stand wie gebannt . Es wird der Engel sein , der die Stirn der Toten zeichnet mit dem Buchstaben , auf daß man sie erkenne , wann der Geist dereinst ihr Gebein anbläst , daß sie wieder leben und auf den Füßen stehen und ein Heer sind wie ehedem ; so dachte er nach dem Bild des Propheten , bekreuzte sich und schwieg . Die Gestalt verschwand aus seinen Augen . Der Morgen graute , da kamen viel Männer vom Heerbann , die Mönche abzulösen . Die Herzogin sandte sie . Herr Simon Bardo war zwar nicht einverstanden . » Sieg ist nur halber Sieg , so er nicht benutzt wird , wir müssen den Fliehenden nachrücken , bis der Letzte von ihnen getilgt ist « , hatte er gesagt . Aber die Mönche drangen auf Rückkehr , der Ostertage wegen , und die andern sprachen : » Bis wir die mit ihren schnellen Rossen einholen , mögen wir weit ziehen , sie sind gekommen , wir haben sie gehauen , kommen sie wieder , sind neue Hiebe vorrätig - die Arbeit von gestern ist ihrer Ruhe wert . « Da ward beschlossen , die Toten zu begraben vor Anbruch des Osterfestes . Die Männer trugen Karst und Spaten und schaufelten zwei große Gräber . Es war eine verlassene Kiesgrube seitwärts im Feld , die weiteten sie aus zu geräumigem Ruheplatz . Dorthin trugen sie der Hunnen Leichname . Waffen und Rüstung wurden abgetan und gesammelt , viel Traglasten von Beutestücken . Und sie warfen die Toten in die Grube , sonder Rücksicht , wie sie gebracht wurden - es war ein wild verschlungener Knäuel von Gliedmaßen , Roß und Menschen durcheinander verstrickt , ein Gewühl wie beim Höllensturz der abtrünnigen Engel . Die Tiefe füllte sich . Einer der Schaufelnden kam und brachte ein einzeln Haupt ; grimmig schaute es drein , mit so zerspellter Stirn . » Es wird auch zu den Heiden gehören und mag seinen Rumpf suchen ! « rief er und schleuderte es zu den Leichen . Wie das ganze Feld abgesucht und kein hunnischer Mann mehr zu finden war , scharrten sie die Grube zu ; es war ein Begräbnis ohne Sang und Klang - nur etliche Flüche tönten als Nachruf hinab und Raben und Raubvögel krächzten heiser drein ; die in den Felsspalten des hohen Krähen nisteten , waren herübergeflogen , und die im Tannwald horsteten , auch Moengals Habicht war dabei , sie wollten Einsprache erheben , daß die Beerdigung sie verkürze . Dumpf dröhnten die Erdschollen und Kieselgesteine in das weite Grab . Dann kam der Diakon von Singen mit dem Kessel geweihten Wassers , den Geviertraum schritt er auf und nieder und besprengte ihn zur Bannung der Dämonen und Niederhaltung der fremden Toten in der fremden Erde . Ein verwittert Felsstück war vorzeiten vom Hohentwieler Berg abgelöst zu Tal gestürzt , das wälzten sie aufs Hunnengrab , dann wandten sie sich schauernd von der Stätte und richteten das zweite Grab . Das sollte die gebliebenen Söhne des Landes empfangen . Für die Erschlagenen geistlichen Standes war die Klosterkirche auf Reichenau zum Ruheplatz bestimmt . Zur selben Stunde , in der gestrigen Tags der Kampf begonnen , stieg ein düsterer Zug vom hohen Twiel hernieder . Es waren die Männer , so die Schlacht geschlagen . In derselben Ordnung rückten sie an , aber ihr Schritt war langsam und ihre Banner trauerfarben . Auf den Zinnen der Burg war die schwarze Fahne aufgezogen . Auch die Herzogin ritt mit hernieder , streng und ernst kleidete sie der dunkle Mantel . Die toten Mönche trugen sie auf Bahren herzu und stellten sie zu seiten des großen Grabes ab , auf daß auch sie teilnähmen an der letzten Ehre der Kampfgenossen . Wie die Litanei verklungen , trat der Abt Wazmann ans offene Grab , er rief den sechsundneunzig , die blaß und still drin geschichtet lagen , den letzten Gruß und Dank der Überlebenden hinab : » Ihr Gedächtnis sei gesegnet und ihr Gebein grüne an seinem Ort ! Ihr Name bleibe in Ewigkeit und die Ehre der heiligen Männer komme auf ihre Kinder ! « so sprach er mit den Worten des Predigers , dann tat er den ersten Erdwurf hinunter , die Herzogin nach ihm , dann die andern der Reihe nach . Drauf feierliche Stille . Vom Grab der Brüder hinweg wollten die , so gestern vereint gestritten , auseinandergehen ; manch hartes Antlitz ward gerührt , Kuß und Handschlag gewechselt , dann zogen zuerst die von der reichen Au nach ihrem Kloster . Die Bahren ihrer Toten wurden mit ihnen getragen , Brüder mit brennenden Kerzen schritten psalmsingend zur Seite , auch des Alten aus der Heidenhöhle kampfmüden Leichnam führten sie mit sich , gesenkten Hauptes ging das Streitroß des ungekannten Kriegsmannes , mit schwarzem Tuch umhangen , im Zug - es war ein düstrer Anblick , wie das Totengeleite mählich ins Waldesdunkel einbog . Dann nahmen die vom Heerbann Abschied von der Herzogin . Der dürre Fridinger , den Arm in der Binde , führte eine Schar landabwärts , nur der von Randegg mit etlichen Leuten sollte als Besatzung des hohen Twiel zurückbleiben . Bewegt schaute Frau Hadwig den Abziehenden nach . Dann ritt sie langsam übers Schlachtfeld . Sie war gestern auf dem Turm der Burg gestanden und gespannten Auges dem Toben des Kampfes gefolgt . Itzt mußte ihr Herr Spazzo noch vieles erklären . Dem kam ' s auf etliche Übertreibungen nicht an , aber sie war ' s zufrieden . Mit Ekkehard sprach sie nicht . ... Wie auch sie heimgeritten , war ' s wieder still und öde auf dem Plan , als wär ' nichts geschehen . Nur hufzerstampftes Gras , feucht rötliche Erde und die zwei großen Gräber gaben Zeugnis von der Ernte , die der Tod hier gehalten . Hat nicht lange gedauert , so ist das Blut aufgetrocknet und das Gras neu gewachsen , über die Hügel der Toten