Gesicht trat der Propst vor Ulrich - er hatte ganz vergessen , daß er ihn herbestellt ; jetzt fiel es ihm ein und auch welche Warnungen er ihm hatte mitgeben wollen ; aber er war seiner Sinne zu wenig mächtig , um selbst zu wissen , was er sprach . Er gehörte zu den gutmüthigen und gemüthlichen Naturen , die in der Trunkenheit sich durch Geschwätzigkeit und Zärtlichkeit offenbaren , gleich sehr zum Lachen wie zum Weinen geneigt , je nachdem die Veranlassung dazu reizt . » Ach , Du bist es , mein guter Junge ! « sagte er zu Ulrich ; » Du kommst , ehe Du in das Kloster gehst - nun , möge der Gang Dir nicht zum Unglück werden - Du weißt , ich meine es gut mit Dir - ich wußte mir nicht zu helfen , ich mußte nachgeben , Dich hinschicken , da der Werkmeister gleich darauf einging . « » Ein Unglück ? « sagte Ulrich und dachte an Hieronymus ' Argwohn : » ich meinte , man habe uns eine Gunst erwiesen , und kam , sowohl Euch dafür zu danken als Euren Auftrag zu empfangen . « » Ach ja ! « sagte der Propst und rieb sich die erhitzte Stirn , » es ist gewiß eine Gunst . Ich wollte nur sagen , daß Ihr im Kloster vorsichtig sein sollt - nicht mit den Mönchen reden - es darf bei Strafe nicht sein - auch nie ein Wort laut werden lassen von dem , was Ihr drinnen sehet und höret - es geht die Laien nichts an - und Euch könnte es nur schaden . « » Ich werde mich gewiß der erwiesenen Gunst nicht unwerth erweisen , « versetzte Ulrich ; » indeß erlaubt mir eine Frage : Ich sah Euch ehegestern beim Meister Kraft mit einem Benediktinermönch am Fenster stehen , der mir derselbe zu sein schien , welcher mir vor - « Entsetzt sprang der Propst auf Ulrich zu und drückte seine Hand auf dessen Mund , ihm die Rede abzuschneiden : » Um aller Heiligen Willen , vollendet nicht ! Wißt Ihr - ahnt Ihr es denn wirklich schon ? - Nein ! denkt lieber gar nicht daran - denkt lieber , es sei nicht - es wäre ja schrecklich , wenn es wäre , und noch schrecklicher , wenn es an den Tag käme ! « Jetzt war die Reihe zu erschrecken an Ulrich . Er sah wohl , daß der Wein in diesen unzusammenhängenden Reden schäumte , aber irgend einen Hintergrund mußten sie doch in des Propstes Seele haben . » Ich verstehe Euch nicht , « sagte er ; » was ich fragen wollte , ist etwas Ungefährliches und Geringes . Ich hatte bald nach meiner Ankunft in Nürnberg das Unglück , im Gedränge mit meinem Schwert den Rosenkranz eines Benediktinermönchs zu zerreißen ; das kostbare Kreuz , das daran hing , ist mir zurückgeblieben , und ich möchte es gern seinem Eigenthümer zurückgeben : nun schien es mir , als hätte ich denselben Klosterbruder neben Euch gesehen ; wenn er vielleicht es war , der die Sendung des Abtes vom heiligen Kreuz Euch überbrachte , so wollte ich nur fragen , ob ich das Verlorene dem Abt oder dem Mönch übergeben sollte ? Was ist dabei das Unglück ? « Der Propst hatte mit äußerster Anspannung seiner Sinne und Kräfte zugehört , er wischte sich den Schweiß von der Stirn und fragte : » Weiter weißt Du gewiß nichts von dem Mönch ? « » Nichts ! « » Nun , dann danke Gott , daß Du es nicht weißt ! « » Aber ich irrte mich nicht , es war derselbe ? « » Derselbe ! ach , es ist schrecklich , daß es immer derselbe ! « » Soll ich ihm das Kreuz geben ? « » Thue es , aber höre nicht auf seine Reden - er ist halb wahnsinnig - sprecht nicht mit ihm , wenn es Jemand sieht und hört - aber dem Abt gebt das Kreuz auch nicht - da gebt es lieber noch dem Bruder Amadeus selbst - aber hört nicht auf ihn ; er hat wunderliche Einfälle und fixe Ideen . « » Amadeus heißt er ? « » Amadeus ; aber laß Dich nicht irre von ihm machen , ich beschwöre Dich . Er ist schon lange im Kloster , aber er war früher ein vornehmer Ritter und büßt um seine Sünden , die er damals begangen ; er hat viel Unglück angerichtet , er könnte Dich auch unglücklich machen - wie er