nur leider bald , auch infolge der Entbehrungen und Anstrengungen , als trügerisch erwies und der lachende Widerschein einer kranken Brust war . Schon in diesen ersten Anfängen seiner Laufbahn geschah es ihm zweimal , daß er auf der hessischen Bergstraße , ein andermal in der Gegend zwischen dem badischen Freiburg und Basel - wo wandern nicht diese armen Heloten der dramatischen Muse ! - von einem Blutsturz befallen wurde und hülflos und verlassen in kleinen Städtchen liegen bleiben mußte . Die vornehmste Bühne , auf der er , leidlich genesen , im Fache der Liebhaber zum ersten mal wieder auftreten konnte , war St.-Gallen gewesen . Serlo spielte in St.-Gallen den Mortimer . Er erlebte dabei , daß selbst eine so kleine Stadt wie diese schweizerische ihn auslachte . In Lindau am Bodensee ging es ihm nicht besser . In den kleinsten Städten werden jetzt schon Recensionen und nach auswärts Correspondenzen geschrieben . Um diese seine beiden Niederlagen zu decken , wählte er statt seines eigentlichen Namens Firmian Neumeister den Namen Serlo und gerade Serlo mit Bewußtsein aus Göthe ' s Wilhelm Meister . Gebildet durch Schulunterricht und die Vorbereitungen zum Priesterstande , hatte er vorzugsweise die beiden male , wo nach seinen Blutstürzen Schonung ihm anempfohlen wurde und die Pflege guter Menschen ihm eine Zeit lang Muße gewährte , sein Wissen zu erweitern und zu vervollkommnen gesucht . Er ragte durch seine geistige Bedeutung unter seinen Standesgenossen bei weitem hervor und konnte sich endlich mit dem Namen Serlo in Passau , Regensburg , ja selbst mit der Zeit in Nürnberg behaupten . Hatte Serlo einen Erfolg errungen , so warf ihn leider immer wieder sein körperliches Befinden zurück , nahm ihm feste Stellungen , zwang ihn , monatelang zu pausiren und in den Bädern wieder Erholung und Stärkung zu suchen . Seine Gemüthsstimmung erfüllte sich dabei mit großer Bitterkeit . Er konnte dieser Bitterkeit einen geistigen Ausdruck geben . Er sah überall die Erfolge der Talentlosigkeit , der Intrigue , des schlechten Geschmacks . Er , mit ungleich größern Ansprüchen auf die Gunst der Musen , mußte zurückstehen . Schon war ihm geschehen , daß er an irgendeinem glücklichen Abend irgendeinem durchreisenden Kunstkenner in kleinen Städten aufgefallen war und einen Ruf nach einem großen Hoftheater bekommen hatte ; kaum dort angelangt , überfiel ihn eine Heiserkeit , die ihm entweder das Auftreten ganz untersagte oder ihn , wenn er spielen konnte , außer Benutzung seiner Mittel setzte . Und doch hatte sich darauf etwa fünf Jahre lang seine Lage ziemlich günstig gestaltet . Er bekleidete erste Fächer an großen Stadttheatern und hatte Erfolge , Erfolge sowol auf der Bühne wie in der Gesellschaft . Es umgab ihn ein eigener Reiz des Geheimnißvollen , den seine liebenswürdige und angenehme Persönlichkeit unterstützte . Serlo gehörte keineswegs zu denen , die sich der bösen Welt gegenüber unbewaffnet betreffen ließen . Das Unglück hatte ihn längst mehr scharf als schartig gemacht und im Glück gab er seine Weise keineswegs auf und verwundete wol auch zuerst , da ihm Urtheil und Ueberzeugungseifer nicht fehlten . Die Macht , die er überall durch Intrigue erstrebt und wirklich auch durch sie erobert sah , reizte ihn sogar , auch seinerseits nicht die Hände in den Schoos zu legen oder unter Gaunern , wie er zu sagen pflegte , der einzige ehrliche Mann zu bleiben . Serlo schien sogar vielen gefährlich ; er rührte sich nach Kräften , zerriß hier eine Fessel , um dort eine andere zu vortheilhafterm Dienst sich anzulegen , stieß fort , was ihm im Wege stand , und unterdrückte mit Gewalt Gemüth und Reue , zwei Begriffe , die für diese » elende und erbärmliche Welt « nicht paßten und » die Krähen da einließen , wo die Adler wohnen sollten « , wie er oft mit Shakspeare sprach . Geist , Bildung , Intrigue , Talent und ein bei alledem nicht zu verwindender gemüthlicher Zug gaben in Serlo eine Erscheinung , die zum Höchsten berufen schien , wenn nur die Natur und das Glück gewollt hätten . Die Natur hatte Firmian Neumeister , genannt Serlo , zu einem frühen Tode bestimmt . Er war glücklich zu einem der ersten Hoftheater emporgeklommen , hatte sich drei Jahre behauptet , begehrte einen Contract , der ihn nach fernern fünf Jahren hätte pensionsfähig machen müssen ; man wollte ihm nur einen kürzern geben , der diese Pensionsfähigkeit ausschloß . Bei dem Streite , der darüber entstand , vergaß sich Serlo in den Formen , in denen sein Chef sich behandelt zu sehen berechtigt war . Serlo erhielt seine augenblickliche Entlassung . Damals traf er in gleicher Stimmung jenes Fräulein Leonhardi . Man hatte an demselben Hoftheater geglaubt , nach einer von ihr gespielten Donna Diana in ihr eine der ersten Künstlerinnen zu gewinnen , und fand bald , daß sie eine Rolle wie die andere gab , die Lady Macbeth von demselben zuckersüßen Lächeln begleitet , wie sie Bauernfeld ' sche junge Witwen spielte . So verließen beide zu gleicher Zeit dieselbe Stadt mit denselben Empfindungen , den Empfindungen der Bitterkeit , und auch mit demselben Uebermuth , der die Verzweiflung wegzulügen sucht . Serlo sprach später oft von dieser Verbindung mit Lionel ' s Worten : » Glück zu dem Frieden , den die Furie stiftet ! « Nach einem halben Jahre , wo beide zusammen Gastrollen gaben , mußte Serlo schon für seine Begleiterin sorgen , als wäre sie seine Gattin . War sie dies oder war sie es nicht , sie konnte kein Engagement annehmen . Serlo mußte sie und ein erwartetes Kind ernähren . So nahm er die erste beste Stellung , die nur etwas Brot gab . Er nahm sie in einer Form , die sich später nur zu oft wiederholte ... Es ging zum Herbst . Die Entbehrungen , die von einem Gastspielreisen ohne Ruf und Resultat unzertrennlich sind , hatten ihn aufs Krankenlager geworfen . In einer Mittelstadt Norddeutschlands , wo Fräulein Leonhardi noch Verehrer von