Richter ! « sagte Friedrich mit fester Stimme , so daß alle einander betroffen ansahen und dann mit Abscheu auf den jungen Menschen blickten , der mit einem so unerhörten Tone seine Schuld bekannte . Die Freudigkeit , die aus seiner Stimme klang , wurde von diesen Männern , die in den herkömmlichen Bräuchen und Sitten aufgewachsen waren , als eine schamlose Frechheit angesehen . » Hat Er keinen Verdacht « , fuhr der Pfarrer fort , » daß sie vielleicht noch mit andern Burschen zugehalten hat ? « » Nein , Herr Pfarrer , das hat meine Christine nicht getan . « » Seine Christine ! « sagte Friedrichs Vormund unwillig und höhnisch zum Heiligenpfleger . » Sie gibt an « , fuhr der Pfarrer fort , » Er habe ihr die Ehe versprochen . Ist das wahr ? « » Ja , Herr Pfarrer , und mit heiligen Eiden . « » Saubere Eide ! « sagte der Pfarrer und las aus dem vor ihm liegenden Protokoll : » Er habe ihr die Ehe mit vielen Verpflichtungen versprochen ; wenn er sie nicht behalte , so solle das erste Nachtmal ihm das Herz abstoßen . Ist dem so ? « » Ja , Herr Pfarrer , akkurat so hab ich gesagt « , antwortete Friedrich ganz vergnügt , daß Christine durch diese Aussage seine redliche Absicht so klar dargelegt hatte . » Er Gotteslästerer ! « fuhr der Pfarrer auf , » heißt das ein heiliger Eid , wenn man den Namen Gottes oder seines heiligen Sakramentes so unnütz und ruchlos führt ? Ich muß es dem Herrn Amtmann anheimgeben , ob er es nicht seines Amtes hält , gegen diesen offenbaren Frevel vorzufahren . « » Für Sein Fluchen und Schwören « , nahm der Amtmann , gegen Friedrich gewendet , das Wort , » ist Ihm hiemit ein Pfund Heller angesetzt , unangesehen der andern Strafe , die Ihn für sein Vergehen trifft . « Der Pfarrer beeilte sich , den Strafsatz ins Protokoll einzutragen und dem Heiligenpfleger aufzugeben , daß er das Geld von dem Kontravenienten richtig einziehe . » Ich muß es leiden « , sagte Friedrich gelassen , » aber mein Herz hat nichts Böses dabei gedacht , ich hab nicht fluchen und nicht schwören wollen , sondern bloß ein recht festes Versprechen ablegen . « » Das tut man nicht in so ruchlosen Ausdrücken , die Gott betrüben müssen « , versetzte der Pfarrer . » Wie kannst du , Lump « , fuhr jetzt sein Vormund gegen ihn auf , » wie kannst du ein Versprechen geben und ein Ehverlöbnis eingehen ohne Einwilligung deines Vaters , da du doch minderjährig bist ? « » Das wird sich auch bei der Strafe finden , Herr Senator « , bemerkte der Amtmann . » Wenn sponsalia clandestina gewesen sind oder ein minderjähriger Bursche sich vor erlangter Dispensation verlobt , so ist laut Resolution vom « - er blätterte eine Weile in den umherliegenden Gesetzen , Reskripten und Normalien und fuhr dann ärgerlich , die Stelle nicht gleich zu finden , fort : » so ist laut hochfürstlicher Resolution , die vor kaum vier Jahren emanieret , das Vergehen nicht als ein zwischen Verlobten vorgefallenes , sondern als ein gemeines delictum carnis anzusehen und demgemäß mit höherer Strafe zu belegen , und zwar selbst dann , wenn nachträgliche legitime Verlobung und Heirat erfolgt , was hier alles noch im weiten Felde stehen dürfte . « Friedrich , der den Sinn dieser Rede ungeachtet der eingestreuten lateinischen Brocken gar wohl verstanden hatte , nahm das Wort und sprach : » Ihr Herren , man kann mich strafen , so viel und hoch man will , darum laß ich doch nicht von meinem Schatz , und wenn man uns auch ansieht , als ob wir wie unehrbare und verrufene Personen wider das sechste Gebot gesündigt hätten , so weiß ich doch , daß nichtsdestoweniger mein Schatz ein ehrlich ' s Mädle ist und so sittsam wie nur einem von den Herren seine Frau sein kann . « Die Konventsrichter hatten eine Weile ihren Ohren nicht getraut und ihn deshalb ruhig sprechen lassen , dann aber entstand ein Aufruhr am Ratstische . » Will Er schweigen ? « rief der Pfarrer . » Man hat Ihn vorgeladen , damit Er sich verantworte « , herrschte ihm der Amtmann zu , » und nicht , damit Er sein böses Maul brauche . « » Ich möcht dich zerbrechen « , schrie sein Vormund , » bist noch nicht hinter den Ohren trocken und schwätz ' st so frech ' s und ungesalzen ' s Zeug . « » So einer ist mir noch gar nie vorkommen , so lang ich im Kirchenkonvent sitz « , sagte der Heiligenpfleger , » die andern wagen die Augen kaum aufzuschlagen und schämen sich der Sünd , der aber pocht und will noch gut haben . « » Und lästert göttliche Gebote « , hob der Pfarrer wieder an . » Und fürstliche Verordnungen « , fügte der Amtmann hinzu . Der Anwalt sagte gar nichts , der unerhörte Auftritt hatte lähmend auf seinen Geist gewirkt . Friedrich wollte abermals sprechen . » Still ! « riefen der Pfarrer und der Amtmann . » Still ! « schrien die andern Mitglieder hinterdrein . Friedrich biß die Zähne übereinander und schwieg . » Wie kannst du ' s vor deinem rechtschaffenen Vater verantworten « , fuhr ihn sein Vormund an , » daß du dich hinter seinem Rücken in eine solche Lumpenliebschaft eingelassen hast , und was glaubst du , daß er dazu sagen wird , daß du ohne sein Wissen dich mit einem Ehversprechen gebunden hast , und willst jetzt behaupten , du lassest nicht davon ? Das will ich von dir hören . « » Es ist mir ja verboten zu reden « , erwiderte Friedrich störrisch . » Nein , nein ! « befahl der Pfarrer , » darüber darf